Extremes Ausmaß bestätigt: Studie zur Verfolgung homosexueller Männer in Baden-Württemberg von J. Noah Munier erschienen

In einer Anfrage mit dem Titel „Stigmatisiert, kriminalisiert, verfolgt: Zum Stand (…) der wissenschaftlichen Aufarbeitung der LSBTTIQ-Verfolgungsgeschichte im Südwesten“ vom 14. April 2022[1] wurde die damalige baden-württembergische Landesregierung gefragt, ob und inwieweit die bisherigen Ergebnisse des von Prof. Dr. Wolfram Pyta geleiteten Forschungsprojekts „Lebenswelten, Repression und Verfolgung von LSBTTIQ in Baden und Württemberg im Nationalsozialismus und der Bundesrepublik Deutschland“ an der Universität Stuttgart die Einschätzung unseres außeruniversitären Internetprojekts “der-liebe-wegen.org“ bestätigten. Mit dieser Einschätzung waren die von unserem Projekt auf Grundlage langjähriger Recherchen gewonnenen Erkenntnisse gemeint, wonach Ausmaß und Intensität der Verfolgung nach §§ 175 und 175a StGB in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern insbesondere 1959 überdurchschnittlich hoch waren und nach rein quantitativen Kriterien auch das Ausmaß der Verfolgung in der NS-Zeit übertraf.[2] Die Landesregierung antwortete damals, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst könne keine eigenen wissenschaftlichen Bewertungen vornehmen. Zudem könne den Ergebnissen des Moduls II „Staatliche Repression und Verfolgung nach Paragraph 175 StGB“ des genannten Forschungsprojekts nicht vorgegriffen werden.
Im April 2026 ist nun diese Studie von Dr. phil. J. Noah Munier zu Modul II des genannten Forschungsprojekts der Universität Stuttgart, Historisches Institut Abteilung Neuere Geschichte, unter dem Titel „Paragraf 175 StGB in der jungen Bundesrepublik – Verfolgung und staatliche Repression: Baden-Württemberg im Fokus eines sich wandelnden Sexualitätsdiskurses 1945-1969“ erschienen[3]. Munier bestätigt darin die besonders intensive Verfolgung in der Region des heutigen Bundeslandes Baden-Württemberg und in seiner Landeshauptstadt Stuttgart in der Nachkriegszeit. In vier Kernkapiteln beleuchtet Munier die politische und rechtshistorische Entwicklung im Umgang mit mann-männlicher Homosexualität, die polizeiliche Verfolgungspraxis, die Repression im juristischen Bereich als auch im medizinisch-psychiatrischen und psychologischen Kontext.

Die Spitzenreiterrolle Baden-Württembergs in Zahlen
Zur traurigen Spitzenreiterrolle Baden-Württembergs bei der Verfolgung homosexueller Männer nennt Munier in ihrer Studie eindeutige Zahlen: Mit 25,8 registrierten Straftaten pro 100.000 Einwohnern lag die Kriminalisierungsrate 1959 im Südwesten um 62% höher als im restlichen Bundesgebiet, wo der Wert bei 15,9 lag (S. 108). Etwa jede dritte Verurteilung nach §175 StGB erging 1959 in Baden-Württemberg. Exakt waren es bundesweit 2395 und in Baden-Württemberg 696 Verurteilungen (S. 111). Während die Zahl der polizeilichen Ermittlungen im übrigen Bundesgebiet zwischen 1953 und 1959 um 8,2% von 6296 auf 6804 sogenannter Fälle nach §§175 und 175a StGB zunahm, stieg sie in Baden-Württemberg im selben Zeitraum um 137% von 814 auf 1.933 (S. 110).

Die spezielle Verantwortung der Landeshauptstadt Stuttgart unter der Ägide des Oberbürgermeisters Arnulf Klett
Speziell in der Landeshauptstadt Stuttgart“, so schreibt Munier, „wurde ab Mitte der 1950er Jahre die Verfolgung durch Spezialeinheiten (…) intensiviert, was zu einem (…) drastischen Anstieg der polizeilich registrierten Fälle führte“ (S. 109). Bis Ende 1972 war die Stuttgarter Polizei der städtischen Verwaltung unterstellt, wobei der damalige Oberbürgermeister Arnulf Klett ihr oberster Dienstherr war. Unter seiner Ägide verfolgten die städtischen Behörden in den 1950er- und 1960er-Jahren eine besonders unnachgiebige Linie gegen homo- und bisexuelle Männer mit Methoden wie verdeckte Überwachungen, Einsatz von V-Männern, Razzien, Konzessionsentziehungen sowie Rosa Listen und Lichtbilderkarteisammlungen. Der Stuttgarter Gemeinderat bestellte Horst Neukirchner zum Leiter der Kriminalpolizei 1953, über den es laut Munier in einem sogenannten Befähigungsnachweis vom 25.07.1938 heißt, dass dieser politisch „mit Überzeugung zum Nationalsozialismus [steht] und (…) mit Leib und Seele Soldat und SA-Angehöriger [ist].“ (S.268) Unter Neukirchner baute Kriminaloberkommissar Willi Bauer die Stuttgarter Sittenpolizei – die Dienststelle 7 – mit dem „Sachgebiet Homosexuelle“ im Hotel Silber auf, deren Leitung Bauer am 1. September 1949 übertragen wurde. Im November 1956 berichtete Bauer, dass man inzwischen „das Sachgebiet Homosexuelle durch zwei junge tüchtige Beamte verstärkt (habe). Sie seien zum Schrecken der Homosexuellen Stuttgarts geworden.“ (S. 275). Auf Anordnung des Oberbürgermeisters Arnulf Klett entstand 1956 zusätzlich das „Sonderkommando P.“, eine Spezialeinheit der Stuttgarter Schutzpolizei, wobei das P. für Prostitution stand. Zum Aufgabengebiet gehörte auch die Bekämpfung von „Unzucht zwischen Männern“ (S. 279). Beamte dieser Einheit verrichteten ihren Tages- und Nachtdienst in Zivilkleidung, so dass sie für die überwachten Personengruppen als Polizeibeamte zunächst nicht erkennbar waren. Diese Spezialeinheit forcierte neben der Sittenpolizei die systematische Kontrolle und Überwachung von Lokalitäten, Parks, öffentlichen Bädern und Bedürfnisanstalten (S. 279). So nahm die Stadt Stuttgart unter der maßgeblichen Verantwortung von Klett eine bundesweite Spitzenposition bei der polizeilichen Verfolgung homosexueller Männer ein.

Was der besondere Verfolgungseifer bedeutete
Bereits in der Einleitung macht Munier deutlich, was der besondere Verfolgungseifer staatlicher Beamter bei den betroffenen Menschen anrichtete. Munier zitiert beispielsweise aus einem Brief vom Stuttgarter Wirt Helmut Köhrer (1914-1994), den dieser im Oktober 1950 an seine Mutter geschrieben hatte: „Liebe Mutti (…) mir selbst geht es nicht besonders. Denn solche Verbrecher wie mich, steckt man in Einzelhaft. Denke Dir, seit Anfang alleine Tag u. Nacht, selbst auch beim Freigang von täglich ¾ Std. im Abstand von 3 ½ Metern ohne mit Jemandem zu sprechen. (…) Meine Arbeit besteht aus Tüten-kleben. So werden von Staaten wegen Existenzen vernichtet.“ (S. 14). Wie sich bereits allein die Strafandrohung des „Homosexuellenparagrafen 175“ auswirkte, wird anhand eines Zitates aus einem weiteren Brief einer Person mit dem Namenskürzel E. S. im Dezember 1949 an Paul Löbe, Mitglied im Parlamentarischen Rat als stellvertretender Vorsitzender der SPD, deutlich: „Was allein durch das Bestehen des §175 angerichtet wird an Millionen unschuldiger Menschen, ist geradezu grauenhaft! Es handelt sich nicht allein um die, welche (…) eingesperrt werden, es handelt sich um den Druck, der auf allen, auch denen, die noch in Freiheit sind, lastet“(S. 16). Munier schreibt zu den Folgen der extremen Verfolgung in Baden-Württemberg treffend: „Die polizeilichen Kontrollen und Verhöre, die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und die oft darauffolgenden förmlichen Gerichtsverfahren hinterließen tiefschneidende Wunden und biografische Risse. So kennzeichneten vielfach Verzicht und Anpassung, mitunter auch (temporäre wie lebenslange) maskierende oder camouflierende Praktiken und Lebensweisen, die immer auch Gefahr liefern, ggf. als unaufrichtig enttarnt zu werden, die Leben homo- und bisexueller Männer, nicht heteronormativer Menschen, aber auch die der Frauen in dieser Zeit. Denn auch wenn jene Rechtsnorm den §175 StGB „Frauen“ als Rechtssubjekte eigentlich nicht einschloss (…), so waren sie doch durch ein gesellschaftspolitisches repressives Klima getroffen. (…) Ferner waren sie (…) auch von polizeilicher Verfolgung und Observation von Treffpunkten betroffen und auch sie traf eine gesellschaftspolitische Verachtung, fundiert durch Kriminologie, Medizin und Psychiatrie“ (S.16f).

Wie erklärt die Studie die überdurchschnittliche Verfolgung in Baden-Württemberg?
Munier nennt zwei eng miteinander verwobene Ursachen für die überdurchschnittlich starke Verfolgung homosexueller Männer in Baden-Württemberg: das Fortwirken traditioneller kirchlicher Sittlichkeitsvorstellungen, die während der NS-Zeit erheblich radikalisiert worden waren, sowie eine außergewöhnlich hohe personelle Kontinuität der Justiz aus der NS-Zeit. Gerade das Zusammenwirken beider Faktoren trug dazu bei, dass die Verfolgung nach einer vorübergehenden Unterbrechung in den unmittelbaren Nachkriegsjahren in Baden-Württemberg besonders intensiv wieder aufgenommen wurde. Wie Munier insbesondere im Kapitel „Sprachhandeln als Repression im Feld der Strafjustiz“ (S. 317-386) anhand von Anklageschriften und Gerichtsurteilen zeigt, wurden homosexuelle Männer mit Begriffen wie „Scheusale“, „hemmungslose Triebmenschen“, „Jugendverderber“ oder „gemeingefährliche Parasiten“ als moralische Gefahr für Kinder, Familie, Staat und Gesellschaft diffamiert. In der stark christlich geprägten Region Baden-Württemberg mit ihrem spezifisch württembergisch-pietistischen Protestantismus wirkten diese Deutungsmuster auch nach 1945 fort und fanden bei staatlichen Beamten besonderen Widerhall.
Hinzu kam eine in Baden-Württemberg besonders ausgeprägte Rehabilitierung ehemaliger NS-Staatsdiener. Im umfangreichsten Kapitel „Zur politischen und rechtshistorischen Entwicklung im Umgang mit mann-männlicher Homosexualität im deutschen Südwesten“ (S. 26-225) beschreibt Munier drei Phasen dieser Entwicklung zwischen 1945 und 1969:

  • In den unmittelbaren Nachkriegsjahren von 1945 bis 1951 (S. 31-102) war die Strafverfolgung zunächst deutlich zurückgegangen. Für die Alliierten standen zunächst andere Aufgaben im Vordergrund, etwa die Demokratisierung der Verwaltung. Sie setzten die Aufhebung nationalsozialistischer Gesetze sowie die vorübergehende Entfernung ehemaliger NS-Justizbeamter durch. Zudem herrschte die Erwartung, dass nationalsozialistische Strafverschärfungen wie die Verschärfung des § 175 nicht mehr angewandt werden dürften, was die Justiz zunächst verunsicherte. Dadurch entstand eine Phase deutlich reduzierter Verfolgung, die einen spürbaren Bruch mit der Praxis der NS-Zeit markierte.
  • Mit der Gründung des Bundeslandes Baden-Württemberg änderte sich dies jedoch grundlegend (S. 102-212). Zwischen 1952 und 1966 nahm die Verfolgung massiv zu; ihren Höhepunkt erreichte sie in den Jahren von 1953 bis 1959. Als entscheidenden Grund hierfür nennt Munier die bereits 1951 eingeleitete und in Baden-Württemberg besonders weitreichende Wiedereingliederung ehemaliger NS-Staatsdiener. Sie ermöglichte zahlreichen Juristen, die bereits vor 1945 tätig gewesen waren, die nahezu bruchlose Fortsetzung ihrer Karrieren. Innerhalb weniger Jahre wurden die meisten alliierten Säuberungsmaßnahmen rückgängig gemacht. Die personelle Kontinuität der Justiz war in den südwestdeutschen Oberlandesgerichtsbezirken besonders hoch: für Karlsruhe wird sie mit 80,1%, für Freiburg mit 76,3% und für Stuttgart mit 70,7% angegeben. Damit lag sie über den Vergleichswerten von Städten wie München (65,6%), Hamburg (65,3%) oder Frankfurt (59,9%). Diese personelle Kontinuität wirkte weit über die bloße Wiederbesetzung von Stellen hinaus. Mit den zurückkehrenden Juristen kehrten auch jene Vorstellungen über Homosexualität in die Justiz zurück, die bereits vor 1945 die Verfolgung geprägt hatten. Die traditionellen christlichen Moralvorstellungen wurden dabei nicht einfach fortgeführt, sondern vielfach in jener Form übernommen, die sie während der NS-Zeit erhalten hatten. Nachdem die Verfolgung in den unmittelbaren Nachkriegsjahren zeitweise zurückgedrängt worden war, trugen die personellen Kontinuitäten wesentlich dazu bei, dass sich die während des Hitlerfaschismus verschärften Einstellungen und Verfolgungsmuster erneut durchsetzen konnten. Munier zeigt auf, dass die außergewöhnlich hohe Justizkontinuität in Baden-Württemberg damit eine wichtige Voraussetzung für die besonders intensive Verfolgungswelle der 1950er Jahre bildete.
  • Ab 1960 gingen die Verurteilungszahlen allmählich zurück (S. 212-225). Ein wichtiger Faktor war das sukzessive Ausscheiden jener Juristen, die bereits vor 1945 im Justizdienst tätig gewesen waren. Mit der nachfolgenden Generation verloren sowohl die traditionellen kirchlichen Sittlichkeitsvorstellungen als auch deren nationalsozialistische Zuspitzung zunehmend an Einfluss. Stattdessen gewann die Vorstellung sexueller Selbstbestimmung bei einvernehmlichen sexuellen Handlungen zwischen Erwachsenen allmählich an Bedeutung. Der Rückgang der Verurteilungen sei daher auch Ausdruck eines personellen Wandels innerhalb der Justiz gewesen. Dadurch seien die personellen und ideologischen Voraussetzungen der Verfolgung schrittweise geschwächt worden.

Aktivitäten in Baden-Württemberg, welche zur Liberalisierung des §175 1969 beitrugen
Im gleichen Kapitel werden auch die Aktivitäten homosexueller Männer, aber auch von fortschrittlichen Jurist:innen, Christ:innen, Polizist:innen, Wissenschaftler:innen und Politiker:innen aufgezeigt, die aus unterschiedlichen Motiven für die Abschaffung der §§175 und 175a StGB eingetreten sind und zur Liberalisierung des §175 beitrugen. Ab 1969 wurde Homosexualität zwischen Männern, die 21 Jahre oder älter sind, nicht mehr von staatlicher Seite verfolgt. Von den homosexuellen Aktivisten und Vereinen seien hier aus der Stuttgarter Region die Kameradschaft „die runde“, das Freundespaar Harry Hermann (1919-1995) und Willy Stiefel (1924-1984) sowie Emil Scheifele (geb. 1899) und nicht zuletzt Fritz Bauer (1903-1968) erwähnt. Letzterer hat sich damals bereits als hessischer Generalstaatsanwalt auch in Stuttgart bei Tagungen für die Entkriminalisierung einvernehmlicher sexueller Handlungen von Erwachsenen eingesetzt[4]. Auch auf Toni Simon (1887-1979), die/der aus heutiger Perspektive bislang als erste bekannte, offen auftretende nichtgenderkonform lebende Persönlichkeit in der Stuttgarter Geschichte angesehen werden kann, wird in der Studie ausführlich eingegangen. Simon schrieb bereits im Juli 1951 eine selbstbewußte Eingabe an den damaligen Bundesjustizminister Thomas Dehler, in der es hieß: „Alle Abgeordneten der Bundesregierung haben von Herrn Emil Scheifele eine Broschüre erhalten, zwanzig Seiten lang, in der alles entfaltet ist, was zur Aufklärung über Homosexualität zu sagen ist. (…). In der Schweiz ist der § schon lange gestrichen und nun sollte man doch von einem großen Kulturland wie Deutschland es ist, verlangen können, daß auch hier der §175 gestrichen werden kann. (…) Ich selbst bin Transvestit und habe 5 Kinder gezeugt, aber (…) [bin] zu der Erkenntnis gekommen, daß es einem Homosexuellen Menschen (sic!) unmöglich ist, seinen Geschlechtstrieb einzustellen. (…) Auf eine recht baldige Beseitigung des Schandparagraphen (…) bittet Ihr Toni Simon.“ (S. 97ff)

Wo ist die Kartei von ca. 2500 erkennungsdienstlich erfassten homosexuellen Männern der Stuttgarter Kriminalpolizei verblieben?
Im Kapitel polizeiliche Verfolgungspraxis (S. 227-315) thematisiert Munier die polizeiliche Vernehmung, die auf ein weitreichendes Geständnis abzielt, als zentrales Element bei der Überführung sogenannter §175-Straftäter. Ohne ausreichendes Beweismaterial sei die Überführung eines Verdächtigen als Täter nahezu immer erfolglos. In der Landeshauptstadt Stuttgart gab es im Jahre 1960 eine Kartei von erkennungsdienstlich erfassten homo- und bisexuellen Männern, die etwa zweieinhalbtausend Personen umfasst haben soll. Ob und inwiefern es sich um eine bereits vor 1945 genutzte Kartei handelt bzw. Einträge aus der Zeit vor 1945 stammten, ist bisher nicht bekannt. Ebenso unbekannt ist, wer, wann und wie diese Kartei der Stuttgarter Kriminalpolizei mit welcher Motivation hat scheinbar spurlos verschwinden lassen. Dieses Kapitel beschreibt darüber hinaus detailliert Repressionen gegen zahlreiche Treffpunkte und Lokalitäten. Auch die polizeiliche Überwachung von Treffpunkten lesbisch lebender Frauen, Sexarbeiter:innen, sogenannte Transvestiten und/oder Menschen, die nicht der heteronormativen Zweigeschlechterordnung entsprachen, wird in der Studie aufgezeigt.

Wer ist hier pervers, krank und heilungsbedürftig – die Verfolgten oder die Verfolger?
„Repression im medizinisch-psychiatrischen und psychologischen Feld“ (S. 387-473) heißt ein weiteres Kernkapitel. Hier thematisiert Munier den problematischen, pathologisierenden Umgang mit dem Thema „Homosexualität“ an zentralen Forschungseinrichtungen wie der Universität Tübingen und Heidelberg, (Zwangs-)Begutachtungen, Anstaltseinweisungen und Anordnung von „Konversionstherapien“, sogenannte „Freiwillige Behandlungen“ sowie den Sonderfall „freiwillige Kastration“.

Fazit: Empfehlens- und lesenswert
Die besondere Stärke der Studie liegt darin, dass sie nicht nur die Verfolgung homosexueller und bisexueller Männer in der Vergangenheit detailliert anhand von umfangreichem Quellenmaterial beschreibt und dabei das extreme Ausmaß der Verfolgung Männer begehrender Männer in Baden-Württemberg und in seiner Landeshauptstadt Stuttgart von universitärer Seite noch einmal bestätigt, sondern auch die ihr zugrunde liegenden menschenfeindlichen Sittlichkeitsvorstellungen und Pathologisierungen in den Blick nimmt. Vorstellungen, die homosexuelle Männer nicht als gleichberechtigte Bürger, sondern als Gefahr für Kinder, Familie, Staat und Gesellschaft darstellen und Homosexualität per se in die Nähe von Kindesmißbrauch und „Jugendverderbung“ rücken, wirken leider bis heute noch immer fort. Sie stehen dem demokratischen Anspruch auf gleiche Würde und Gleichberechtigung aller Menschen direkt entgegen. Die Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, gegen solche diskriminierenden Vorstellungen von angeblicher Sittlichkeit eine klare Haltung einzunehmen und dazu beizutragen, dass die Scham endlich die Seite wechselt: weg von den durch Diffamierungen betroffenen Menschen, hin zu jenen in Kirche, Politik, Polizei und Justiz, die das §175-Unrecht über Jahrzehnte ermöglicht und legitimiert haben und einer umfassenden Aufarbeitung teilweise bis heute entgegenstehen.

Ralf Bogen, Juni 2026


[1] Antrag des Abgeordneten Oliver Hildenbrand u. a. GRÜNE und Stellungnahme des Ministeriums der Justiz und für Migration, eingegangen: 14.4.2022, ausgegeben 8.6.2022 – siehe Drucksache 17/2384 des Landtags von Baden-Württemberg, siehe hier zur Frage „ob und inwieweit (…) die Einschätzung des bürgerschaftlichen Internetprojekts „der-liebe-wegen.org“ bestätigen, dass das Ausmaß und die Intensität der Verfolgung nach §§175, 175a StGB in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern überdurchschnittlich hoch war“ Punkt 9 auf Seite 6:

[2] Auf der 2017 von uns veröffentlichten Webseite „der-liebe-wegen.org“ haben wir unter der Rubrik „Nachkriegszeit: Baden-Württemberg – Spitzenreiter der Verfolgung geschrieben: „Insbesondere in diesem Bundesland wurde weiterhin für ein Klima von Angst, Denunziantentum, Demütigungen und gebrochene Biografien männerbegehrender Männer gesorgt: Hier gab es zwischen 1953 und 1969 annähernd 20.000 Ermittlungsverfahren der Kriminalpolizei (…) Mit 902 §§ 175- und 175 a-Verurteilten im Jahr 1959 lag die Anzahl der Verurteilungen mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Noch bis zu der am 22. Juni 2017 im Deutschen Bundestag beschlossenen Rehabilitierung waren in Baden-Württemberg mehr als 5.400 Männer wegen ihrer Homosexualität vorbestraft. Viele sind gestorben – ohne Rehabilitierung und mit dem Stigma, “kriminell” gewesen zu sein.“
Dies waren die Forschungsergebnisse, die der Autor dieses Beitrags, Ralf Bogen, 2013 im Beitrag „Vorkämpfer im Kampfe um die Ausrottung der Homosexualität“ im von Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann und Roland Maier herausgegebenen Sammelband „Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern“ sowie 2015 im Beitrag „‘Zum Schrecken der Homosexuellen Stuttgarts….‘ – Ausgrenzung und Verfolgung homosexueller Männer in Württemberg“ in der von der Landeszentrale für politischen Bildung Baden-Württemberg herausgegebenen Publikation „Der Bürger im Staat: Homophobie und Sexismus“ Nr. 1 /2015 veröffentlicht hat.
Unter der Rubrik „Verfolgung in Zahlen“ auf unserer Webseite hat Rainer Hoffschildt darüber hinaus seine detaillierten Forschungsergebnisse veröffentlicht, die aufzeigen, dass nach rein quantitativen Kriterien das Ausmaß der Verfolgung 1959 in Baden-Württemberg auch die Verfolgung während der NS-Zeit übertraf – siehe hier insbesondere „Statistik der Verfolgung nach den §§ 175, 175a StGB in den NS-Fassungen durch die Justiz in der Region des heutigen Baden-Württemberg in der Nachkriegszeit bis 1969“ sowie die „Statistik der Verfolgung nach den §§ 175, 175a StGB in den NS-Fassungen durch die Polizei in Baden-Württemberg in der Nachkriegszeit bis 1969“ (https://der-liebe-wegen.org/verfolgung_in_zahlen/). Dort schreibt Hoffschildt: „An der Bundesbevölkerung inklusive Berlins hatte Baden-Württemberg einen Anteil von 13,6%, an den bundesweiten “Täterermittlungen” einen Anteil von 22%. Dies verdeutlicht einen nie da gewesenen Terror der Polizei gegen homosexuelle Männer. (…) Bereits 1952 lag die Zahl der jährlichen Verurteilungen aufgrund der §§ 175, 175a, mit 431 Verurteilungen recht hoch. Ab 1955 lag die Zahl der Verurteilungen aufgrund §§ 175 und 175a mit 537 Verurteilungen über dem Niveau der geschätzten maximalen Zahl der Verurteilungen während der NS-Zeit. (…) Aus der Kriminalstatistik der Polizei ist ersichtlich, dass 1953 bereits 932 “Täter“, die gegen die §§ 175 und 175a verstoßen hatten, ermittelt wurden und dass sich die “Täter“-Ermittlungen ab 1957 mit 1.541 ermittelten “Tätern“ sogar über dem Niveau der “Täter“-Ermittlungen der Kriminalpolizeileitstelle Stuttgart in der NS-Zeit befand.“
J. Noah Munier hatte bereits 2021 in der im Verlag W. Kohlhammer erschienen Studie Lebenswelten und Verfolgungsschicksale homosexueller Männer in Baden und Württemberg im 20. Jahrhundert (S. 301f) sich auf unsere Forschungsergebnisse beziehend geschrieben: „Im Blick auf die Kriminalstatistik lässt sich konstatieren, dass das Bundesland Baden-Württemberg zu den Spitzenreitern bei der Verfolgung homosexueller Männer in der Bundesrepublik zählte.“

[3] wbg Academic in der Verlag Herder GmbH: 1. Auflage 2026, Gebunden mit Schutzumschlag und Leseband, 560 Seiten, ISBN: 978-3-534-64308-0, Bestellnummer: P3643087, 65,00 € inkl. MwSt.

[4] Fritz Bauers Engagement gegen das §175-Unrecht geht aus Muniers Studie an mehreren Stellen hervor und unterstreicht das Anliegen ihn als demokratisches Vorbild und als couragierten Juristen gegen die Nazi-Barbarei durch eine angemessene posthume Ehrung im Stuttgarter Rathaus auch für nachfolgende Generationen sichtbar zu machen – Hintergrundsinformationen hierzu siehe mehrere Beiträge auf unserer Webseite:
https://der-liebe-wegen.org/17-5-2026-zusammenhalt-gegen-hass-und-hetze-staerken-idahobita-2026/
https://der-liebe-wegen.org/unterschriftenuebergabe-ehrenbuergerschaft-fuer-fritz-bauer-beim-csd-neujahresempfang/
https://der-liebe-wegen.org/zivilcourage-im-blick-stadt-bringt-neue-form-der-ehrung-fritz-bauers-ins-gespraech/

Zwischen Unsichtbarkeit und Emanzipation: Lesbische* Lebensgeschichten im Südwesten (1945–1980)

Ein Email-Interview mit der Forschungsgruppe „Lesbische* Lebenswelten“ der Universitäten Heidelberg und Freiburg

Siehe auch den Beitrag zur Veranstaltung am 29.04.26, 18 Uhr im Hotel Silber:„Die Erste, die ich kannte…“ – Lesbische* Lebenswelten zwischen 1945 und den 1980er Jahren

Das folgende Interview ist im Kontext des bevorstehenden Abschlusses des Forschungsprojekts „Lesbische* Lebenswelten“ der Universitäten Heidelberg und Freiburg entstanden. Im Zentrum stehen lesbische Lebensgeschichten im deutschen Südwesten zwischen den 1920er- und 1980er-Jahren. Während ein erstes Modul die Zeit der NS-Diktatur untersucht hat, richtet sich der zweite Teil auf die Nachkriegszeit.

Das Interview bezieht sich ausschließlich auf das zweite Modul „Zwischen Unsichtbarkeit, Repression und lesbischer Emanzipation“. Es fragt danach, wie sich Ausgrenzung, gesellschaftliche Normen und Formen von Verfolgung nach 1945 fortsetzten – und wie zugleich neue Räume lesbischer Sichtbarkeit, Selbstorganisation und Emanzipation entstanden.

Diese Forschung steht in einer langen Geschichte von Kämpfen um Sichtbarkeit und Anerkennung queerer Lebensrealitäten sowie um die Aufarbeitung des NS- und Nachkriegsunrechts an queeren Menschen. Diese Themen wurden über Jahrzehnte von staatlichen Stellen weder wissenschaftlich noch erinnerungskulturell angemessen berücksichtigt; vieles wurde außeruniversitär und ehrenamtlich erarbeitet (siehe Positionspapier zur Fachtagung „Späte Aufarbeitung“ in Bad Urach 2016).

Erst durch langjähriges zivilgesellschaftliches Engagement wurde erreicht, dass diese Themen als Forschungsfeld anerkannt und im Aktionsplan „Für Akzeptanz und gleiche Rechte Baden-Württemberg“ (2015) universitär gefördert wurden. Wir von der AG Queere Erinnerungskultur „Der-Liebe-wegen“ des Weissenburg e. V. freuen uns, gemeinsam mit dem Queeren Netzwerk Baden-Württemberg, mit vielen engagierten Menschen und Politiker:innen wie insbesondere Brigitte Lösch sowie mit zahlreichen weiteren Initiativen dazu beigetragen zu haben. So konnten neben den außeruniversitären Projekten erstmals auch wichtige universitäre Projekte in Baden-Württemberg entstehen: zu homosexuellen Männern, zu trans*, intergeschlechtlichen und nichtbinären Menschen an der Universität Stuttgart (ab 2015 und bis Ende des Jahres 2026) sowie zu frauenliebenden Frauen an den Universitäten Heidelberg und Freiburg (seit 2021, Abschluss im April 2026).

Bisher ist unseres Wissens keine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse geplant. Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven – einschließlich außeruniversitärer Forschung – bestmöglich zusammenzuführen, gemeinsam einzuordnen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist aus unserer Sicht jetzt eine wichtige Aufgabe. Dafür braucht es nach wie vor eine institutionelle Absicherung und verlässliche Finanzierung sowie die Bereitschaft der Zusammenarbeit zwischen außer- und universitärer Forschung. Für dieses Ziel werden wir uns als AG Queere Erinnerungskultur „Der-Liebe-wegen“ weiterhin einsetzen.

Dieses E-Mail-Interview versteht sich als Teil dieses Engagements: Es macht zentrale Perspektiven des zweiten Forschungsmoduls erstmals einem breiteren Publikum zugänglich und verweist auf eine wissenschaftlich wie gesellschaftlich hochaktuelle Debatte.
Ich bedanke mich bei den Wissenschaftler*innen Steff Kunz, Muriel Lorenz und Elena Marie Mayeres für die Beantwortung der folgenden Fragen.

Ralf Bogen, AG Queere Erinnerungskultur „Der-Liebe-wegen“

Steff: Zunächst ist es für das Verständnis des Projekts wichtig zu erwähnen, dass es in drei Teilprojekte mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten aufgeteilt ist. Wir haben uns bewusst für diese Teilung entschieden, da wir so verschiedene Perspektiven einnehmen und im gemeinsamen Austausch ein vielschichtigeres Bild der Lebenssituationen frauenliebender* Frauen entwerfen können.
Während sich das Teilprojekt in Freiburg den Kommunikations- und Vernetzungorten widmet, beschäftigen sich die beiden anderen Teile in Heidelberg mit den Beziehungsweisen frauenliebender Frauen und der Situation von lesbisch* queeren Frauen in Psychiatrien.
Wir bearbeiten alle den gleichen Zeitraum und sind in ständigem Austausch, da sich Inhalte natürlich auch überschneiden. Dadurch gelingt es die Lebenssituation von frauenliebenden* Frauen aus sehr unterschiedlichen Richtungen zu beleuchten.

Muriel: Dieser mehrteilige Zugang ist besonders deswegen wichtig, da es bisher nur sehr wenig Forschung zu unserem Thema gibt und wir daher unseren Blick zunächst weiten mussten, um die Spuren lesbisch* queeren Lebens zu finden. Profitiert haben wir dabei von der Arbeit engagierter, ehrenamtlich tätiger Aktivist*innen, die sich dem Thema bereits ab Mitte der 1970er Jahre zuwandten. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass wir eines der ersten vom Land geförderten Forschungsprojekte in Baden-Württemberg sind, das sich mit lesbisch* queeren Lebenswelten beschäftigt. Maßgeblich für die Initiierung und Durchsetzung dieses Projekts war das jahrelange politische Engagement der lesbischen Aktivistinnen des Queeren Netzwerks Baden-Württemberg. Ohne sie wäre dieses Forschungsprojekt nicht entstanden. Aufgrund ihres Einsatzes und auf Initiative der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen wurde der Förderung des Projekts im baden-württembergischen Landtag zugestimmt. Nur dadurch konnten unsere Stellen geschaffen werden, die dazu beitragen, das Thema in der universitären Forschung und Lehre zu verankern und damit die Sichtbarkeit von lesbischen* und queere Frauen in der Geschichte und in der Gesellschaft zu vergrößern.
Um dieses Ziel zu erreichen, mussten wir die Geschichten lesbischer* und queerer Frauen aber erst einmal finden. In der ersten Phase unseres Projekts haben wir uns vor allem mit der Zeit der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus beschäftigt. Für diesen Zeitraum waren wir in erster Linie auf Akten, Egodokumente oder Zeitschriften angewiesen, um Spuren lesbisch* queeren Lebens zu finden. Jetzt in dieser zweiten Phase hatten wir das Glück, dass es noch Menschen gibt, die uns ihre Geschichte selbst erzählen können.

Elena: Das bedeutete zunächst, Zeitzeug:innen überhaupt zu finden – was sich als eine der größten Herausforderungen erwiesen hat. Wir haben dafür sehr breit gestreut: durch den Versand zahlreicher Postkarten und Aufrufe in ganz Baden-Württemberg, durch Informationsveranstaltungen unter anderem in Ravensburg, Freiburg und Heidelberg sowie durch Medienarbeit, etwa Zeitungsinterviews und Podcasts. Zusätzlich spielte das sogenannte Schneeballverfahren eine wichtige Rolle, bei dem bereits gewonnene Interviewpartner:innen weitere Kontakte vermittelt haben.
Insgesamt konnten wir mit 29 Personen lebensgeschichtliche Interviews führen – Gespräche die teilweise über acht Stunden lang gingen. Ein intensiver Prozess – auch für uns als Forscher:innen. Wichtig war uns dabei auch der sensible Umgang mit teils schmerzhaften Erinnerungen und die Wertschätzung der Bereitschaft mit uns zu sprechen. Die Interviews haben uns sehr differenzierte Einblicke in subjektive Erfahrungen, Handlungsspielräume und Deutungen ermöglicht.

Steff: Neben der Analyse von Fachzeitschriften und Aufsätzen, haben wir im medizingeschichtlichen Teil die Analyse von Patient*innenakten in den Mittelpunkt gerückt. Viele dieser Akten sind in Archiven noch aufbewahrt und inhaltlich von großem Wert. Hier war es von großem Vorteil für uns, dass als ich den Zugang zu den Patient*inneakten der Psychiatrie erfragt habe, die Archivar*innen sich an die Forschung von Claudia Weinschenk erinnern konnten, die kurz vor unserem Projekt diese Akten gesichtet hat. Archive sind einer (neben natürlich Zeitzeug*innen) der wichtigsten Quellen, die wir als Forschende haben um Geschichte queer zu schreiben und wenn Archivar*innen für solche Fragestellungen sensibilisiert sind, macht das schon einen großen Unterschied. Es finden sich in diesen Akten Lebensläufe, Gesprächsprotokolle der therapeutischen Sitzungen und weitere Details, die es möglich machen zu überprüfen, wie mit queeren Verhaltensweisen und Begehren in den Psychiatrien umgegangen wurde.

An der Forschungsgruppe „Lesbische* Lebenswelten“ beteiligt sind:
Prof. Dr. Karen Nolte, Professorin für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg und Direktorin des gleichnamigen Instituts. Forschungsschwerpunkte: Medizin- und Psychiatriegeschichte, Körper- und Geschlechtergeschichte; Geschichte der Gesundheitsberufe, Material Cultures Studies, Queer History.
Prof. Dr. Sylvia Paletschek,Professorin für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Freiburg. Forschungsschwerpunkte: Frauen- und Geschlechtergeschichte, Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, Geschichtskultur.
Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern, Professorin für Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Prorektorin für Innovation und Transfer. Forschungsschwerpunkte: Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Gender Studies und Körpergeschichte, Gedächtnis und Erinnerung.
Steff Kunz,M.A., studierte Kulturwissenschaften in Frankfurt (Oder) und Genderstudies in Berlin. Forschungsschwerpunkte: Stigma „Asozial“ im Nationalsozialismus und Kontinuitäten, Psychiatriegeschichte im 20. Jahrhundert, Geschlechtergeschichte.
Muriel Lorenz, M.A., studierte Vergleichende Geschichte der Neuzeit in Freiburg. Forschungsschwerpunkte: Frauen – und Geschlechtergeschichte.
Elena Marie Mayeres, M.A., studierte Soziologie, Philosophie und Sozialwissenschaften in Jena, Potsdam und Berlin. Forschungsschwerpunkte: Queer History, Kritische und Feministische Theorie, Stadt- und Raumforschung.
Mirijam Schmidt,M.A., studierte Neuere und Neueste Geschichte in Heidelberg. Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Arbeiterschaft, Alltagsgeschichte- und Geschlechtergeschichte.
Ute Reisner, M.A., studierte Geschichte und Literaturwissenschaften/Romanistik: BLOG Anforschungsphase, künstlerische Umsetzung 2.Phase.
Michelle Watzig, M.A., studierte Geschichte in Bamberg und Heidelberg: Social Media und Veranstaltungsorganisation. 
Claudia Weinschenk, M.A., freie Historikerin: Aktensichtung und -auswertung im medizinhistorischen Projekt.

Elena: Das Teilprojekt ‚Die Grenzen des Privaten‘ untersucht, wie Geschlecht, Sexualität und Beziehungen rechtlich und gesellschaftlich geordnet wurden. Obwohl (Liebes-)Beziehungen privat erscheinen, entscheidet sich in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen, welche Beziehungen als legitim gelten und welche abgewertet werden. Nach 1945 wurde die bürgerliche Kleinfamilie in der BRD zum Leitbild von Ordnung und Normalität, während queere und nichteheliche Beziehungen ausgeschlossen wurden. In diesem Rahmen blieben Beziehungen zwischen Frauen lange oft unsichtbar, weil weibliches Begehren selten als eigenständige Liebe anerkannt wurde. Nach außen erschienen sie häufig nur als Freundschaft, zugleich gab es solche engen Beziehungen häufiger, als sie benannt wurden. Viele Frauen erinnerten sich später an Frauenpaare aus ihrer Kindheit, die erst im Rückblick – oft nach dem eigenen Coming-out – als Liebespaare lesbar wurden.
Mit den rechtlichen Lockerungen und kulturellen Veränderungen der 1970er-Jahre wurden Beziehungen zwischen Frauen zunehmend als Liebesbeziehungen erkennbar und als „lesbisch“ benennbar. Diese Sichtbarkeit eröffnete neue Möglichkeiten, brachte aber auch neue Formen der Abwertung mit sich. Medienberichte, etwa zur Itzehoe-Debatte oder mit der BILD-Kampagne „Die Verbrechen der lesbischen Frau“, prägten ein stigmatisierendes öffentliches Bild. Gleichzeitig wurde das Recht auf „lesbische Liebe“ in den Aktionen zum Itzehoe-Prozess zu einer politischen Forderung nach Anerkennung und Glück. Für viele verstärkten diese Debatten jedoch auch die Angst vor Stigmatisierung, sodass lesbisches Begehren lange schwer auszusprechen blieb.
Gleichzeitig entstanden neue soziale Räume wie Szeneorte, Buchläden und Frauenzentren, die Begegnung, Austausch und gemeinsame Deutungen ermöglichten. Sie waren nicht für alle zugänglich, wurden aber für viele Frauen zu wichtigen Orten, um die eigenen Gefühle einzuordnen und Beziehungen anders zu leben. Freundinnenschaften gewannen als politische und persönliche Praxis an Bedeutung, während die Subkultur auch Raum für Dating, Affären und die Suche nach Liebe bot. Insgesamt erweiterten sich in den 1970er-Jahren die Handlungsspielräume für Beziehungen außerhalb der Ehe, auch wenn der Heiratsdruck weiter groß blieb und die Entscheidung für ein nicht-heteronormatives Leben mit sozialer Abwertung verbunden war.

Eingesprochene Zitate aus den Interviews von Zeitzeuginnen, gemischt mit einem neu komponierten Soundtrack, werden in einem musikalischen Hörspiel von Ute Reisner bei der Abschlussveranstaltung „Die Erste, die ich kannte…“ vom Forschungsprojekt am 29. April 2026 im Hotel Silber zu hören sein. Foto: ONUK.

Steff: Die Ergebnisse des medizinhistorischen Projektteils basieren auf der Sichtung von rund 1.900 Patient*innenakten aus der Heidelberger sowie 3.600 Entlassungsschreiben aus der Tübinger Psychiatrie zwischen 1950 und 1970. Ein Teilergebnis ist, dass Patient*innen nur selten explizit aufgrund ihrer lesbischen Sexualität behandelt wurden. Stattdessen standen meist Symptome wie Angst, Schlaflosigkeit, Depressionen oder körperliche Beschwerden im Vordergrund. Teils waren diese Beschwerden völlig unabhängig von lesbisch* queeren Themen, teils aber auch als Symptome unterdrückter Homosexualität, der Angst vor sozialen Folgen und Diskriminierung oder Selbstabwertung zu interpretieren.
Sexualität spielte dennoch häufig eine Rolle im Behandlungsverlauf, jedoch lässt sich daraufhin keine Regelmäßigkeit in den Behandlungsformen erkennen. Es zeigte sich, dass die konkrete Therapie stark von sozialen Faktoren abhing, etwa davon, ob Patient*innen als „einsichtig“ galten, wie sie sich verhielten oder welcher sozialen Schicht sie zugerechnet wurden. Die Diagnosen Neurose, Schizophrenie und Psychopathie waren die meist vergebenen Diagnosen bei lesbisch* queeren Verhaltensweisen oder Begehren. Homosexualität selbst wurde kaum als eigenständige Diagnose geführt, sondern meist eben „nur“ als Symptom dieser Krankheitsbilder interpretiert. Die Behandlungsformen reichten daher auch von therapeutischen Gesprächen, über die Gabe von Beruhigungsmitteln (ab Beginn 1950er) bis hin zu Elektro- und Insulinschocks (von Ende der 1940 bis in die 70er Jahre hinein), je nach vergebener Diagnose. Lesbische*, trans- und intersexuelle Körper, Verhaltensweisen und Sexualitäten wurden dabei sozusagen oft indirekt der heterosexuellen Norm angepasst. Ein Zitat aus dem Jahr 1964 kann die Verknüpfung von Sexualität zusammen mit einer allgemeinen Beurteilung des Gesundheitszustands der Patient*innen verdeutlichen: „Auf Befragen über ihre erotische und lebensphilosophische Einstellung gab sie einen langen Bericht, aus dem man entnehmen konnte, daß die Untersuchte sich unklare, verschwommene Ansichten über Erziehung, Sexualität, Stellung der Geschlechter zu einander usw. machte. […] Das psychische Zustandsbild der Untersuchten wird zudem noch durch eine perverse (homosexuelle) Einstellung kompliziert, die bei der Untersuchten sowohl durch ihre eigenen Angaben als auch durch ihr Verhalten […] deutlich geworden ist.“ (Quelle: Archiv des Universitätsklinikums Heidelberg, 64/452)

Muriel: Auf der Suche nach Kommunikations – und Vernetzungsorten lesbisch*queerer Menschen in Südwestdeutschland der Nachkriegsjahrzehnte konnten viele Kontaktzonen und Berührungspunkte lesbisch* queeren Begehrens ausfindig machen können: Mal waren es schon frühe Begegnungen etwa in der Schule oder im Sportverein, manchmal wurde sich aber auch später im Rahmen gesellschaftlichen Engagements nach dem Berufsleben oder wenn die Kinder aus dem Haus waren, kennengelernt.
Zentral für diese Begegnungen war besonders vor den 1970er Jahren die Privatheit dieser Räume. Jenseits der gesellschaftlichen oder familiären Kontrolle, oftmals in homosozialen Kontexten, konnten heteronormative Grenzen überschritten werden: Etwa in der Natur, in Privatwohnungen oder im Urlaub. Diese Räume waren aber meist nur temporär verfügbar, fragil oder entstanden im Rahmen einer Beziehung.
Neben diesen privaten Räumen existierten auch immer öffentliche Räume wie Lokale und Bars, diese waren aber oftmals von Männern dominiert und wenig frauenliebende* Frauen fand dort langfristig Zugang. Sichtbare Räume und Beziehungen wurden zudem gesellschaftlich diffamiert und unterlagen staatlicher Kontrolle und Sanktionierung.
Ab den 1970er Jahren entstanden neue, sichtbarerer Räume, in denen sich lesbische* Frauen kennenlernen und vernetzen konnten: Etwa im Kontext der feministischen Bewegung oder auch in evangelischen Kreisen.

Muriel: In allen drei Teilprojekten zeigt sich, dass das Thema „(Un-)Sichtbarkeit“ von großer Relevanz war. So konnte die Unsichtbarkeit zwar Schutz vor direkten Sanktionen, Pathologisierung und Ausgrenzung bieten, erschwerte aber das Aufgehen in einer Beziehung oder in einer Gruppe und ließ Menschen in dem Gefühl, die Einzige zu sein, zurück. Die vermehrte Sichtbarkeit hingegen war zwar für einige ein Schritt zur Selbstermächtigung, vereinfachte das Kennenlernen und beförderte die Vernetzung sowie die politische Organisierung, führte aber in einer vermeintlichen Gegenreaktion zur Verbreitung von pathologisierenden Zerrbildern lesbischer* Frauen in der Öffentlichkeit, die wiederum zu Abgrenzung führten. Zudem drohten lesbischen* Frauen neben rechtlichen Sanktionierungen, wie dem potentiellen Verlust des Sorgerechts, auch der Verlust des Arbeitsplatzes oder gesellschaftliche Ausgrenzung. In diesem Spannungsfeld mussten sich lesbisch*queere Frauen in den ersten Jahrzehnten der BRD bewegen. Ihre Lebenswege sind dabei so unterschiedlich, wie die Personen selbst.

Elena: Trotz individueller Unterschiede konnten wir durchaus generationsübergreifende Gemeinsamkeiten feststellen. Besonders prägend ist das wiederkehrende Motiv von Schweigen und Scham, das viele Befragte in ihrer Kindheit und Jugend erlebt haben – und das sich durch verschiedene Generationen zieht.
Gleichzeitig zeigen sich aber auch deutliche Unterschiede, etwa beim Zugang zu lesbischen Netzwerken und Räumen. Das Alter, in dem Frauen erstmals Kontakt zu entsprechenden Orten oder Subkulturen hatten, variiert stark. Dabei spielt nicht nur die Generation eine Rolle, sondern auch Faktoren wie Wohnort und soziale Herkunft.
Subkulturelle Orte waren schwer zu finden – meist brauchte es persönliche Kontakte um von Schwulen- und Lesbenbars zu erfahren. Gerade für Frauen, die keine Berührungspunkte zum subkulturellen Leben hatten, konnte die aufkommenden Frauen-&Lesben-Literatur und Presse der 1970er ein wichtiger Bezugspunkt sein. Zeitschriften und Bücher konnten so für manche Frauen in den 70er und 80er Ausgangspunkt sein ihr Lesbischsein zu entdecken – Möglichkeiten die vor den 70er und 80er so nicht bestanden.

Der Chor „Musica Lesbiana“ wird die Abschlussveranstaltung „Die Erste, die ich kannte…“ am 29. April 2026 im Hotel Silber musikalisch unterhalten. Bild: siehe Webseite des Chors.

Elena: Unsere Forschung ist besonders relevant für aktuelle Debatten über Familie, Beziehungen und soziale Netzwerke.
Die historischen Lebensgeschichten zeigen eine große Vielfalt an Beziehungsweisen und Formen des Zusammenlebens, die oft jenseits der klassischen Kleinfamilie organisiert waren. Dazu gehören langfristige Partnerschaften zwischen Frauen, Wahlverwandtschaften, enge Freundinnennetzwerke oder gemeinschaftliche Sorgebeziehungen, die zentrale Funktionen von Familie übernommen haben. Viele Frauen haben von Frauenpaaren oder alleinstehenden Frauen in ihrer Kindheit in den 50er und 60er berichtet. Immer schon haben Frauen auch außerhalb der heterosexuellen Ehe gelebt.
Diese Perspektiven helfen uns, unser heutiges Verständnis von Familie und Beziehungen zu erweitern. Sie machen deutlich, dass das, was häufig als „natürlich“ oder selbstverständlich erscheint – etwa das Modell von Mutter, Vater und Kind –, historisch keineswegs alternativlos war.
Gerade in einer Zeit, in der Familie von einigen gesellschaftlichen Akteur:innen wieder stark auf dieses Modell verengt wird, zeigt unsere Forschung: Familie war immer schon vielfältiger. Indem wir diese historischen Beispiele sichtbar machen, tragen wir dazu bei, gegenwärtige Debatten zu differenzieren und scheinbare Selbstverständlichkeiten kritisch zu hinterfragen.

Steff: Was die medizinhistorische Aufarbeitung des Umgangs mit lesbisch queeren Menschen angeht, so ist es höchste Zeit, dass öffentlich darüber gesprochen wird, welche Rolle Psychiatrien bei der Diskriminierung queerer Menschen spielten. Auch wenn lesbische Liebe nicht strafrechtlich verfolgt wurde, so zeigen einige der Fälle aus unserer Studie, dass die Gesellschaft Psychiatrien durchaus als Korrektionsinstrument bewusst wahrnahm und nutzte. Schon Kindern und Jugendlichen wurde bei unangepasstem Verhalten mit der Einweisung in Psychiatrien und Heil- und Pflegeanstalten gedroht und unter dem Deckmantel des Schutzes brachten Eltern ihre Töchter tatsächlich zur Vermeidung eines „ausschweifenden sexuellen“ Lebensstils zur Untersuchung in die Universitätspsychiatrien. Für lesbische* Frauen konnte diese Institution durchaus zu einem unsicheren Ort werden, selbst wenn dies nichts mit den Beschwerden zu tun hatte, weswegen sie die Klinik aufsuchten oder dort eingewiesen wurden. Schon alleine dadurch, dass wenn ihre Sexualität zum Thema wurde, diese auch in Entlassungsschreiben benannt wurde und so der Einweisende Arzt, Schulen, Eltern und weitere Institutionen informiert wurden. Auch wenn es reichlich spät kommt, aber vielleicht hilft es der ein oder anderen lesbisch* queeren Frau die in den 50er bis 70er Jahren aufwuchs, einzuordnen, dass sie nicht allein war mit diesem Schicksaal. Die breite Öffentlichkeit erkennt vielleicht, dass lesbisch*, trans*, inter* und queer auch in ihren vielleicht kleinen Herkunftsorten in Baden-Württemberg schon lange vor der heutigen LSBTTIQ-Bewegung existierte und nicht als Trend abgetan werden kann.

Muriel: Ich würde unsere Forschung in der aktuellen politischen Situation höchste Relevanz zugestehen. In einer historischen Perspektive lassen sich politische Entwicklungen gut nachvollziehen. So können seit 1945 einige Erfolge die Lebenssituation lesbisch* queerer Frauen aufgezählt werden:
Lesbische* Frauen müssen sie bei einer Scheidung in der Regel nicht mehr fürchten wegen ihres Begehrens das Sorgerecht für ihre Kinder zu verlieren. Homosexualität wird nicht mehr offiziell als Krankheit gelistet. Seit 2017 ist die Ehe für alle in Deutschland möglich und 2023 gedachte der Deutsche Bundestag erstmal den queeren Opfern des Nationalsozialismus.
Dagegen stehen Alltagserfahrung lesbisch* queerer Menschen, die mitunter von Beleidigungen, Diskriminierung und Gewalt geprägt sind.  Hinzu kommt, dass auch auf rechtlicher Ebene noch einiges zu tun ist: So sind „Sexualität“ und „geschlechtliche Identität“ immer noch nicht als Kategorien in das Diskriminierungsverbot nach Artikel 3 des Grundgesetzes aufgenommen. Auch die Modernisierung des Abstammungsrechts steht immer noch aus: Das bedeutet, dass -obwohl zwei Frauen verheiratet sind – die Frau, die das Kind nicht geboren hat, das Kind als „Stiefkind“ adoptieren muss, um überhaupt als Elternteil zu zählen. Dieser Prozess umfasst große bürokratische Hürden als auch die Prüfung der Lebensumstände und der Eignung der Person durch das Jugendamt.
Gleichzeitig verschärft sich die Situation für queere Menschen zunehmend: Letztes Jahr gab es aus der deutschen Politik die Forderung nach einem Register für trans* Personen und die Gewalt gegenüber queeren Personen nimmt zu, was dazu führt, dass sich queere Menschen weniger trauen, ihre Beziehungen offen zu leben und in der Öffentlichkeit sichtbar zu sein. Und auch außerhalb Deutschlands zeichnet sich ein düsteres Bild ab: Es gibt immer noch sieben Länder auf der Welt, in denen die Todesstrafe für Homosexualität praktiziert wird, in 62 Ländern ist Homosexualität kriminalisiert. In Ungarn, den USA, Russland und vielen anderen Teilen der Welt nehmen rechte Tendenzen immer weiter zu. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich solche Entwicklungen oft in der Diskriminierung und Verfolgung von Menschen äußern, die sich nicht einer vorgegebenen Geschlechternorm unterordnen.
Gerade daher ist es jetzt von ungeheurer Bedeutung Sichtbarkeit für queere Menschen zu schaffen. Ihre Geschichten zu erzählen, ihrer Diskriminierungserfahrung und Verfolgung auf der einen Seite, aber auch ihre Widerständigkeit, Kämpfe und das Festhalten an ihren Beziehungen auf der anderen Seite.
Unsere Forschung macht queere Lebenswelten in ihrer historischen Vielfalt sichtbar und verankert sie in Gesellschaft, Geschichtsschreibung und Lehre. Sie erinnert daran, dass queeres Leben immer Teil der Geschichte war – trotz wiederkehrender staatlicher und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Nationalsozialistisches Denken und rechte Ideologien verschwanden nicht 1945, und es brauchte unermüdlichen Einsatz, um Räume zu schaffen, in denen queeres Leben wieder möglich wurde. Indem wir die Geschichten dieser Menschen und ihrer Kämpfe erzählen, übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung und machen zugleich deutlich, wie zerbrechlich diese hart erkämpften Freiheiten sind – und wie dringlich es ist, sie zu verteidigen.


Blog, Booklet, Queer und Gender Studies Science Slam
Aus unserem Projekt (sowie aus dem Projekt in Stuttgart) ist ein Blog mit dem Namen „lesbenwelt.hypotheses.org“ enstanden, auf welchem in kurzen Beiträgen unterschiedliche Themen aus den letzten Jahren aufbereitet wurden. Hier kann bei Interesse auch ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse gestöbert und sich informiert werden.
Aus dem ersten Projektteil ist ein Booklet entstanden, welches weiterhin kostenfrei als PDF heruntergeladen werden kann.
Außerdem ist aus dem Projekt ein „Queer und Gender Studies Science Slam“ entstanden, welcher in regelmäßigen Abständen im Marstallcafe in Heidelberg stattfindet. In kurzen aufgelockert dargestellten Beiträgen sprechen die Slammer:innen dort über diverse queere und frauenpolitische Themen.

Texte, Podcasts und Interviews
Des weiteren sind in den letzten Jahren diverse Texte, Podcasts und Interviews entstanden, die unsere Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen: Ausführliche Literaturempfehlungen von vielen wichtigen Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen, finden sich am Ende des von uns herausgegebenen Booklets aus unserem ersten Forschungsprojekts mit dem Titel: Alleinstehende Frauen‘, ‚Freundinnen‘, ‚Frauenliebende Frauen‘ – Lesbische Lebenswelten im deutschen Südwesten:
Teil 1 Räume: (Muriel zusammen mit Adrian de Silva Artikel zu virtuellen Räumen; Steff Artikel zu Psychiatrischen Kliniken zusammen mit Karen Nolte)
Teil 2 Differenzen: (Artikel von Elena zusammen mit Katja Patzel-Mattern zu queer-lesbischen Beziehungsweisen)
Artikel zu Lesbische* Frauen* in einer westdeutschen Psychiatrie in den ersten Nachkriegsjahren im Dossier von zeitgeschichte|online.
Zeitungsbeitrag „Kontext, Wochenzeitschrift – Auf der Spur Frauenliebender Frauen
Einen Vorschlag, wie es möglich ist Patient*innenakten queer zu lesen, findet sich im Band „Sexualitäten und Geschlechter – Historische Perspektiven im Wandel“ unter dem gleichnamigen Artikel, auch kostenlos unter: https://t1p.de/g5ehy
Podcast Light On! Queere Kultur und Geschichte, Folge 11: Frauenliebende* Frauen in Deutschen Südwesten.

Das Projekt Lesbische* Lebenswelten auf unserer Webseite Der-Liebe-wegen.org:
Grußwort von Ute Reisner vom Queeren Netzwerk Baden-Württemberg, Themengruppe Geschichte zur Veranstaltung „Lesbisches* Leben im deutschen Südwesten“ am 23. April 2024 im Erinnerungsort Hotel Silber
BOOKLET „LESBISCHE* LEBENSWELTEN IM DEUTSCHEN SÜDWESTEN (CA. 1920ER JAHRE – 1950ER JAHRE)“ ERSCHIENEN
FORSCHUNGSPROJEKT DER UNIVERSITÄTEN HEIDELBERG UND FREIBURG ZU LESBISCHEN LEBENSWELTEN ZWISCHEN 1920 UND 1970

19.03.2026: Vortrag „Trans Personen in der NS-Zeit: Gemeinschaft, Verfolgung und Vereinzelung“ von J. Noah Munier

19.03.2026, Donnerstag, 17:00 – 19:00 Uhr, StadtbibliothekWilhelmstraße, 71638 LudwigsburgVorführraum, 8,00 € (ermäßigt 6 Euro), nur Abendkasse – eine Veranstaltung im Rahmen des derzeit laufenden Forschungsmoduls „100 Jahre Gechlechterdiversität in Baden-Württemberg!?“ des Forschungsprojektes LSBTTIQ in BW,

Die Lebenswelten von trans Personen aus dem deutschen Südwesten in der NS-Zeit werden im Rahmen des Vortrags beleuchtet. Im Mittelpunkt steht das Netzwerk „Hella Knabe“ der Berliner Korsettmacherin.

Entgegen der Vorstellung völliger Vereinzelung nach der Machtübergabe im Jahr 1933 bestand bis spätestens 1937 im Verborgenen ein Netzwerk unterschiedlicher Personen, die wir aus heutiger Perspektive auf dem trans Spektrum verorten können. Wie vernetzten sie sich und standen sie sich in Zeiten des Terrors auch gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten zur Seite?

J. Noah Munier spürt in ihrem Vortrag einzelnen Biografien nach, etwa aus Stuttgart, Ulm oder Mannheim. Ein sehr persönlicher, geschichtswissenschaftlicher Beitrag zur Diskussion um geschlechtliche Vielfalt.

In Kooperation mit LISBERT Queer Ludwigsburg e.V.

(Quelle: https://events-stabi.ludwigsburg.de/Veranstaltung/cmx694a6f3322583.html )

3. April 2024: Booklet „Lesbische* Lebenswelten im deutschen Südwesten (ca. 1920er Jahre – 1950er Jahre)“ erschienen

Lesbische Lebenswelten in der Weimarer Republik und zur Zeit des Nationalsozialismus sind Thema einer Booklet-Vorstellung, zu der Wissenschaftlerinnen der Universität Heidelberg einladen. Sie präsentieren Ergebnisse aus einem zweijährigen Forschungsprojekt, das an den Universitäten Heidelberg und Freiburg angesiedelt war. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob und wie es zwischen den 1920er Jahren und 1945 gelingen konnte, innerhalb der von Politik, Recht, Gesellschaft und Wissenschaft gesetzten Normen nicht-normative Lebensentwürfe zu realisieren, und welche Auswirkungen Verfolgungen und Ausgrenzung in der Nachkriegszeit hatten. Die Veranstaltung, die Teil des Festivals „OPEN DYKES“ ist, findet am 3. April 2024 im Interkulturellen Zentrum Heidelberg statt. 

Anliegen des Forschungsprojekts war es, lesbische Lebenswelten zur Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus aus interdisziplinärer Perspektive zu erforschen. In Teilprojekten widmete sich das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern und Prof. Dr. Karen Nolte (Heidelberg) sowie Prof. Dr. Sylvia Paletschek (Freiburg) lesbischen Kulturräumen und Netzwerken, medizinischen Diskursen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen. Das Projekt wurde vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium gefördert. Mit dem neu erschienenen Booklet „Lesbische* Lebenswelten im deutschen Südwesten (ca. 1920er Jahre – 1950er Jahre)“, das die zentralen Ergebnisse des Projekts zusammenfasst, wollen die Wissenschaftlerinnen ihre Forschung einem interessierten Publikum zugänglich machen. 

„Die Lebensgeschichten lesbischer Frauen sollten nicht allein in einer Geschichte der Diskriminierung und Verfolgung aufgehen. In ihrer Lebenssituation bündeln sich vielmehr wie unter einem Brennglas zentrale Aspekte und Strukturen der Lebensgestaltung von Menschen, die einer gesellschaftliche Minderheit zugerechnet werden, und des gesellschaftlichen Umgangs der Zeit mit Vielfalt“, betont Prof. Patzel-Mattern. Das Booklet gibt es in Printform; es ist außerdem als digitale Version online abrufbar. Ein inzwischen gestartetes Folgevorhaben, ebenfalls in Heidelberg und Freiburg angesiedelt, befasst sich mit lesbischem Leben in der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre. (…)

Die Booklet-Vorstellung am 3. April findet im Interkulturellen Zentrum Heidelberg, Bergheimer Straße 147, statt und beginnt um 19 Uhr. Referentinnen sind Prof. Patzel-Mattern, Historisches Seminar der Universität Heidelberg, Muriel Lorenz, Historisches Seminar der Universität Freiburg, sowie Prof. Karen Nolte und Steff Kunz vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Heidelberg.

(Quelle: https://www.uni-heidelberg.de/de/newsroom/booklet-vorstellung-lesbische-lebenswelten-in-der-weimarer-republik-und-der-ns-zeit und https://lesbenwelt.hypotheses.org/2530)

Zum open Access geht es hier.

2023: Queer in Schwäbisch Gmünd: das Projekt „Einhorn sucht Regenbogen“

Seit Juli 2022 gibt es in Schwäbisch Gmünd die von den Kooperationspartnern Gmünder VHS, Stadtarchiv, Museum im Prediger und der Stabsstelle Chancengleichheit der Stadt Schwäbisch Gmünd ins Leben gerufene und von Arnd Kolb geleitete queere Geschichtswerkstatt „Einhorn sucht Regenbogen“. Auf ihrer Webseite schreiben sie zu ihrem Projekt:

„Queer – ein kurzes Wort und doch so viel mehr: Es geht um Vielfalt, sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität. Es geht aber auch um Achtung und Würde und am Ende vor allem um eins: Liebe. Mit einem offenen Blick auf die Diversität in unserer Stadt möchte das Projekt »Einhorn sucht Regenbogen« lokalen Entwicklungen nachspüren, verborgene Traditionen entdecken und das queere Leben in Gmünd in Geschichte und Gegenwart noch sichtbarer machen. (…) Dafür wurden Gespräche geführt und nach Unterlagen und Objekten gesucht und auch gefunden. Was dabei herauskam, ist spannend und aufschlussreich: Was war der Kreis der Freunde? Welches Schicksal hatte Irene S.? Wie lebt es sich mit nicht-binärer Geschlechtsidentität in Gmünd? Warum ist das Einhorn für manche mehr als ein Wappentier? Weshalb musste der »Parteigenosse« Ernst Haug ins Zuchthaus? Was ist eine Klappe? War der Stadtgarten eine Cruising Area? Und welche Rolle nahm der Bahnhof ein?

An diesen Fragestellungen wird die Vielfalt queerer Gmünder und ihre(r) Geschichte(n) deutlich, die derzeit auf der Webseite mit dreizehn Orten in Schwäbisch Gmünd verbunden sind. Zu Ernst Haug, auf den wir in unserer digitalen Gedenkkarte eingehen, hat uns Dr. Niklas Konzen vom Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd Folgendes geschrieben:

„Die Artikel auf der-liebe-wegen.org waren für uns ein sehr wertvoller Ansatzpunkt und Anstoß für weitere Recherchen zu Gmünder Biographien, insbesondere im von Ihnen bearbeiteten Fall Ernst Haug, zu dem wir eine Fülle weiterer Dokumente erschließen und einen Kontakt zu seiner Tochter herstellen konnten, die uns bereitwillig als Zeitzeugin Auskunft gegeben hat. (…) Die Informationen auf der-liebe-wegen.org waren für uns sehr hilfreich und wir werden in Zukunft sicherlich auch weiteren Fällen mit Lokalbezug nachgehen.“

Wir veröffentlichen an dieser Stelle den Beitrag „Von der Wehrmacht ins Emsland-KZ: Wie §175 einen schwulen Gmünder aus der Konformität ins Elend riss“ von Dr. Niklas Konzen sowie das Video zum Gmünder Projekt „Rainbow Refugees“, für das Joschi Moser und die Rainbow Refugees beim Projekt Vielfalt 2023 ausgezeichnet wurden.

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Mehr Informationen
Joschi Moser und die Rainbow Refugees wurden beim Projekt Vielfalt 2023 ausgezeichnet.

Wir empfehlen insbesondere auch die Beiträge „Auf dem falschen Klo“ von Sera Panos zum Leben nichtbinärer Gmünder, Ich bin nicht anders – ich bin ich. Trans in Schwäbisch Gmünd“ sowie den traurigen Artikel „Vor Eilzug geworfen“ – Das Schicksal der Irene S.“. In der Einleitung zu diesem berührenden Beitrag heißt es:

„Kann man in Deutschland offen queer leben? Man kann! Allerdings ist die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Es gibt in der Gesellschaft nach wie vor Ausgrenzung, Diskriminierungen, Hass und Gewalt. Was macht das mit den Betroffenen? Die Folgen sind dramatisch. LSBTTIQ* Menschen haben eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, an Depressionen zu erkranken. Und laut internationalen Studien sind die Suizidraten bei queeren Jugendlichen signifikant höher (…). Die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. Sie haben jedoch keine Aussagekraft über das Vergangene. Über die unzähligen Schicksale, wie das von Irene S.“

Als Teilnehmende der Geschichtswerkstatt werden auf der Webseite genannt (Stand: 21. Oktober 2023): Arnd Kolb, Projektleitung, Jenny Adami, Brigitte Häussermann, Sarah Heller, Jana Königsmann, Joschi Moser und Peter Palm.

Ralf Bogen, 22. Oktober 2023

2022: „Queer im Leben!“ – Geschichte und Gegenwart der Rhein-Neckar-Region

Über geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in Geschichte und Gegenwart der Rhein-Neckar-Region und ihren Zentren Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen ist in 2022 ein 344-seitiges Buch mit dem Titel „Queer im Leben!“ erschienen. Es enthält Beiträge von Dana-Livia Cohen, Wolfgang Knapp und Christian Könne. Alle drei Autor:innen waren 2015/16 im Auftrag des Stadtmuseums Ludwigshafen am Forschungs- und Ausstellungsprojekt „Vom anderen Ufer – lesbisch und schwul, BTTIQ* in Ludwigshaften am Rhein und anderswo“ beteiligt. Das Buch umfasst auch eine DVD-Filmdokumentation, in der Ausschnitte aus Fernsehsendungen und Reportagen sowie aktuelle Zeitzeug:nnenberichte und Statements gezeigt werden.

Eine große Stärke des Buches ist es, dass es neben den negativen Themen wie Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung, auch die regionale Emanzipationsbewegung von ihren Anfängen bis heute darstellt, die gerade in den letzten Jahrzehnten deutliche Fortschritte erzielen konnte. Im Kapitel zur Weimarer Republik finden sich weitere interessante Details über die frühen queeren Selbstorganisationen, wie wir diese bereits für Heidelberg und Mannheim auf unserer Webseite www.der-liebe-wegen.org 2017 dargestellt hatten.

Die abwechselnden, insgesamt 36 Kapitel, in denen einmal das Leben von Einzelpersonen und einmal thematische Sachverhalte im Vordergrund stehen, sowie das ansprechend bunte Layout mit 140 Farb- und Schwarz-/Weiß-Abbildungen tragen zur Lebendigkeit des Buches bei. Positiv hervorzuheben ist auch, dass neben der Vielfalt der sexuellen Orientierungen die Autoren sich bei den verschiedenen Kapiteln immer wieder bemühen, dem Thema geschlechtliche Vielfalt einen angemessenen Raum zu geben.

Im Kapitel „Verfolgung in der NS-Zeit“ werden die Verbrechen der NS-Diktatur anhand einer Übersicht jener Männer mit Bezug zur Rhein-Neckar Region sichtbar gemacht, die wegen angeblicher Homosexualität verfolgt wurden und im KZ verstorben sind. Schade finde ich, dass hier nicht deutlich gemacht wird, auf welchen Recherchearbeiten diese Übersicht überwiegend basiert. Lediglich in einer Fußnote werden neben einzelnen Publikationen auf die Liste von homosexuellen NS-Opfern aus Baden-Württemberg in der vom Sozialministerium Baden-Württemberg geförderten Wanderausstellung „Sie machen Geschichte“ hingewiesen, die auf den Recherchen unseres Projekt „Der Liebe wegen“ herrührt, wobei hier insbesondere Rainer Hoffschildt genannt werden soll, der schon seit über 30 Jahren außerinstitutionelle Recherchearbeit leistet.
Weiter wird im Kapitel „Verfolgung in der NS-Zeit“ ausgeführt: „Viele Männer aus Baden, die wegen angeblicher Homosexualität verfolgt wurden, wurden in die Emslandlager nach Rodgau oder nach Natzweiler deportiert.“ Hier wird Julia Noah Muniers Arbeit „Lebenswelten und Verfolgungsschicksale homosexueller Männer in Baden und Württemberg im 20. Jahrhundert“ als Quelle in einer Fußnote genannt, wobei Munier selbst in ihrem Buch dazu auf der angegeben Seite 271 schreibt: „Im Zuge der Recherchen des Projekts ‚Der Liebe wegen. Von Menschen, die wegen ihrer Liebe und Sexualität ausgegrenzt und verfolgt wurden“ (…) wurde die NS-Verfolgung homosexueller Männer und deren Verschleppung in Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager umfangreich dokumentiert und eine interaktive Gedenkkarte mit zahlreichen biografischen Darstellungen erstellt. Es konnte von den beteiligten Geschichtsforscher_innen und Historiker_innen in diesem Zusammenhang nachgewiesen werden, dass nach §175, §175a RStGB verfolgte Männer mit einem biografischen und/oder verfolgungsbezogenen Bezug zur Region des heutigen Baden-Württembergs u. a. verstärkt in die sogenannten Emslandlager sowie in das Strafgefangenenlager Rodgau-Dieburg (Hessen) verbracht wurden. Die Forschungen zeigen, das mehr als ein Fünftel der von den Forscher_innen berücksichtigten Männer, das sind rund 60 Personen, zeitweilig in einem der Emslandlager und ein Drittel dieser Gruppe zeitweilig im Strafgefangenenlager Rodgau-Dieburg in Hessen inhaftiert waren.“  
Dass auch die Bedeutung der Geschichtsarbeit außerinstitutioneller Akteur:innen und Initiativen wertschätzend genannt werden können, zeigt gerade Munier, wenn sie in der Einleitung ihrer Veröffentlichung schreibt: „Die vorliegende Untersuchung profitiert erheblich davon, dass zivilgesellschaftliche Akteure in Baden-Württemberg seit den 1980er Jahren in Eigeninitiative Material zusammentrugen und für die Verfolgung Homosexueller im NS-Regime gesellschaftlich sensibilisierten. (…) Zugleich knüpft diese Studie an wichtige regionale und lokale außerinstitutionelle Arbeiten zur Verfolgung homosexueller Männer nach §175 (R)StGB in Baden und Württemberg an ((S. 11ff„. Als „besonders hervorzuheben“ nennt Munier das „Bildungs- und Aufklärungsprojekt ‚Der Liebe wegen‘“.

Trotz dieser Mängel in der Quellennennung und Darstellung jener Akteur:innen, die als Teil der Emanzipationsbewegung Geschichtsarbeit geleistet haben, ist das Buch eine wichtige Bereicherung zur Sichtbarmachung queeren Lebens in der Rhein-Neckar-Region.

Ralf Bogen

2021/2022: Forschungsprojekt der Universitäten Heidelberg und Freiburg zu lesbischen Lebenswelten zwischen 1920 und 1970

Erst seit 2021 arbeiten Wissenschaftlerinnen der Universitäten Heidelberg und Freiburg an einem interdisziplinären Forschungsprojekt zu lesbischen Lebenswelten zwischen 1920 und 1970 im deutschen Südwesten, geleitet von Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern, Frau Prof. Dr. Karen Nolte sowie Prof. Dr. Sylvia Paletschek. „Lange Zeit sind Forschungsarbeiten mit Fokus zur Geschichte weiblicher Homosexualität außerhalb der Universitäten und Akademien entstanden und waren Ergebnisse von Privatinitiativen innerhalb der autonomen Frauenforschung“, so Ute Reisner von der Themengruppe Geschichte des Landesnetzwerk LSBTTIQ Baden -Württemberg in einem Beitrag „Wissenschaftlerinnen erforschen Geschichte lesbischer Frauen in Baden-Württemberg“ der badischen Neuesten Nachrichten. Insbesondere das Netzwerk setzte sich erfolgreich dafür ein, dass nun endlich finanzielle Mittel zur Erforschung des Lebens lesbischer Frauen zur Verfügung gestellt wurden.

Beklagenswerter Quellenmangel kein Zufall
Ressentiments und Repressionen gegenüber weiblicher Homosexualität, als auch Verschweigen und Verdrängen lesbischen Lebens aus der Öffentlichkeit werden im Forschungsprojekt als Ursachen genannt, die im Vergleich zur Aufarbeitung der Verfolgung schwuler Männer unter dem Paragraphen175, zur mangelnden und offiziell spät startenden Aufarbeitung lesbischer Geschichte führten. Einhergehend mit der Verbannung lesbischer Frauen aus dem öffentlichen Raum ist ein beklagenswerter Quellenmangel zu verzeichnen. Dennoch so das erklärte Ziel der am Projekt beteiligten Forscherinnen, soll dieser Mangel nicht länger den immer noch herrschenden Status Quo rechtfertigen, diesem Forschungsbereich die notwendigen finanziellen Mittel weiter zu entsagen.

Fragen des Forschungsprojekts
So gehen nun Wissenschaftlerinnen der Universitäten Heidelberg und Freiburg folgenden Fragen nach:

  • Wie lebten Frauen, die Frauen begehrten, in den Jahren zwischen 1920 und 1970?
  • Auf welche Hindernisse und Diskriminierungen stießen sie insbesondere während der Zeit des Nationalsozialismus und welche Nachwirkungen hatten diese Verfolgungen und Ausgrenzungen in der Zeit nach 1945?
  • Konnte es gelingen, innerhalb der von Politik, Recht, Gesellschaft und Wissenschaft gesetzten Normen nicht-normative Lebensentwürfe zu realisieren?

Erste Befunde
Aufgrund des Verschweigens und der Unsichtbarmachung lesbischen Lebens in der Geschichte, so ein erster Befund, muss in einer intersektionalen Herangehensweise die Geschichte lesbischen Lebens aufgespürt und erforscht werden. Frau Prof. Sylvia Palatschek verdeutlicht dies am Beispiel der Verfolgung lesbischer Frauen in der NS-Zeit. Frauen wurde nicht aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt und in Konzentrationslagern interniert, sondern wurden des unzüchtigen Verhaltens oder fehlender Sittlichkeit bezichtigt und als asozial oder kriminell betitelt und strafrechtlich verfolgt. Sie unterlagen vielfältigen Diskriminierungsformen. Lesbisch-Sein verschränkte sich mit NS-typischen Verfolgungskategorien, so Frau Prof. Palatschek weiter. Daher waren Lesben von rassehygienischen, poilitischen, antisemitischen und gegen nonkonforme Lebensweisen ausgerichteten Repressionen betroffen. Frau Prof. Karen Nolte verweist darauf, dass in den Quellen das Wort lesbisch, oder zeitgenössisch die Begriffe „invertiert“ und „konträrsexuell“ in der Regel nicht explizit zu finden sind. Bei der Untersuchung muss daher genauer hingesehen werden, um dort lesbisches Leben ausfindig zu machen. Mit diesem auf Intersektionalität ausgerichteten Blick beschäftigen sich die Forscherinnen des Projekts mit Quellen der sogenannten Kameradschaftsehe, mit Strafprozessakten, mit KZ-Akten und den darin enthaltenen, unterschiedlichsten Verfolgungstatbeständen, sowie mit Psychatrie-, Fürsorge- und auch Scheidungsprozessakten.

Ankündigung:Der Liebe wegen“ wird nachfragen, welche weitere Erkenntnisse im Rahmen des Forschungsprojekts gewonnen werden konnten und wie es mit dem Projekt und dessen Finanzierung in 2023 weitergeht.

Kerstin Bosse und Christel Stroh

Quellen / Zum Weiterlesen:

Das Blog-Portal-Hypothestes
Folgende aktuelle Texte zum Forschungsprojekt „Lesbische* Lebenswelten im deutschen Südwesten (ca. 1920er-1970er Jahre)“ sind bislang beim Blog-Portal Hypotheses unter https://lesbenwelt.hypotheses.org/ veröffentlicht:



2021/2022: Queer durch Tübingen

Udo Rauch vom Stadtarchiv und der Berliner Historiker Karl-Heinz Steinle führten in der Reihe „Kennen Sie Tübingen?“ am 4. September 2017 fast 250 Interessierte durch die Tübinger Altstadt. Sie berichteten von Menschen, deren Lebensgeschichten bislang verschwiegen, verdrängt und vergessen waren. Es ging um queere Menschen, welche die Geschichte der Stadt aktiv mitgestaltet hatten oder Opfer von Verfolgung und Repression waren. Nach dieser Führung „Queer durch Tübingen“ stand im Stadtarchiv das Telefon nicht mehr still. Bestärkt durch das große Interesse, beschloss der Stadtarchivar und der Historiker Karl-Heinz Steinle sich mit diesem bislang noch nicht erzählten Teil der Tübinger Geschichte eingehender zu befassen. Das Forschungsprojekt „Queer durch Tübingen“ war geboren.

Vier Jahre des Sammeln, Forschen und Zusammentragen haben sich gelohnt: vom 25. September 2021 bis 13. März 2022 wurden in einer Ausstellung im Stadtmuseium 24 Biografien aus Tübingen aus 200 Jahren präsentiert. Darunter nicht nur schwule Männer oder lesbische Frauen, sondern auch trans- und interesexueller Menschen. Repression, Verfolgung, Lebenslust, Emanzipation, jurstische Lockerungen und medizinische Möglichkeiten der queeren Community und ihre Entwicklung werden lebendig. Das zeigen auch die nachfolgend dargestellten Videos zur und über die Ausstellung.

Ralf Bogen

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2021: Ergebnisse im Rahmen des Forschungsprojekts der Universität Stuttgart von Julia Noah Munier

Anfang 2021 ist Julia Noah Muniers Arbeit „Lebenswelten und Verfolgungsschicksale homosexueller Männer in Baden und Württemberg im 20. Jahrhundert“ als Buch erschienen. Diese Studie ist, wie es im Geleitwort heißt, die erste von drei Teilen des Forschungsprojekts des Instituts für Neuere Geschichte der Universität Stuttgart.

In drei übergeordnete Kapitel gegliedert, enthält die Arbeit von Munier viele Details zu den Schicksalen und Lebenswelten von homosexuellen Männern aus Baden und Württemberg während der Weimarer Republik (S. 43-135), während der NS-Diktatur (S. 136-290) und während der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit (S. 291-399). Dabei sind insbesondere dargestellte Zeugnisse brisant, welche die homosexuellen Männer nicht nur als Opfer von Diskriminierung und Verfolgung, sondern auch als sich selbst behauptende Akteure beschreiben. Als Beispiel hierfür seien die Besuche von Silvester- und Karnevalfeiern in der Schweiz genannt, wo unter anderem Alfred Jenny, der Protokollant des „Schweizerischen Freundschafts-Verbandes“ wie folgt zitiert wird (S. 286): „Es möchte uns ja wohl schon bekannt sein, dass denselben Artgenossen speziell in Deutschland alles unterbunden ist, sie freuten sich deshalb zehnfach, unter uns Schweizern wenn auch nur kurze Zeit ein paar frohe und angstfreie Stunden geniessen zu können“ (es ging hier um die Silvesterfeier 1933/34). Weiter wird beschrieben, wie homosexuellen Männern von ihren „Artgenossen“ zur Flucht in die Schweiz geholfen wurde. Aus dem Kapitel zur Nachkriegszeit geht die wichtige Rolle von Aktivist:innen aus unserer Region für die Liberalisierung des §175 StGb hervor (siehe hierzu auch den Bericht über die Fachtagung zur LSBTTIQ-Geschichte „Zukunft braucht Erinnerung“ im Hotel Silber).

Wir freuen uns darüber, dass Munier zur Rolle außerinstitutioneller Initiativen und zu unserer Webseite „Der Liebe wegen“ in der Einleitung schreibt: „Die vorliegende Untersuchung profitiert erheblich davon, dass zivilgesellschaftliche Akteure in Baden-Württemberg seit den 1980er Jahren in Eigeninitiative Material zusammentrugen und für die Verfolgung Homosexueller im NS-Regime gesellschaftlich sensibilisierten. (…) Zugleich knüpft diese Studie an wichtige regionale und lokale außerinstitutionelle Arbeiten zur Verfolgung homosexueller Männer nach §175 (R)StGB in Baden und Württemberg an (…) Besonders hervorzuheben ist das (…) Bildungs- und Aufklärungsprojekt ‚Der Liebe wegen‘.“ (S. 11ff)

Konkret heißt es beispielsweise zum quantitativen Ausmaß der Verfolgung während der NS-Zeit in Muniers Arbeit: „Schätzungen Rainer Hoffschildts zufolge wurden in den Jahren 1933 bis 1939 in den OLG-Bezirken Stuttgart und Karlsruhe über 900 Personen nach §175, §175a RStGB verurteilt. (…) Reichsweit wurden ca. 5-10% der nach §175, §175a RStGB verurteilten Männer in Konzentrationslager verbracht. 90-95% der homosexuellen Männer wurden zur Strafverbüßung in Justizanstalten untergebracht. Diese Zahlen sind auch für Baden und Württemberg anzunehmen. Gestützt auf neuere Forschungen des Geschichtsprojektes „Der-Liebe-wegen“ konnte hier gezeigt werden, dass homosexuelle Männer mit Bezug zur Region des heutigen Baden-Württemberg u. a. vermehrt in die Emslandlager, in das Lager Rodgau Dieburg, in das KZ Natzweiler und das KZ Dachau deportiert wurden.“ (S. 406/407)

Muniers umfassende Darstellung stellt einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur Aufarbeitung staatlicher Verfolgung homosexueller Menschen dar und leistet durch den Einbezug von Selbstzeugnissen und von Lebenswelten in ländlichen Räumen wertvolle Impulse für die weitere Forschung.

Ralf Bogen


27. Januar 2018: „Sie machen Geschichte“ – Flyer zur vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte in Baden-Württemberg

Anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.2018 haben Rosa Hilfe Freiburg, die Universität Stuttgart, Hi. Abt. Neuere Geschichte und Weissenburg gemeinsam einen Flyer herausgegeben. Hier heißt es u. a. , dass eines der Ziele des landesweiten Aktionsplans „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ „die Würdigung der LSBTTIQ-Geschichte als Teil der Landesgeschichte und die Aufarbeitung der Ausgrenzungen, Repressionen und Verfolgungen von Menschen in Baden-Württemberg“ sei, „die nicht der heterosexuellen Norm und/oder traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit  und Weiblichkeit entsprechen wollen oder können. Dieser Geschichte widmen sich – auf unterschiedliche Art und Weise – zwei eigenständige Webseiten: www.der-liebe-wegen.org von den Vereinen Weissenburg in Stuttgart und Rosa Hilfe in Freiburg und www.lsbttiq-bw.de von der Abteilung Neuere Geschichte des Historischen Instituts der Universität Stuttgart.“
Die Flyererstellung und -verbreitung wird unterstützt durch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg sowie dem Institut für Zeitgeschichte, München. Gefördert wurde der Flyer vom Ministerium für Soziales und Interegration Baden-Württemberg: siehe: SieMachenGeschichte_Flyer_Ansicht.

August 2017: Die Internetseite „Vom anderen Ufer?“ des Stadtmuseum Ludwigshafen

Das Stadtmuseum Ludwigshafen hatte eine Ausstellung zur schwul-lesbischen und queeren Vielfalt im Raum Ludwigshafen/Mannheim initiiert, entwickelt und von November 2015 bis Mai 2016 gezeigt. Daraus entstand die vorliegende Internetseite „Vom anderen Ufer?“, die seit August 2017 online ist (Quelle: http://www.vom-anderen-ufer.de/).

Januar 2017: Universitäre und außeruniversitäre Forschung in Baden-Württemberg

Schon lange war es Wunsch der regionalen LSBTTIQ-Selbstorganisationen und der außeruniversitär Forschenden in Baden-Württemberg, in einem staatlich geförderten Forschungsprojekt die Ausgrenzungs- und Verfolgungsgeschichte von LSBTTIQ-Menschen in der Region des heutigen Baden-Württemberg aufzuarbeiten und in einem Internetprojekt für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen, – sehr gerne gemeinsam mit der universitären Geschichtsforschung.
Es kam anders: das Historische Institut der Universität Stuttgart, die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und das Institut für Zeitgeschichte erhielten Fördergelder, ohne eine Einbindung der regionalen LSBTTIQ-Selbstorganisationen und der außeruniversitär Forschenden von Anfang an realisieren zu müssen. Dabei wäre bereits bei Konzeption und Zielfindung des mehrteilig angelegten Forschungsprojekts der „Etablierten“ eine Beteiligung der „Nicht-Etablierten“ kein Nachteil gewesen, – schade um die dort verpassten Chancen.
Der Start des universitär geleiteten Forschungsprojekts „LSBTTIQ in Baden und Württemberg. Lebenswelten, Repression und Verfolgung im Nationalsozialismus und der Bundesrepublik Deutschland.“ ohne Beteiligung der langjährig engagierten Community blieb von dieser natürlich nicht unkommentiert und hat diese erneut „bewegt“:
In Kooperation von Weissenburg e. V., Stuttgart, und Rosa Hilfe Freiburg e. V. wurde ein Antrag auf Fördermittel im Rahmen des Aktionsplans der Landesregierung für Akzeptanz und gleiche Rechte gestellt: Ziel war die Realisierung des Internetprojekts „Der Liebe wegen“. Unter diesem Titel sollte und wird nun der Erkenntnisstand außeruniversitär Forschender zur Ausgrenzungs- und Verfolgungsgeschichte zusammenfassend dargestellt.
Zum Zeitpunkt der Antragstellung war den Beteiligten aus der Community nicht bekannt, dass im Rahmen des universitär geleiteten Forschungsprojekts von Beginn an, – d. h. zu einem Zeitpunkt, zu dem noch keine universitären Forschungsergebnisse aus dem Projekt heraus vorliegen konnten –, ebenso ein Internetportal vorgesehen war.
Nun gibt es also gegenwärtig zwei Internetportale zum Thema. Seitdem wir wissen, dass dem so ist, setzen wir uns für eine abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit ein.
Für Ende März / Anfang April 2017 sind weitere Gespräche hierzu vereinbart, nicht die ersten Gespräche und sicher auch nicht die letzten. Wir wünschen eine Zusammenarbeit, die alle Beteiligten als Bereicherung erleben können, zumal bei einigen wichtigen Themen die Möglichkeiten und zeitlichen Kapazitäten außeruniversitär Forschender an Grenzen gelangen, um deutliche Fortschritte zu erreichen.
Als Beispiele seien hierfür genannt:

  • die Geschichte der Repression geschlechtlicher Vielfalt in der Region des heutigen Baden-Württemberg während des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit;
  • Schnittmengen, Wechselwirkungen und Zusammenhänge zwischen einer patriarchalisch-repressiven Geschlechter- und Familienpolitik, der Frauen- und LSBTTIQ-Emanzipationsbewegungen, insbesondere der Lesbenbewegung, in der Region des heutigen Baden-Württemberg;
  • die umfassende Aufarbeitung von Kastrationen und Isolationshaft von §175-Strafgefangenen bis in die 60er Jahre in Baden-Württemberg;
  • eine Aufarbeitung der Rolle der Kirchen sowie der Universitäten (hier insbesondere die Lehrinhalte bei den Studienfächer Psychiatrie, Medizin, Psychologie, Religionswissenschaften, Geschichte) bei der Ausgrenzung, Verfolgung und Pathologisierung von LSBTTIQ-Menschen.

Wir empfehlen das Internetportal www.lsbttiq-bw.de, da hier viele interessante Beiträge noch einmal von einem anderen Blickwinkel erstellt, ausgewählt und veröffentlicht wurden und noch werden, insbesondere die sehr wichtigen und spannenden Zeitzeug_innen-Videointerviews, die man sich hier anschauen kann (siehe http://www.lsbttiq-bw.de/zeitzeuginnen-interviews/ ).

27./28. Juni 2016: Fachtagung „Späte Aufarbeitung“

Vom 27. bis zum 28. Juni 2016 fand in Bad Urach die Fachtagung Späte Aufarbeitung. Lebenswelten und Verfolgung von LSBTTIQ-Menschen im deutschen Südwesten statt, zu der die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die Universität Stuttgart, das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg eingeladen hatten und wo das oben genannte Forschungsprojekt vorgestellt wurde:

Wir, Kim Schicklang, Claudia Weinschenk und Ralf Bogen, konnten unsere Sichtweise und Anregungen zu dieser „späten Aufarbeitung“ in Baden-Württemberg in einem Vortrag darstellen und dabei unser Homepageprojekt kurz vorstellen. Die wichtigsten Kernpunkte unseres Vortrags finden sich im Positionspapier-zur-Fachtagung-2016.