* 10.11.1912 Heidelberg

† 22.1.1943 KZ Mauthausen

Richard Max Broosch wurde am 10. November 1912 in Heidelberg als Sohn eines Antiquitätenhändlers geboren und evangelisch getauft. Nach dem Besuch der Grund- und der Hauptschule, wo er Probleme hatte, ging er noch auf eine Privatschule und absolvierte danach ein Volontariat in einer Schreinerei, erwarb so Wissen, das man im Antiquitätenhandel gut gebrauchen konnte, schloss aber keine Berufsausbildung ab. Er lebte später als Arbeiter in Heidelberg.

Ab Ende 1933 begann für den 20-Jährigen die Kriminalisierung wegen seines homosexuellen Verhaltens. Bis 1938 hatte er mindestens vier Verfahren. Am 18. März 1938 verhaftete man den 25-Jährigen wieder wegen einiger Sittlichkeitsvergehen nach § 175. Der Facharzt für Nerven- und Geisteskrankheiten Medizinalrat Dr. Schwenninger in der Heilanstalt Wiesloch untersuchte ihn auf seinen Geisteszustand und stellte fest, dass er voll zurechnungsfähig sei, empfahl aber eine ernste und lange Strafe. Bei seiner letzten Verurteilung wegen „widernatürlicher Unzucht zwischen Männern“ verurteilte ihn das Landgericht Heidelberg am 12. Januar 1940 zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren, abzüglich von einem Jahr und acht Monaten Untersuchungshaft. Außerdem verurteilte ihn nun das Gericht auch als „gefährlichen Gewohnheitsverbrecher“ zur zeitlich unbefristeten „Sicherungsverwahrung“ nach der verbüßten Strafhaft.

Zur Strafverbüßung transportierte man ihn am 9. Mai 1940 in das Zuchthaus Bruchsal. Nachdem er seine Strafe verbüßt hatte, kam er Anfang September 1942 in die Sicherungsanstalt Schwäbisch-Hall. Der Zeitpunkt war denkbar ungünstig. Reichsjustizminister Otto Thierack hatte mit dem SS- und Polizeichef Heinrich Himmler vereinbart, dass Sicherungsverwahrte und zu langen Haftstrafen Verurteilte „durch einen Einsatz dort, wo sie zugrunde gingen, vernichtet werden.“ Ende 1942 und Anfang 1943 wurde die Masse der Sicherungsverwahrten vom Justizvollzug der Polizei übergeben und in ein KZ transportiert, so auch Richard Broosch. Am 7. Januar 1943 überführte ihn die Polizei in das KZ Mauthausen in Österreich, wo man ihn zur Nummer 20.774 machte. Richard Broosch starb nur wenige Tage später, am 22. Januar 1943, im KZ Mauthausen im Alter von 30 Jahren den von der Justiz gewünschten Tod. Er starb angeblich an einer Entzündung.

2014 setzte man zu seinem Andenken in Heidelberg in der Bergheimer Straße 81 einen Stolperstein.

(http://www.pfalz-express.de/wp-content/uploads/2014/11/Stolpersteine-HD-2014-11-20-Broschu%CC%88re-final-2014-11-10.pdf, abgerufen am 24.04.2016.Ich danke Willam Schäfer, Denzlingen, für die Informationen. Raum der Namen, Die Toten des KZ Mauthausen www.gedenkstaetten.at/raum-der-namen/cms/?L=O  . Weinkauff, Hermann, die Deutsche Justiz und der Nationalsozialismus, in: Die Deutsche Justiz und der Nationalsozialismus, Teil 1, Stuttgart 1968, S. 154, zitiert nach Karl-Leo Terhorst, Polizeiliche planmäßige Überwachung und polizeiliche Vorbeugungshaft im Dritten Reich, Heidelberg 1985, S. 168.)

© Text und Recherche: Rainer Hoffschildt

Siehe auch: http://stolpersteine-heidelberg.de/mediapool/63/638182/data/2014/2014_Richard_Max_Broosch.pdf


pin3d428b  Der Pin auf der Gedenkkarte zeigt Heidelberg, Bergheimerstraße 81


Täterorte in Baden-Württemberg:
Landgericht Heidelberg
Zuchthaus Bruchsal
Sicherungsanstalt Schwäbisch-Hall

Weiterer Täterort:
KZ Mauthausen