27.1.2023: Bewegende Gedenkstunde an die queeren NS-Opfer

Was für ein Tag heute – eine sehr bewegende Gedenkstunde im Deutschen Bundestag.

78 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee hatte heute der Deutsche Bundestag erstmals die queeren NS-Opfer in den Mittelpunkt seine Gedenkens gestellt. Die Gedenkstunde kann über folgenden Link angeschaut werden: Videos der Gedenkstunde auf bundestag.de.

Die digitale Gedenkkarte unseres Onlineprojekts „Der-Liebe-wegen“ zeigt, dass es keine von der Verfolgung unberührte Region des heutigen Baden-Württemberg gab:

In ihr sind folgende 75 Männer mit Bezug zu Baden und Württemberg aufgeführt, die das KZ-System nicht überlebt haben (siehe Biografien / Skizzen der einzelnen NS-Opfer über Anklicken NS-Opfer oder auf die einzelnen Namen):

Willi Karl App: * 27.9.1919 Stuttgart, † 14.3.1943 KZ Sachsenhausen

Karl Aretz: * 25.5.1891 Karlsruhe, † 18.10.42 KZ Flossenbürg

Karl Autenrieth: * 22.3.1900 Vaihingen an der Enz, † 4.7.1943 KZ Natzweiler

Kurt Baumgart: * 30.6.1913 Mannheim, † 24.9.1942 KZ Ravensbrück

Wilhelm Bay: * 11.2.1909 Backnang, † 18.9.1942 KZ Stutthof

Karl Belthle: * 22.7.1922 Ulm, † 13.2.1945 KZ Sachsenhausen

Adolf Billmann: * 6.2.1879 Karlsruhe, † 28.1.1940 KZ Mauthausen

Heinrich Böckle: * 8.3.1894 Rinklingen, † 19.12.1944 SS-Arbeitslager Dautmergen (Außenlager des KZ Natzweiler)

Johannes Böhme: * 11.4.1881 Mosel, † 10.4.1944 KZ Natzweiler

Richard Broosch: * 10.11.1912 Heidelberg, † 22.1.1943 KZ Mauthausen

Peter Michael Brühl: * 23.6.1893 Weißenthurm, † 2.1.1944 KZ Neuengamme

Otto Didier: * 10.9.1916 Schnierlach (Elsass), † 16.11.1944 KZ Neuengamme

Georg Dirauf: * 3.3.1887 Stuttgart / Birkach, † 30.3.1945 KZ Flossenbürg

Gottlob Doderer: * 16.4.1890 Stuttgart, † 22.8.1942 KZ Dachau

Friedrich Enchelmayer: * 13.8.1908 Stuttgart, † 9.11.1940 KZ Neuengamme

Adolf Ferrari: * 12.11.1914 Cham (Schweiz), † 18.2.1944 KZ Mittelbau-Dora

Adolf Fischer: * 21.2.1916 Mannheim, † 20.11.1942 Tötungsanstalt Schloss Hartheim, offiziell: KZ Dachau

Alfred Israel Fishel: * 10.5.1910 Karlsruhe, † 29.4.1940 KZ Sachsenhausen

Georg Flösser: * 21.1.1901 Weinheim, † 19.3.1944 KZ Buchenwald

Richard Friedhofer: * 7.2.1908 Stuttgart / Zuffenhausen, † 3.10.1944 KZ Groß-Rosen

Gerhard Fries: * 16.7.1918 Karlsruhe, † 19.10.1942 KZ Ravensbrück

Friedrich Fügel: * 2.1.1886 Plattenhard, † 12.3.1944 KZ Natzweiler

Maximilian Glass: * 11.2.1902 Stuttgart, † 26.5.1942 KZ Buchenwald

Karl Griesinger: * 18.4.1905 Lauffen am Neckar, † 29.10.1941 im KZ Sachsenhausen

Karl-Hermann Günner: * 10.6.1881 Alpirsbach, † 9.2.1945 KZ Dachau

Friedrich Habermaier: * 2.3.1887 Heidelberg, † 20.3.1945 im KZ Mauthausen

Gustav Hartmann: * 16.1.1892 Dielheim, † 4.10.1941 im KZ Sachsenhausen

Friedrich Haug: * 15.9.1914 Ulm, † 14.8.1943 im KZ Sachsenhausen

Fritz Hauser: * 4.4.1892 Freiburg, † 14.4.1944 im KZ Lublin-Majdanek

Jakob Hess: * 20.2.1895 Heidelberg, † 7.8.1943 im KZ Natzweiler

Gustav Holl: * 10.11.1892 Mannheim / Ladenburg, † 10.6.1940 im KZ Sachsenhausen

Wilhelm Huther: * 18.1.1908 Neuhausen auf den Fildern, † 25.3.1944 im KZ Majdanek

Fritz Junkermann: * 19.10.1883 Stuttgart, † Oktober 1942 Tötungsanstalt Bernburg – offiziell gestorben beim Transport vom KZ Sachsenhausen in das KZ Dachau

Albert Karl: * 14.1.1917 Augsburg, † 6.7.1943 im KZ Sachsenhausen

Lothar Keiner: * 18.8.1908 Mannheim, † 27.11.1942 im KZ Neuengamme

Franz Klauser: * 11.3.1907 Seebach, † 6.11.1944 im KZ Neuengamme

Georg Klimas: * 24.6.1903 Königshütte, † 13.1.1945 KZ Sachsenhausen

Herbert Klingmann: * 2.3.1904 Mannheim, † 11.8.1940 KZ Dachau

Alexander von Kloch-Komitz: † 18.10.1943 KZ Buchenwald

Otto Knauer: * 3.6.1897 Karlsruhe, † 7.7.1943 KZ Natzweiler

Johannes Kolb: * 6.2.1911 Aalen / Neuler, † 17.2.1944 KZ Natzweiler

Karl Lehmann: * 21.2.1896 Gnotau, † 24.11.1942 KZ Dachau

Heinz Leible: * 10.7.1913 Lörrach, † 6.9.1943 KZ Mauthausen

Karl Lohmele: * 5.4.1905 Strassburg (Österreich), † 26.7.1942 im KZ Stutthof

Erich Mäder: * 19.11.1904 Freiburg, † 17.5.1941 im KZ Ravensbrück

Julius Maier: * 8.10.1909 Mauchen / Müllheim, † 2.1.1945 KZ Dachau

Jakob Maser: * 16.11.1893 Rottweil / Fluorn, † 4.12.1942 Tötungsanstalt Schloss Hartheim – offiziell im KZ Dachau

Eduard Müller:* 9.5.1886 Schiltigheim (Elsass), † 28.2.1944 KZ Flossenbürg

Albert Nicklas: * 26.5.1901 Bad Mergentheim / Bronn, † 30.9.1941 KZ Flossenbürg

Rudolf Nicolai: * 14.9.1896 Koblenz, † 2.1.1942 KZ Neuengamme

Rudolf Pfaff: * 10.3.1907 Neckargmünd, † 25.4.1942 KZ Flossenbürg

Oskar Ragg: * 2.4.1908 Schwenningen, † 18.5.1943 KZ Stutthof

Johann Riesterer: * 21.2.1889 Zürich / Uster (Schweiz), † 17.1.1945 KZ Mauthausen

Hugo Roth: * 15.3.1895 Lodz, † 9.10.1942 KZ Flossenbürg

Philipp Josef Rothacker: * 1.10.1905 Schwetzingen, † 17.7.1942 KZ Sachsenhausen

Wilhelm Schaich: * 20.02.1896 Kohlberg, † 31.07.1942 im KZ Buchenwald

Josef Schnetz: * 28.3.1901 Ravensburg / Bavendorf, † 11.4.1942 im KZ Buchenwald

Hellmut Schmid: * 07.07.1905 Worms, † 21.08.1941 KZ Flossenbürg

Otto Schorer: * 19.10.1906 Tettnang, Todesdatum unbekannt KZ Ravensbrück

Arthur Schrag: * 13.2.1907 Eislingen/Fils, † 8.5.1942 KZ Flossenbürg

Wilhelm Schweizer: * 23.10.1883 Oberreggenau, † 4.11.1944 KZ Neuengamme

Anton Seeger: * 29.3.1900 Sigmaringen / Hausen am Andelsbach, † 7.1.1944 KZ Buchenwald

Engelbert Sollinger: * 19.7.1900 Rosenheim, † 27.2.1942 KZ Sachsenhausen

Emil Speck: * 4.6.1892 Karlsruhe, † 29.1.1945 KZ Dachau

Otto Steegmüller: * 18.3.1896 Böblingen / Magstadt, † 6.3.1943 KZ Natzweiler

Wilhelm Ernst Steiger: 12.5.1906 Rastatt, † 29.10.1942 KZ Groß-Rosen

Hilarius Stengele: * 21.10.1902 Tuttlingen / Kolbingen, † 4.6.1944 KZ Natzweiler

Wilhelm Thiele: * 27.1.1902 Mannheim, † 6.2.1943 KZ Natzweiler

Alois Thieme: * 30.1.1911 Mannheim, † 15.11.1941 KZ Buchenwald

Karl Walter: * 16.11.1896 Mühlacker, † 16.5.1943 KZ Natzweiler

Friedrich von Wangenheim-Brunner: * 8.1.1885 Wolfenbüttel, † 17.8.1942 KZ Dachau

Adolf Wilhelmi: * 15.4.1874 Freiburg, † 26.8.1942 KZ Dachau

Hans Winterhalter: * 16.7.1907 Hinterzarten, † 2.12.1942 KZ Sachsenhausen




Verfolgt und immer noch unsichtbar – Vom Schicksal queerer NS-Opfer

Im SWR 2 wurde am 25. Januar 2023 der Beitrag „Verfolgt und immer noch unsichtbar – Vom Schicksal queerer NS-Opfer“ von Silke Arning gesendet. Auf der Webseite des SWR2 heißt es hierzu:

„Über 50.000 homosexuelle Männer wurden von der NS-Justiz verurteilt, Tausende von ihnen überlebten die Konzentrationslager nicht. Wegen ihrer sexuellen Orientierung und ihrer geschlechtlichen Identität wurden auch Lesben und Transmenschen von den Nazis verfolgt und terrorisiert. Die Erforschung ihrer Schicksale steckt noch in den Anfängen.

Verfolgt und immer noch unsichtbar – Vom Schicksal queerer NS-Opfer

Sichtbarmachen von Schicksalen

Seit Jahren engagiert sich Ralf Bogen vom Onlineprojekt „Der Liebe wegen“ ehrenamtlich in der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, der ehemaligen Gestapo-Zentrale in Stuttgart. Und so war es ihm ein Anliegen, dass das Schicksal homosexueller, von den Nazis verfolgter Männer dort in der Dauerausstellung des Hauses sichtbar wird.

Eine Onlineseite dokumentiert Schicksale

Das von Friedrich Enchelmayer zum Beispiel. Der Stuttgarter Eisendreher kam aufgrund polizeilicher Sicherheitsverwahrung im Juni 1940 ins KZ Dachau, nachdem er zuvor wegen „Verbrechen gegen die Sittlichkeit“ verurteilt worden war. Nur wenige Monate später erhielten die Angehörigen die Nachricht von seinem Tod. Auf der Online-Seite „Der Liebe wegen“ sind auf einer Gedenktafel viele ähnliche Schicksale dokumentiert.

Studien zur Situation von lesbischen Frauen gibt es wenig

Für frauenliebende Frauen gilt das nicht, berichtet die studierte Historikerin Ute Reisner von der Themengruppe Geschichte im Landesnetzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg: „Deswegen, weil es offiziell keine Verfolgung von Lesben gab in der NS-Zeit. Der Paragraf 175 galt nur für Homosexuelle Männer. Zumindest im Deutschen Reich.“ Dass die Studien zur Situation lesbischer Frauen in der NS-Zeit inzwischen in Gang gekommen sind, ist ein wesentlicher Verdienst der Basisgruppen. Mit beharrlichem Einsatz konnte 2021 ein entsprechendes Forschungsprojekt der Universitäten Heidelberg und Freiburg auf den Weg gebracht werden.

Das Wort „lesbisch“ taucht selten auf

Denn die konkrete Situation der betroffenen Frauen ist schwer zu identifizieren. In den Augen der braunen Machthaber stellten lesbische Frauen zwar keine ernsthafte Gefahr für die „Volksgemeinschaft“ dar, standen aber dennoch unter Beobachtung: „Sie konnten einfach auf vielfältige Weise sozial auffallen. Sie konnten dann in einem anderen Kontext ins Visier der Polizei geraten, sobald das Verhalten eben nicht der Norm entsprach. Und die Norm für weibliches Verhalten war gerade im Nationalsozialismus sehr eng.“ Das Wort „lesbisch“ tauche in den offiziellen Polizeiakten kaum auf, sagt Ute Reisner. Meistens seien die Frauen wegen sog. asozialen, unanständigen Verhaltens oder wegen Kuppelei angeklagt, verurteilt und verhaftet worden.

Keine Unterstützung aus Landesmitteln für Forschungsprojekte

[Anmerkung von „Der-Liebe-wegen“-Redaktion: Von Seiten des Landes Baden-Württemberg wird sowohl eine Studie „LSBTTIQ in Baden und Württemberg. Lebenswelten, Repression und Verfolgung im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland“ der Universität Stuttgart gefördert, als auch ein Forschungsprojekt der Universitäten Heidelberg und Freiburg zu lesbischen Lebenswelten zwischen 1920 und 1970. Im Rahmen der Studie der Universität Stuttgart wird schon seit vielen Jahren angekündigt, dass endlich auch die Lebensituation trans- und intersexueller Menschen erforscht werden soll. Bislang ist nicht bekannt, wann die Umsetzung erfolgt.]

Ist die Situation frauenliebender Frauen schon schwer zu dokumentieren, so gilt dies umso mehr für die Menschen, die wegen ihrer geschlechtlichen Identität ins Visier der Behörden gerieten. Janka Kluge vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität: „Das ist leider so gut wie noch gar nicht erforscht. Von daher wissen wir so gut wie nichts über die Situation von Transmenschen während des NS“. Ein von der Community angeregtes Forschungsprojekt für Baden-Württemberg wartet auf seine Umsetzung, eine Unterstützung aus Landesmitteln gebe es bislang nicht. 

Bis zum Ende der 60er Jahre fand der „Schwulenparagraph“ Anwendung

Es gibt viele Lücken in der Forschung und noch größere im Gedenken an die queeren Opfer des NS-Regimes. Am Freitag wird Ralf Bogen vom Online-Projekt „Der Liebe wegen“ bei der Gedenkfeier im Bundestag sitzen. Was ihn aufregt: noch immer sei viel zu wenig bekannt, dass homosexuelle Männer auch noch in der Bundesrepublik bis Ende der 1960er Jahre nach Paragraf 175 belangt wurden.

Verbotene Liebe unter Männern – Der Paragraf 175 und seine Folgen

Und erst im letzten Jahr fand eine Gedenkkugel für die lesbischen Frauen und Mädchen im KZ Ravensbrück einen offiziellen Platz in der Gedenkstätte. Für Transmenschen bleibt eine klaffende Wunde: sie sind in der öffentlichen Erinnerung weiterhin unsichtbar.

Die offizielle Gedenkstunde im Bundestag am 27. Januar 2023 stellt erstmals die queeren NS-Opfer in den Mittelpunkt.

dgti – Die Deutsche gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.

Gedenkstunde im Bundestag am 27.1.2023 erstmals mit queeren NS-Opfer im Focus

Viele Jahre nach 1945 musste um die Anerkennung des Leids queerer NS-Opfer gekämpft werden. Diesem Kampf widmen wir eine extra Veranstaltung im „Hotel Silber“, dem ehemaligen Sitz der Gestapo von Württemberg und Hohenzollern in der Dorotheenstraße 10 in Stuttgart am 22. Januar 2023 – siehe https://der-liebe-wegen.org/der-lange-kampf-um-anerkennung-als-ns-opfer/. 78 Jahre nach der Befreiung vom deutschen Faschismus wird der Bundestag in seiner Gedenkstunde an die Opfer der NS-Diktatur am 27. Januar 2023 erstmals queere NS-Opfer im Mittelpunkt stellen. Wir veröffentlichen hier die vom Deutschen Bundestag dazu herausgegebene Pressemitteilung:

Bundestag gedenkt am 27. Januar der Opfer des Nationalsozialismus: Verfolgte sexuelle Minderheiten im Mittelpunkt der Gedenkstunde

Am Freitag, 27. Januar 2023, gedenkt der Deutsche Bundestag der Opfer des Nationalsozialismus. Die Gedenkstunde im Plenarsaal beginnt um 10 Uhr mit einer Ansprache der Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung bzw. geschlechtlichen Identität im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Dazu werden mehrere Rednerinnen und Redner das Wort ergreifen. 

Als erste wird die Holocaust-Überlebende Rozette Kats sprechen. 1942 in einer jüdischen Familie geboren, überlebte sie bei einem Ehepaar in Amsterdam, das sie als ihr eigenes Kind ausgab. Ihre leiblichen Eltern wurden in Auschwitz ermordet. Erst später im Leben nahm sie ihre wahre jüdische Identität an. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biographie setzt sie sich auch für sexuelle Minderheiten ein.

Im weiteren Verlauf der Gedenkstunde wird die nationalsozialistische Verfolgung sexueller  Minderheiten anhand zweier Lebensgeschichten vorgestellt.

Der Schauspieler Jannik Schümann wird einen Text über Karl Gorath (1912-2003) lesen. Karl Gorath wurde erstmals 1934 mit 22 Jahren nach §175 verurteilt. Nach erneuter Anzeige 1938 erfolgte eine Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus. Nach deren Verbüßung wurde er 1943 ins Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg in „polizeiliche Vorbeugungshaft“ genommen und von dort im Juni 1943 in das KZ Auschwitz (Stammlager) deportiert. Nach seiner Befreiung im KZ Mauthausen wurde er 1946 in  Bremen von demselben Richter verurteilt, der ihn bereits 1938 bestraft hatte. Als Vorbestrafter fand er nur schwer Arbeit und geriet in Armut. Er verstarb 2003 in Bremerhaven.

Die Schauspielerin Maren Kroymann wird einen biographischen Text zu Mary Pünjer (1904-1942) vortragen. Mary Pünjer wurde 1904 in einer jüdischen Hamburger Kaufmannsfamilie geboren. 1940 wurde sie als verheiratete Frau unter dem Vorwand der „Asozialität“ als „Lesbierin“ verhaftet. Nach ihrer Verurteilung wird sie im KZ Ravensbrück interniert. Dort wurde sie Anfang 1942 offenkundig aufgrund der ihr unterstellten lesbischen Neigung und ihrer jüdischen Herkunft für die Mordaktion „Aktion 14f13“ selektiert. Im Frühjahr 1942 wurde Mary Punjer in der als Gasmordanstalt genutzten „Landes-Heil- und Pflegeanstalt“ Bernburg (Saale) ermordet.

Im letzten Teil der Gedenkstunde wird Klaus Schirdewahn als Vertreter der queeren Community das Wort ergreifen. Er wird – vor dem Hintergrund seiner Verhaftung 1964 nach dem §175 – über die Bedeutung des Gedenkens an die im Nationalsozialismus verfolgten sexuellen Minderheiten sprechen. 

Die Sängerin Georgette Dee und der Pianist Tobias Bartholmeß werden die Gedenkstunde musikalisch begleiten.

An der Gedenkstunde nehmen neben den Bundestagsabgeordneten auch Vertreterinnen und Vertreter der Verfassungsorgane sowie junge Menschen teil, die sich an der diesjährigen Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages beteiligen. 

Nach der Gedenkstunde findet zudem im Rahmen der Jugendbegegnung eine Podiumsdiskussion mit Bundestagspräsidentin Bas, Rozette Kats und Klaus Schirdewahn statt (Beginn 12 Uhr, Jakob-Kaiser-Haus, Saal 1.302).

Neben Workshops und Diskussionen besichtigen die Jugendlichen die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück sowie das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Tiergarten. Zudem stehen Workshops zur Nutzung sozialer Medien zum Lernen und Gedenken auf dem Programm der diesjährigen Jugendbegegnung.

Hinweis:
Medienvertreter benötigen zur Berichterstattung eine gültige Akkreditierung des Bundestages. Informationen dazu finden Sie unter www.bundestag.de/akkreditierung.

 

22.1.2023: Vom langen Kampf um Anerkennung des Leids queerer NS-Opfer – Rück- und Ausblicke

Bei einem Podiumsgespräch am Sonntag, 22. Januar 2023, um 11 Uhr im „Hotel Silber“ geht es um Menschen, die in der NS-Diktatur aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder ihres geschlechtlichen Seins im NS-Staat entwürdigt, verfolgt und terrorisiert wurden. Anlass hierfür ist, dass der Deutsche Bundestag am 27. Januar 2023 bei der jährlichen Gedenkstunde für die Opfer der NS-Diktatur erstmals diese Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Es sprechen:

  • Albert Knoll (München), Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau, Autor von „Der Rosa-Winkel-Gedenkstein – Die Erinnerung an die Homosexuellen im KZ Dachau“ berichtet über den seit 1985 geführten Kampf um ein Gedenkzeichen für homososexuelle Häftlinge in der Gedenkstätte des KZ Dachau.
  • Wiebke Haß (Hamburg) und Irmes Schwager (Kassel) von der „Initiative Autonome feministische Frauen und Lesben aus Deutschland und Österreich, informieren über den langen Weg für eine Gedenkkugel zur Erinnerung an lesbische Häftlinge in der Gedenkstätte des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück, die dort am 30. Oktober 2022 ihren Platz gefunden hat.
  • Janka Kluge (Stuttgart), Vorstand der dgti e. V. (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e. V) stellt Bestrebungen vor für ein Gedenkzeichen zur Sichtbarmachung des Leids, welches die NS-Diktatur Menschen mit einer geschlechtlichen Thematik zugefügt hat.

Die Diskussion moderieren Brigitte Lösch (Vorsitzende der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber) und Ralf Bogen (Projekt www.der-liebe-wegen.org).

Wann? 22. Januar 2023 von 11 bis 13 Uhr
Wo? Hotel Silber, Dorotheenstraße 10, Stuttgart – Eintritt frei. Um Anmeldung wird bis zum 19. Januar unter veranstaltungen-hs@hdgbw.de gebeten.
Wer? Initiative Lern- und Gedenkort  Hotel Silber und Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Kooperation mit Projekt „Der Liebe wegen“ und der Themengruppe Geschichte des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg

Siehe hierzu auch die Beiträge „Rückblick 1985 bis 1995: Wie es zum Rosa-Winkel-Gedenkstein in der Gedenkstätte des KZ Dachau kam“ sowie „2022: Gedenkkugel für die lesbischen Häftlinge im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück“ auf unserer Webseite.

2022/2023: Frauen – Leben – Freiheit: Rettet das Leben von Sareh und Elham im Iran!

Aktualisierung vom 8.1.2023: Auf der Webseite der internationalen Online-Solidaritäts- und Unterschriftenkampagne „Iran: Rettet das Leben von Sareh und Elham“ von 6Rang und ILGA Asia heißt es: „Update – 29. Dezember 2022: Die Todesurteile gegen Sareh und Elhman wurden offiziell aufgehoben. Jetzt ist es an der Zeit, den Druck zu erhöhen, um sicherzustellen, dass alle Anklagen gegen Sareh und Elham fallen gelassen und sie freigelassen werden“.

Dezember 2022: Der-Liebe-wegen unterstützt den mutigen Kampf im Iran für Geschlechtergerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratie. „Say her Name: Mahsa Amini“ ist neben „Zan Zendegi Azadi“ („Frauen, Leben, Freiheit“) eine der am meisten gerufenen Parolen dieser mutigen Bewegung. „Und sag auch die Namen der LGBT*-Aktivistinnen Sareh und Elhalm, die von einem Todesurteil im Iran aktuell bedroht werden!“ ergänzt die iranische Selbstorganisation 6rang (Iranien Lesbian and Transgender Network).

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Der-Liebe-wegen ruft dazu auf, die internationale Online-Unterschriftenkampagne „Rettet das Leben von Sareh und Elham“ zu unterstützen, die mittlerweile über 110.000 Unterschriften hat. Wir begrüßen die am 26. Dezember gestartete Kampagne #FreeSareh, #FreeElham (siehe Video oben) vom Iranian Lesbian and Transgender Network (6Rang) und dem PEN Berlin sehr, bei der über 150 internationale Prominente auf das Schicksal der beiden Frauen aufmerksam machen. „Sareh und Elham befinden sich in einer gefährlichen Situation. Die Tötungsmaschinerie des Regimes ist derzeit damit beschäftigt, Demonstranten zu exekutieren und das Todesurteil hängt um die Köpfe von Sareh und Elham. Hier sind die Stimmen von Schriftstellern, Künstlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sehr wichtig und können ihr Schicksal verändern“ – so Shadi Amin, Geschäftsführerin von 6Rang.

Auf der Webseite von 6rang wird sie weiter wie folgt zitiert: „Wir fordern jetzt Druck von Deutschland (…) auf den Iran für die Freilassung der beiden Frauen“.

In den letzten zwei Jahrzehnten sollen im Iran Tausende homosexuelle Menschen hingerichtet worden sein. In Stuttgart hatten am 11. Februar 2022 verschiedene Organisationen eine Gedenkkundgebung für Mehrdad Karimpou und Farid Mohammadi durchgeführt, die wegen ihrer Homosexualität vom iranischen Staat am 30. Januar 2022 gehängt worden waren. Die Weltöffentlichkeit, die Bundesregierung und westliche Staaten dürfen nicht mehr länger zu den Hinrichtungen schweigen!

Ralf Bogen

Videoausschnitt einer Stuttgarter Solidaritätskundgebung im September 2022
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Ich träume: Ben Salomo – Ich träume (Baraye Cover Version)🕊️
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Afsaneh Ali Yazdani: Für Frauen, Leben, Freiheit; eine deutsche Übersetzung des Liedes „Baraye برای“ in Gedichtform.

Shervin Hajipour شروین حاجی پور, ist ein iranischer Musiker, und Komponist. Sein Lied „Baraye“, das von verschiedenen Journalisten als „Hymne der Protestwelle“ angesehen wird, wurde auf Instagram mehr als 40 Millionen Mal aufgerufen und verbreitete sich auch auf anderen Social-Media-Plattformen, bevor es im Rahmen seiner Festnahme entfernt wurde. Am 4. Oktober 2022 wurde Hajipour gegen Kaution aus der Haft entlassen

Den Text seines Liedes habe ich in Gedichtform auf Deutsch übersetzt:

Für Frauen, Leben, Freiheit
Wir wollen tanzen in den Gassen, ohne Angst und unbeschwert, küssen
woll’n wir frei von Furcht, noch bleibt das ganz unerhört.
Wir wollen Seit‘ an Seite mit unser aller Schwestern den Stillstand überwinden, das Denken von vorgestern.

Arm zu sein ist keine Schande, dass es Armut gibt, sehr wohl.
Reich auf Kosten Armer werden, das ist schändlich.
Und obwohl wir nur einfach leben wollen, ganz bescheiden und normal, gönnt ihr uns dies Leben nicht,
lasst uns keine Wahl.
Wir wollen nicht, dass Kinder auf Müllhalden versauern. Sie soll‘n Träume leben, nicht nur darum trauern.
Sie soll‘n Kind sein dürfen. Zumindest ab und zu soll’n sie sich erinnern: Wunsch heißt „Arezu“.

Brot verdienen ist so schwer mit Regeln ohne Ende
Da, wo wir voran komm‘n woll‘n, baut ihr nichts als Wände.
Die Luft voll Dreck raubt uns den Atem, egal wohin wir blicken.
Ob Bäume, Tiere, Menschen: niemand will ersticken. W
ir wolln‘ Respekt für Mensch und Tier, für jede Kreatur.
Auch Hund‘ und Gepard sind wie wir Kinder der Natur.
Hat unser Weinen denn kein Ende? Leid und Plagen ohne Zahl?

Wir woll’n Gesichter lachen sehn, und kein Tränental.
Lasst die Bilder dieser Tage uns im Herzen ewig sehn.
Haltet fest, was uns verbindet, lasst es nicht mehr untergehn.
Raubt der Jugend nicht die Hoffnung, schenkt ein Stück Vertrauen.
Ohne Hoffnung können wir keine Zukunft bauen. Ein Paradies nach eurem Plan habt ihr uns befohlen.
Gedankenfreiheit gibt’s dort nicht, die habt ihr gestohlen.

Wer selber denkt und wagt, die Wahrheit auszusprechen den steckt ihr ins Gefängnis für dieses Schwerverbrechen.
Die Kinder aus Afghanistan schuften ohne Lohn, und eure hohlen Phrasen sind nichts als blanker Hohn.
Ihr lockt die Menschen skrupellos in baufällige Baracken. Für euch geht es dabei nur drum, Bakschisch einzusacken.

Wir wollen das Gefühl von Ruhe wieder spüren.
Doch werden wir’s nie haben, wenn wir uns jetzt nicht rühren.
Gibt es für uns noch Hoffnung nach diesem finst‘ren Gang? Erwartet uns ein Morgen?
Die Nacht währt schon so lang.

Wenn Menschen sich betäuben mit Pillen und Arzneien, kann unser Land nicht blühen, die Heimat nicht gedeihen.
Wir wollen gleiche Rechte, für Mädchen und für Jungen.
Nur wenn wir das erreichen, ist unser Kampf gelungen.

Für Frauen, Leben, Freiheit steh‘n wir heut‘ vereint und hoffen für die Zukunft, dass uns nichts entzweit.

چندیست که ترانه‌ای در سراسر جهان جنجال برانگیز شده است. منظور بنده ترانه „برای …“ از آقای „شروین حاجی پور“است. این ترانه اکنون به سرودی نمادگونه برایٔ جنبش مقاومت ایران مبدّل گشته است. بنده با اجازه شما این ترانه را به زبان آلمانی ترجمه نموده و آنرا به شکل یک شعر با قافیه در‌آورده‌ام. این ترانه در اصل زنجیره‌ایست از عباراتی اعتراض آمیز که به زبان فارسی از جانب مردم توییت شده‌اند که اینک توسط بنده به صورت جملاتی کامل در‌آمده‌ا‌ند. بدینوسیله مراتب احترام و سپاسگزاری خود را نسبت به آقای حاجی‌پور ابراز مینمایم.

Dr. Wolfgang Backes
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We send our support‘: Coldplay perform Iranian protest song Baraye in Buenos Aires
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IRAN-PROTESTE: Weltweite Solidarität mit den mutigen Frauen des Mullah-Regimes
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Internationale Solidarität mit Demonstrierenden im Iran
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Gefahr auf Demo in Berlin: Iran setzt Geheimdienst auf Aktivisten an | WDR Aktuelle Stunde

2022/2023: Inter- und transsexuelle Menschen schreiben auch im deutschen Südwesten Geschichte

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Seit 2019 Trans*Pride in Stuttgart! Angesichts des Erstarkens von rechtspopulistischen und neofaschistischer Organisationen in Europa ist es dringend erforderlich, dass wir uns nicht auseinander dividieren lassen. Die Überwindung von Trans-, Inter-, Homo- und Frauenfeindlichkeit gehört unzertrennbar zusammen, wenn wir für eine Gesellschaft eintreten wollen, in der die menschliche Vielfalt in Bezug auf Lieben, Begehren und geschlechtlichem Sein endlich als Bereicherung anerkannt und wertgeschätzt wird.

Spätestens seit der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ist mittlerweile breiter Konsens, dass nicht alle Menschen heterosexuell sind und es eine Vielfalt von sexuellen Orientierungen gibt. Demgegenüber fehlt es noch in weiten Teilen der Gesellschaft an vergleichbarer Akzeptanz sowie an Verständnis gegenüber Menschen, die geschlechtlichen Minderheiten zugehören. Erst in den letzten Jahren konnten vereinzelt Fortschritte erzielt werden. Dafür sei als Beispiel der „Geschlechtseintrag divers“ genannt, der eine dritte rechtliche Option neben weiblich und männlich in Deutschland seit 2018 ermöglicht.

Nichtwissen und massive Diskriminierungen 
Dass Menschen weder Mann noch Frau sind (intersexuell bzw. intergeschlechtlich oder nichtbinär) und/oder sich nicht oder nicht nur dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht zugehörig wissen (transsexuell bzw. transgeschlechtlich), stößt noch auf viel Nichtwissen: „Beide Personengruppen erleben nach aktuellen Studien massive Diskriminierungen bis hin zu Gewalt in allen Lebensphasen (Kindheit bis fortgeschrittenem Lebensalter) und Lebensbereichen (Schule, Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen, Pflege etc.), die primär darauf zurückgeführt werden, dass ihre Existenz nicht bekannt ist, nicht anerkannt wird oder sie abwertend als psychisch oder physisch krank bzw. minderwertig bezeichnet und behandelt werden“ – heißt es in der 2016 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegebenen Broschüre „Situation von trans- und intersexuellen Menschen im Focus“ (siehe S. 10).

Das Leben von inter- und transsexuellen Menschen verbessern
Am 30. Juni 2022 veröffentlichte die Bundesregierung Eckpunkte eines neuen Gesetzes zur geschlechtlichen Selbstbestimmung von trans- und intersexuellen Menschen. Es soll das von vielen als pathologisierend und entwürdigend empfundene Transsexuellengesetz (TSG) ablösen. Die Änderung von Vornamen und Personenstand von trans und nichtbinären Menschen soll künftig als einfacher Verwaltungsakt möglich sein. Zwei psychologische Zwangsbegutachtungen im Rahmen eines zeit- und kostenintensiven Gerichtsverfahrens sollen entfallen. Bei diesen Zwangsbegutachtungen treffen bislang trans und nichtbinäre Personen zum einen auf Gutachter:innen, die wissen, dass diese Befragungen überflüssig sind und die Gutachten in mehr als 99% der Fälle der Selbstauskunft entsprechen. Zum anderen sitzen trans- und intersexuelle Personen auch immer wieder „Sachverständigen“ gegenüber, die meinen, die geschlechtliche Identität ließe sich mithilfe von intimen Fragen zu sexuellen Fantasien, Unterwäsche, Masturbationsverhalten und sonstigen sexuellen Praktiken klären. (1)

Frauen- und Transfeindlichkeit gleichermaßen überwinden!
In der aktuellen Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz wird leider von einer kleinen Gruppe ein Gegensatz zwischen Frauenrechten einerseits und den Rechten trans- und intersexueller Menschen andererseits konstruiert, statt gemeinsam danach zu schauen, beiden Anliegen gleichermaßen gerecht zu werden. Laut 25 Fraueninitiativen des FrauenAktionsBündnisses (FAB), darunter die Feministische Partei und mehrere Städtegruppen von Terre des Femmes, würde die Überprüfung von Gleichstellungspolitik, Quoten und Zielgrößen in Politik, Wirtschaft und Kultur durch das Selbstbestimmungsgesetz erschwert werden, da die zu fördernde Gruppe der Frauen nicht mehr eindeutig bestimmbar wäre. Hier wird ignoriert, dass dies nur gilt, wenn transsexuelle Frauen nicht als Frauen anerkannt werden.
Weiter behauptet das FrauenAktionsBündnis, dass jeder Mann, der angibt, sich als Frau zu identifizieren, durch dieses Gesetz legal Zutritt zu Frauenräumen und Frauentoiletten bekommen würde. Hier spielt die Vorstellung eine Rolle, dass die sexualisierte Gewalt, die von CIS-Männern ausgehen kann (CIS-Männer = Männer, die sich dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht zugehörig wissen), gleichermaßen von transsexuellen Frauen ausgehen würde. Deren ebenfalls erhöhtes Risiko, Gewalt durch CIS-Männer zu erfahren, wird durch das FrauenAktionsBündnis ignoriert. Und darüber hinaus: welcher männliche (Sexual-)Straftäter würde extra seinen Geschlechtseintrag ändern, um eine Toilette oder Umkleide von Frauen zu betreten?

Missbrauch vorbeugen!
Was ich eher nachvollziehen kann, sind Sorgen darüber, dass das Selbstbestimmungsgesetz von Sexualstraftäter missbraucht werden könnte, indem sich diese unter dem Vorwand, sich als Frau zu identifizieren, in Frauengefängnisse verlegen lassen könnten, um dort erneut Sexualstraftaten zu begehen. Wie solch ein Missbrauch verhindert werden kann, dafür müssen Lösungen gefunden werden. 

Geschlechtseintrag „aus einer Laune heraus“ ändern?
Länder mit einem Selbstbestimmungsgesetz berichten von keinem steilen Anstieg willkürlicher mehrmaliger Änderungen des Geschlechtseintrags. So gibt es in Argentinien, Malta, Dänemark, Luxemburg, Belgien, Irland, Portugal, Norwegen, Uruguay und der Schweiz eine Gesetzgebung, die die Grundrechte und Selbstbestimmung von transsexuellen Personen bei der Änderung des Geschlechtseintrags bereits respektiert. Das große „Geschlechterchaos“ ist dort nicht eingetreten. Mehrmalige Änderungen gehen gegen Null, selbst in Ländern, die bereits vor 10 Jahren ein Selbstbestimmungsgesetz eingeführt haben. Das zeigt: Transsexuelle Personen ändern den Geschlechtseintrag nicht „aus einer Laune heraus“. (1)

Transsexualität ist keine freie Entscheidung – Geschlecht ist nicht beliebig
Die Ursache, welches geschlechtliche Selbsterleben ein Mensch entwickelt, ob es den äußeren Geschlechtsmerkmalen entspricht oder nicht, ist bislang genauso wenig wissenschaftlich geklärt wie die Ursache, warum ein Mensch eine hetero-, bi- oder homosexuelle Orientierung entwickelt. Als wissenschaftlich geklärt gilt allerdings, dass es keine freie Entscheidung weder zur Transsexualität (geschlechtliches Selbsterleben bildet sich in der Regel weit vor der Pubertät im Kindesalter heraus) noch zur Homosexualität gibt (sexuelle Orientierung wird einem in der Regel erst in der Pubertät bewusst). Es gibt nur eine freie Entscheidung, wie Transsexualität (und eben auch Homosexualität) gelebt wird und wie wir mit der Jahrtausend alten Abwertung und Stigmatisierung von Menschen umgehen, die geschlechtlichen Minderheiten zugehören. Es gibt eine freie Entscheidung aller Menschen, damit aufzuhören, andere Menschen aufgrund ihres geschlechtlichen Seins auszugrenzen, abzuwerten und zu entwürdigen.

Selbstvertretung und Sichtbarkeit inter- und transsexueller Menschen
Es ist von enormer Bedeutung, wenn Geschichte und Geschichten von inter- und transsexuellen Menschen bei regionalen (Geschichts-)Projekten wie „Queer durch Tübingen“, „Queer im Leben – Geschichte und Gegenwart der Rhein-Neckar-Region„, „Sissy That Talk: Queer Life in the City  – Frauen aus der Transcommunity“ oder auch beim Fotobuch „Charakterköpfe – Buntes Stuttgart“ sichtbar gemacht werden. Dies ist mit ein Grund dafür, dass wir vom „Der-Liebe-wegen“-Team zusammen mit der Themengruppe Geschichte vom Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg hohen Wert darauf legen, dass endlich die Universität Stuttgart mit der angekündigten und zugesagten Erforschung der Lebenssituation von Menschen, die geschlechtlichen Minderheiten zugehören, beginnt (siehe hierzu Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst vom 18. März 2021).
Wir vom „Der-Liebe-wegen“-Team freuen uns, dass Janka Kluge ab nächstem Jahr Beiträge zum Thema für unsere Webseite zur Verfügung stellen möchte. Wir wünschen uns Beiträge weiterer inter- und/oder transsexueller Menschen aus unserer Region, die ihre Geschichte und Geschichten sichtbar machen wollen. Nehmt bitte gegebenenfalls Kontakt zu uns auf: kontakt@der-liebe-wegen.org.

Ralf Bogen

(1) Broschüre „Soll Geschlecht jetzt abgeschafft werden?“ Herausgeber:in: Bundesverband Trans* und LSVD Bundesverband, Berlin März 2022

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Wie viele Geschlechter gibt es laut Wissenschaft? Was sagen biologische Definitionen oder Studien zu Transitionen? Und in welchen Diskussionen ist Wissenschaft hilfreich – und in welchen eben nicht? Holt euch einen Tee, Freunde der Sonne, wir steigen mal ganz unaufgeregt durch.
maiLab wird produziert von Mai Thi Nguyen-Kim für funk (ARD & ZDF) ►funk Web-App: https://go.funk.nethttps://go.funk.net/impressum TEAM Jens Foell – Wissenschaftsredaktion Lars Dittrich – Wissenschaftsredaktion Mai Thi Nguyen-Kim – Buch, Redaktionsleitung & Produktion Melanie Gath – Abnehmende Redaktion & Grafik
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Intersexualität: Alle Fragen erlaubt! | Quarks
Lisa und Lynn sind „intersexuell“ bzw. „intergeschlechtlich“ – oder „inter*“, wie sie sich selbst nennen. Sie können also weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht eindeutig zugeordnet werden: sie sind zwischengeschlechtlich. Etwa 160.000 intersexuelle Menschen gibt es schätzungsweise in Deutschland. Viele von ihnen wurden in ihrer Kindheit operiert, um ihren Körper in Richtung männlich oder weiblich zu verändern. Quarks fragt: Wie geht es ihnen damit? Wie beschreiben sie ihre Intersexualität und wie gehen sie mit den Reaktionen anderer Menschen um? Wie erleben sie ihre Sexualität? Lisa und Lynn beantworten Fragen rund um Intersexualität, die ihr wissen wollt. Denn hier sind ALLE Fragen erlaubt!

1985-1995: Wie es zum Rosa-Winkel-Gedenkstein in der Gedenkstätte des KZ Dachau kam

Viele Jahre wurden homosexuelle NS-Opfer nicht als Opfer der NS-Diktatur anerkannt. Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2023, welchen der Bundestag in einer Gedenkstunde erstmals den queeren NS-Opfern widmet, wollen wir hier in diesem Beitrag uns der Frage widmen, wie es zum Rosa-Winkel-Gedenkstein in der Gedenkstätte des KZ Dachau kam:

Die ehemaligen politisch verfolgten Häftlinge des KZ Dachau, die sich im Comité International de Dachau (CID) zusammengeschlossen haben, lehnten bis 1995 Initiativen für einen Rosa-Winkel-Gedenkstein im Museum der KZ Gedenkstätte ab. In einer von über 1300 Personen unterzeichneten Petition vom 10. Oktober 1985 richteten Münchner Schwulengruppen folgende Frage an das Komitee: „Die jüdische Synagoge, der Gedenkstein der Sinti und Roma und die Darstellung der politischen, rassischen und religiösen Verfolgung im Museum bringen zum Ausdruck, dass dem berechtigten Interesse anderer Häftlingsgruppen an der Dokumentation ihrer Leiden entsprochen wurde. Soll dies für Homosexuelle nicht gelten dürfen?“

Die Münchner Schwulengruppen riefen zur Beteili-gung an der Gedenkfeier zum 42. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau 1987 auf. Sie protestierten, dass der Rosa-Winkel-Gedenkstein damals nicht in der Gedenkstätte angebracht werden durfte.


Max Mannheimer, der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Dachau, schrieb rückblickend im November 2015:

„‘Totgeschlagen – Totgeschwiegen‘ – so lautet die Inschrift auf dem Marmordreieck im Gedenkraum des Museums, ‚den homosexuellen Opfern des KZ Dachau‘. Der Stein symbolisiert den rosa Winkel der homosexuellen Häftlinge des Konzentrationslagers […] Während die meisten Überlebenden nach 1945 – zwar schwer traumatisiert von den furchtbaren Erfahrungen im KZ – ein neues Leben in Freiheit beginnen konnten, waren die Befreiten mit dem rosa Winkel immer noch derselben Strafverfolgung ausgesetzt wie
vor 1945. Keine andere Opfergruppe wurde nahtlos so verfolgt wie die Homosexuellen. […]
Seit zwanzig Jahren steht der Stein nun unter dem Dach des Museums der KZ-Gedenkstätte, und es war ein langer, fast zehn Jahre dauernder Weg, bis er dorthin fand. Dieser Weg war gepflastert von einem langen und unwürdigen Streit. Die Homosexuellenverbände wollten ein Ende der Ausgrenzung, wollten, dass bei den Feiern auch die Homosexuellen als ehemalige Opfer genannt werden, dass auch sie Entschädigung erhalten sollten. Denn gelitten und mit dem Tode bezahlt haben alle Verfolgten-Gruppen, gleich welcher Couleur. Die Gegenseite, das CID als Sprachrohr der aus politischen Gründen Verfolgten, legte weiterhin großen Wert darauf, dass ihr Vermächtnis nicht verwässert wird und die herausragende Rolle des Widerstands ungeschmälert bleibt – und es mögen auch viele alte Vorurteile mit eine Rolle gespielt haben.

Im Jahr 1995 ist mir als Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau die Rolle zugefallen, den Streit zu einem friedvollen Ende zu führen. Meine Überzeugung ist es immer gewesen, dass wir alle Opfer waren, die wir wegen der Nazi-Ideologie in das KZ gebracht worden waren. Und ein jeder – gleich welcher Winkelfarbe – hat das Recht, gehört und gewürdigt zu werden. Der Schwur der Überlebenden, „Nie wieder“ solle ein solches Unrecht und eine solche Unmenschlichkeit wieder entstehen, gilt selbstverständlich auch für die Homosexuellen. So sah ich mich verpflichtet, darauf hinzuwirken, dass der Rosa-Winkel-Stein endlich aus seinem Exil vom Vorhof der Evangelischen Versöhnungskirche unter das Dach des Museums kommen und sich gleichberechtigt unter all die anderen Verfolgten-Gruppen einreihen soll. Mit Freude konnte ich dann am 18. Juni 1995 in meiner Rede zur Feierstunde der Überführung des Steins zum Ausdruck bringen, dass nun endlich die lange Geschichte der Ausgrenzung ein Ende gefunden hat.“

Quellen (inklusiv der oben dargestellten Abbildungen):
Albert Knoll: Der Rosa-Winkel-Gedenkstein. Die Erinnerung an die Homosexuellen im KZ Dachau. München 2015
Albert Knoll: Das Gedenken an die homosexuellen Opfer – Ein Kampf um die Sichtbarkeit der „stummen Sünde“, https://forummuenchen.org/blog/2020/07/30/kz-dachau-homosexuelle-opfer-kampf-gedenken/, zuletzt gesehen am 10.1.2023.


2022: Gedenkkugel für die lesbischen Häftlinge im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück

Der-Liebe-wegen dankt der Initiative „Autonome feministische Frauen und Lesben aus Deutschland und Österreich“, die sich beharrlich gegen viele Widerstände für ein würdiges Gedenkzeichen und die Erinnerung an lesbische Häftlinge im Frauenkonzentrationlager Ravensbrück eingesetzt hat. Ebenso danken wir ihren Vorkämpferinnen in der ehemaligen DDR, insbesondere Bettina Dziggel, die sich bereits 1984 dafür eingesetzt hatten und dafür auch staatliche Repressionen in Kauf nahmen. Bettina Dziggel ist leider viel zu früh im Alter von 62 Jahren am 5. Juli 2022 verstorben.

Am 30. Oktober 2022 fand die Gedenkkugel für die lesbischen Häftlinge im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück am neuen Gedenkort der Mahn- und Gedenkstätte in Ravensbrück endlich ihren Platz mit folgender Inschrift: „In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Sie wurden verfolgt, inhaftiert, auch ermordet. Ihr seid nicht vergessen.“

Während der 77. Befreiungsfeier des KZ-Ravensbrück am 1. Mai 2022 konnte bereits das erste offizielle Gedenken an die lesbischen Opfer der NS-Diktatur in Ravensbrück stattfinden, damals mit einer gläsernen Gedenkscheibe.

Ein dauerhaftes Zeichen des würdigen Gedenkens an die lesbischen Frauen ist ein wichtiger Beginn einer notwendigen und grundlegenden Aufarbeitung der Unsichtbarmachung und Verfolgungsgeschichte lesbischer Frauen. Der-Liebe-wegen schließt sich dem LSVD an, der in einer Online-Veröffentlichung dazu schreibt: „Es gibt großen Forschungsbedarf. Wir ermutigen und unterstützten Forscher*innen, sich verstärkt diesen Themen zuzuwenden und miteinander in den wissenschaftlichen Austausch zu treten. Dabei gilt es, die wichtigen Arbeiten lesbischer Historikerinnen wie zum Beispiel Claudia Schoppmann, Kirsten Plötz, Anna Hájková, Ingeborg Boxhammer oder Christiane Leidinger zu würdigen. Bund, Länder und Kommunen sollten dafür ausreichend Mittel für die Erforschung und Vermittlung der Geschichte zur Verfügung zu stellen.“

Ralf Bogen


31.10.2022: Wieso Alexander Zinns Definition von „Verfolgung“ für Lesben* zu kurz greift – eine Erörterung am Beispiel der im KZ-Ravensbrück inhaftierten Maragarete Rosenberg von Alexa Korossy-Juliuns, veröffentlicht auf der Webseite zum Projekt Lesbische* Lebenswelten im deutschen Südwesten an der Universität Heidelberg
2021: Wissenschaftliches Gutachten von Prof. Martin Lücke, Freie Universität Berlin: Die Verfolgung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus
14.07.2021: Pressemitteilung vom 14. Juli 2021 der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück: Gedenkzeichen für die lesbischen Häftlinge im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück
2018: Maria Bühner: Die Kontinuität des Schweigens. Das Gedenken der Ost-Berliner Gruppe Lesben in der Kirche in Ravensbrück, in Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 2018, 29/2, S. 111-131
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Lesbische Geschichte wird sichtbar
– in der Gedenkstätte Ravensbrück wird jetzt auch offiziell an die lesbischen Opfer des Konzentrationslagers erinnert. Es war ein harter Kampf.
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MAHN- U. GEDENKSTÄTTE RAVENSBRÜCK | STIFTUNG BRANDENBURGISCHE GEDENKSTÄTTEN
Dr. Anna Hájková beim ersten offiziellen Gedenken an lesbische Häftlinge in Ravensbrück.
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Bettina Dziggel, * 25. Januar 1960; † 5. Juli 2022, lesbische Aktivistin und Mitbegründerin der ersten ostdeutschen Lesbengruppe Arbeitskreises Homosexuelle Selbsthilfe – Lesben in der Kirche , die sich für ein würdiges Erinneren im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück einsetzte

2022: „Queer im Leben!“ – Geschichte und Gegenwart der Rhein-Neckar-Region

Über geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in Geschichte und Gegenwart der Rhein-Neckar-Region und ihren Zentren Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen ist in 2022 ein 344-seitiges Buch mit dem Titel „Queer im Leben!“ erschienen. Es enthält Beiträge von Dana-Livia Cohen, Wolfgang Knapp und Christian Könne. Alle drei Autor:innen waren 2015/16 im Auftrag des Stadtmuseums Ludwigshafen am Forschungs- und Ausstellungsprojekt „Vom anderen Ufer – lesbisch und schwul, BTTIQ* in Ludwigshaften am Rhein und anderswo“ beteiligt. Das Buch umfasst auch eine DVD-Filmdokumentation, in der Ausschnitte aus Fernsehsendungen und Reportagen sowie aktuelle Zeitzeug:nnenberichte und Statements gezeigt werden.

Eine große Stärke des Buches ist es, dass es neben den negativen Themen wie Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung, auch die regionale Emanzipationsbewegung von ihren Anfängen bis heute darstellt, die gerade in den letzten Jahrzehnten deutliche Fortschritte erzielen konnte. Im Kapitel zur Weimarer Republik finden sich weitere interessante Details über die frühen queeren Selbstorganisationen, wie wir diese bereits für Heidelberg und Mannheim auf unserer Webseite www.der-liebe-wegen.org 2017 dargestellt hatten.

Die abwechselnden, insgesamt 36 Kapitel, in denen einmal das Leben von Einzelpersonen und einmal thematische Sachverhalte im Vordergrund stehen, sowie das ansprechend bunte Layout mit 140 Farb- und Schwarz-/Weiß-Abbildungen tragen zur Lebendigkeit des Buches bei. Positiv hervorzuheben ist auch, dass neben der Vielfalt der sexuellen Orientierungen die Autoren sich bei den verschiedenen Kapiteln immer wieder bemühen, dem Thema geschlechtliche Vielfalt einen angemessenen Raum zu geben.

Im Kapitel „Verfolgung in der NS-Zeit“ werden die Verbrechen der NS-Diktatur anhand einer Übersicht jener Männer mit Bezug zur Rhein-Neckar Region sichtbar gemacht, die wegen angeblicher Homosexualität verfolgt wurden und im KZ verstorben sind. Schade finde ich, dass hier nicht deutlich gemacht wird, auf welchen Recherchearbeiten diese Übersicht überwiegend basiert. Lediglich in einer Fußnote werden neben einzelnen Publikationen auf die Liste von homosexuellen NS-Opfern aus Baden-Württemberg in der vom Sozialministerium Baden-Württemberg geförderten Wanderausstellung „Sie machen Geschichte“ hingewiesen, die auf den Recherchen unseres Projekt „Der Liebe wegen“ herrührt, wobei hier insbesondere Rainer Hoffschildt genannt werden soll, der schon seit über 30 Jahren außerinstitutionelle Recherchearbeit leistet.
Weiter wird im Kapitel „Verfolgung in der NS-Zeit“ ausgeführt: „Viele Männer aus Baden, die wegen angeblicher Homosexualität verfolgt wurden, wurden in die Emslandlager nach Rodgau oder nach Natzweiler deportiert.“ Hier wird Julia Noah Muniers Arbeit „Lebenswelten und Verfolgungsschicksale homosexueller Männer in Baden und Württemberg im 20. Jahrhundert“ als Quelle in einer Fußnote genannt, wobei Munier selbst in ihrem Buch dazu auf der angegeben Seite 271 schreibt: „Im Zuge der Recherchen des Projekts ‚Der Liebe wegen. Von Menschen, die wegen ihrer Liebe und Sexualität ausgegrenzt und verfolgt wurden“ (…) wurde die NS-Verfolgung homosexueller Männer und deren Verschleppung in Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager umfangreich dokumentiert und eine interaktive Gedenkkarte mit zahlreichen biografischen Darstellungen erstellt. Es konnte von den beteiligten Geschichtsforscher_innen und Historiker_innen in diesem Zusammenhang nachgewiesen werden, dass nach §175, §175a RStGB verfolgte Männer mit einem biografischen und/oder verfolgungsbezogenen Bezug zur Region des heutigen Baden-Württembergs u. a. verstärkt in die sogenannten Emslandlager sowie in das Strafgefangenenlager Rodgau-Dieburg (Hessen) verbracht wurden. Die Forschungen zeigen, das mehr als ein Fünftel der von den Forscher_innen berücksichtigten Männer, das sind rund 60 Personen, zeitweilig in einem der Emslandlager und ein Drittel dieser Gruppe zeitweilig im Strafgefangenenlager Rodgau-Dieburg in Hessen inhaftiert waren.“  
Dass auch die Bedeutung der Geschichtsarbeit außerinstitutioneller Akteur:innen und Initiativen wertschätzend genannt werden können, zeigt gerade Munier, wenn sie in der Einleitung ihrer Veröffentlichung schreibt: „Die vorliegende Untersuchung profitiert erheblich davon, dass zivilgesellschaftliche Akteure in Baden-Württemberg seit den 1980er Jahren in Eigeninitiative Material zusammentrugen und für die Verfolgung Homosexueller im NS-Regime gesellschaftlich sensibilisierten. (…) Zugleich knüpft diese Studie an wichtige regionale und lokale außerinstitutionelle Arbeiten zur Verfolgung homosexueller Männer nach §175 (R)StGB in Baden und Württemberg an ((S. 11ff„. Als „besonders hervorzuheben“ nennt Munier das „Bildungs- und Aufklärungsprojekt ‚Der Liebe wegen‘“.

Trotz dieser Mängel in der Quellennennung und Darstellung jener Akteur:innen, die als Teil der Emanzipationsbewegung Geschichtsarbeit geleistet haben, ist das Buch eine wichtige Bereicherung zur Sichtbarmachung queeren Lebens in der Rhein-Neckar-Region.

Ralf Bogen

2022 Verschiedenes

18. September 2022: 16. Stuttgarter LebenSlauf sensiblisiert für LGBT-Geflüchtete
Der 16. Stuttgarter LebenSlauf vom Sportverein Abseitz Stuttgart am Sonntag, den 18. September 2022 (Treffen Eingang Park Berg/Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule, Sickstraße 165, 70190 Stuttgart – siehe (www.stuttgarter-lebenslauf.de)) zugunsten der LGBT-Geflüchtetenarbeit von just human und Regenbogenrefugium der Weissenburg sensibilisiert für die Situation von LGBT-Geflüchteten.
In vielen Ländern dieser Erde erfahren LSBTTIQ-Menschen noch immer Gewalt, Unterdrückung und Verfolgung. Zum Beispiel im Iran: Tausende homosexuelle Männer sind in den vergangenen Jahrzehnten dort vom Staat hingerichtet worden. Jetzt verhängte ein Gericht erstmals die Todesstrafe gegen zwei lesbische Frauen – siehe https://www.rnd.de/…/todesstrafe-im-iran-erstmals-zwei… – Unterschriftensammlung: „Save Sareh and Eliham’s live“ hier: https://action.allout.org/en/m/66561cda/

2. September 2022: Malte C. stirbt nach queerfeindlichen Angriff beim CSD in Münster
Keine Verharmlosung mehr von homo- und transphober Gewalt in Deutschland – Stoppt Hasskriminalität, Rechtspopulismus und Gewalt!

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26. Juni 2022: Istanbul Pride trotz brutalem Polizeiterror
Es kam zu zahlreichen Festnahmen von Pride-Aktivist:innen, die sich auch in 2022 nicht einschüchtern haben lassen.

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25. April 2022 Ehrung im Hotel Silber
Am 25. April 2022 wurde Ralf Bogen unter anderem wegen seiner Arbeit für das Internetprojekt „Der Liebe wegen“ mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. „Besonders hervorzuheben ist die Realisierung des Projekts ‚Der Liebe wegen, … von Menschen im deutschen Südwesten, die wegen ihrer Liebe und Sexualität ausgegrenzt und verfolgt wurden‘“ heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Auch im Beitrag „Ehrung für Ralf Bogen“ der Stuttgarter Nachrichten vom 26. April 2022 wird das Internetprojekt „Der Liebe wegen“ hervorgehoben: „Schicksale von Opfern der Nazis haben er und seine Mitstreiter mit ihrem Projekt „der Liebe wegen“ recherchiert und dokumentiert. Von den 251 Männern mit Bezug zu Baden und Württemberg haben 75 ihre KZ-Haft nicht überlebt.“

11. Februar 2022: Gedenken für Farid und Mehrdad – wegen Homosexualität vom iranischen Staat am 30.1.22 gehängt.
Seid dabei beim Totengedenken für Mehrhard Karimpou und Farid Mohammadi, die am 30.01.2022 aufgrund ihrer Homosexualität vom iranischen Staat gehängt wurden.
Lasst uns die Hinrichtung von Sareh, einer 28-jährigen lesbischen Frau durch internationalen Protest verhindern – https://mannschaft.com/iran-lesbische-frau-sendet-kurz…/ – beteiligt Euch an der Eilaktion/Urgent Action von amnesty: https://www.queeramnesty.de/…/iran-lgbti-aktivistin…
SCHWEIGEN = TOD – stoppt die Todestrafe im Iran!

24. Januar 2022: taz Queer Talk „Kein Platz für Queers in der Gedenkstunde des Bundestags am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus?“
mit Henny Engels (Bundesvorstand vom LSVD) und Dr. Lutz van Dijk (Historiker und Autor):
https://taz.de/taz-Queer-Talk-ueber…/!5821539/
https://www.tagesspiegel.de/…/neues…/27920808.html

2021/2022: Forschungsprojekt der Universitäten Heidelberg und Freiburg zu lesbischen Lebenswelten zwischen 1920 und 1970

Erst seit 2021 arbeiten Wissenschaftlerinnen der Universitäten Heidelberg und Freiburg an einem interdisziplinären Forschungsprojekt zu lesbischen Lebenswelten zwischen 1920 und 1970 im deutschen Südwesten, geleitet von Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern, Frau Prof. Dr. Karen Nolte sowie Prof. Dr. Sylvia Paletschek. „Lange Zeit sind Forschungsarbeiten mit Fokus zur Geschichte weiblicher Homosexualität außerhalb der Universitäten und Akademien entstanden und waren Ergebnisse von Privatinitiativen innerhalb der autonomen Frauenforschung“, so Ute Reisner von der Themengruppe Geschichte des Landesnetzwerk LSBTTIQ Baden -Württemberg in einem Beitrag „Wissenschaftlerinnen erforschen Geschichte lesbischer Frauen in Baden-Württemberg“ der badischen Neuesten Nachrichten. Insbesondere das Netzwerk setzte sich erfolgreich dafür ein, dass nun endlich finanzielle Mittel zur Erforschung des Lebens lesbischer Frauen zur Verfügung gestellt wurden.

Beklagenswerter Quellenmangel kein Zufall
Ressentiments und Repressionen gegenüber weiblicher Homosexualität, als auch Verschweigen und Verdrängen lesbischen Lebens aus der Öffentlichkeit werden im Forschungsprojekt als Ursachen genannt, die im Vergleich zur Aufarbeitung der Verfolgung schwuler Männer unter dem Paragraphen175, zur mangelnden und offiziell spät startenden Aufarbeitung lesbischer Geschichte führten. Einhergehend mit der Verbannung lesbischer Frauen aus dem öffentlichen Raum ist ein beklagenswerter Quellenmangel zu verzeichnen. Dennoch so das erklärte Ziel der am Projekt beteiligten Forscherinnen, soll dieser Mangel nicht länger den immer noch herrschenden Status Quo rechtfertigen, diesem Forschungsbereich die notwendigen finanziellen Mittel weiter zu entsagen.

Fragen des Forschungsprojekts
So gehen nun Wissenschaftlerinnen der Universitäten Heidelberg und Freiburg folgenden Fragen nach:

  • Wie lebten Frauen, die Frauen begehrten, in den Jahren zwischen 1920 und 1970?
  • Auf welche Hindernisse und Diskriminierungen stießen sie insbesondere während der Zeit des Nationalsozialismus und welche Nachwirkungen hatten diese Verfolgungen und Ausgrenzungen in der Zeit nach 1945?
  • Konnte es gelingen, innerhalb der von Politik, Recht, Gesellschaft und Wissenschaft gesetzten Normen nicht-normative Lebensentwürfe zu realisieren?

Erste Befunde
Aufgrund des Verschweigens und der Unsichtbarmachung lesbischen Lebens in der Geschichte, so ein erster Befund, muss in einer intersektionalen Herangehensweise die Geschichte lesbischen Lebens aufgespürt und erforscht werden. Frau Prof. Sylvia Palatschek verdeutlicht dies am Beispiel der Verfolgung lesbischer Frauen in der NS-Zeit. Frauen wurde nicht aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt und in Konzentrationslagern interniert, sondern wurden des unzüchtigen Verhaltens oder fehlender Sittlichkeit bezichtigt und als asozial oder kriminell betitelt und strafrechtlich verfolgt. Sie unterlagen vielfältigen Diskriminierungsformen. Lesbisch-Sein verschränkte sich mit NS-typischen Verfolgungskategorien, so Frau Prof. Palatschek weiter. Daher waren Lesben von rassehygienischen, poilitischen, antisemitischen und gegen nonkonforme Lebensweisen ausgerichteten Repressionen betroffen. Frau Prof. Karen Nolte verweist darauf, dass in den Quellen das Wort lesbisch, oder zeitgenössisch die Begriffe „invertiert“ und „konträrsexuell“ in der Regel nicht explizit zu finden sind. Bei der Untersuchung muss daher genauer hingesehen werden, um dort lesbisches Leben ausfindig zu machen. Mit diesem auf Intersektionalität ausgerichteten Blick beschäftigen sich die Forscherinnen des Projekts mit Quellen der sogenannten Kameradschaftsehe, mit Strafprozessakten, mit KZ-Akten und den darin enthaltenen, unterschiedlichsten Verfolgungstatbeständen, sowie mit Psychatrie-, Fürsorge- und auch Scheidungsprozessakten.

Ankündigung:Der Liebe wegen“ wird nachfragen, welche weitere Erkenntnisse im Rahmen des Forschungsprojekts gewonnen werden konnten und wie es mit dem Projekt und dessen Finanzierung in 2023 weitergeht.

Kerstin Bosse und Christel Stroh

Quellen / Zum Weiterlesen:

Das Blog-Portal-Hypothestes
Folgende aktuelle Texte zum Forschungsprojekt „Lesbische* Lebenswelten im deutschen Südwesten (ca. 1920er-1970er Jahre)“ sind bislang beim Blog-Portal Hypotheses unter https://lesbenwelt.hypotheses.org/ veröffentlicht:



2021/2022: Queer durch Tübingen

Udo Rauch vom Stadtarchiv und der Berliner Historiker Karl-Heinz Steinle führten in der Reihe „Kennen Sie Tübingen?“ am 4. September 2017 fast 250 Interessierte durch die Tübinger Altstadt. Sie berichteten von Menschen, deren Lebensgeschichten bislang verschwiegen, verdrängt und vergessen waren. Es ging um queere Menschen, welche die Geschichte der Stadt aktiv mitgestaltet hatten oder Opfer von Verfolgung und Repression waren. Nach dieser Führung „Queer durch Tübingen“ stand im Stadtarchiv das Telefon nicht mehr still. Bestärkt durch das große Interesse, beschloss der Stadtarchivar und der Historiker Karl-Heinz Steinle sich mit diesem bislang noch nicht erzählten Teil der Tübinger Geschichte eingehender zu befassen. Das Forschungsprojekt „Queer durch Tübingen“ war geboren.

Vier Jahre des Sammeln, Forschen und Zusammentragen haben sich gelohnt: vom 25. September 2021 bis 13. März 2022 wurden in einer Ausstellung im Stadtmuseium 24 Biografien aus Tübingen aus 200 Jahren präsentiert. Darunter nicht nur schwule Männer oder lesbische Frauen, sondern auch trans- und interesexueller Menschen. Repression, Verfolgung, Lebenslust, Emanzipation, jurstische Lockerungen und medizinische Möglichkeiten der queeren Community und ihre Entwicklung werden lebendig. Das zeigen auch die nachfolgend dargestellten Videos zur und über die Ausstellung.

Ralf Bogen

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2021: Ergebnisse im Rahmen des Forschungsprojekts der Universität Stuttgart von Julia Noah Munier

Anfang 2021 ist Julia Noah Muniers Arbeit „Lebenswelten und Verfolgungsschicksale homosexueller Männer in Baden und Württemberg im 20. Jahrhundert“ als Buch erschienen. Diese Studie ist, wie es im Geleitwort heißt, die erste von drei Teilen des Forschungsprojekts des Instituts für Neuere Geschichte der Universität Stuttgart.

In drei übergeordnete Kapitel gegliedert, enthält die Arbeit von Munier viele Details zu den Schicksalen und Lebenswelten von homosexuellen Männern aus Baden und Württemberg während der Weimarer Republik (S. 43-135), während der NS-Diktatur (S. 136-290) und während der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit (S. 291-399). Dabei sind insbesondere dargestellte Zeugnisse brisant, welche die homosexuellen Männer nicht nur als Opfer von Diskriminierung und Verfolgung, sondern auch als sich selbst behauptende Akteure beschreiben. Als Beispiel hierfür seien die Besuche von Silvester- und Karnevalfeiern in der Schweiz genannt, wo unter anderem Alfred Jenny, der Protokollant des „Schweizerischen Freundschafts-Verbandes“ wie folgt zitiert wird (S. 286): „Es möchte uns ja wohl schon bekannt sein, dass denselben Artgenossen speziell in Deutschland alles unterbunden ist, sie freuten sich deshalb zehnfach, unter uns Schweizern wenn auch nur kurze Zeit ein paar frohe und angstfreie Stunden geniessen zu können“ (es ging hier um die Silvesterfeier 1933/34). Weiter wird beschrieben, wie homosexuellen Männern von ihren „Artgenossen“ zur Flucht in die Schweiz geholfen wurde. Aus dem Kapitel zur Nachkriegszeit geht die wichtige Rolle von Aktivist:innen aus unserer Region für die Liberalisierung des §175 StGb hervor (siehe hierzu auch den Bericht über die Fachtagung zur LSBTTIQ-Geschichte „Zukunft braucht Erinnerung“ im Hotel Silber).

Wir freuen uns darüber, dass Munier zur Rolle außerinstitutioneller Initiativen und zu unserer Webseite „Der Liebe wegen“ in der Einleitung schreibt: „Die vorliegende Untersuchung profitiert erheblich davon, dass zivilgesellschaftliche Akteure in Baden-Württemberg seit den 1980er Jahren in Eigeninitiative Material zusammentrugen und für die Verfolgung Homosexueller im NS-Regime gesellschaftlich sensibilisierten. (…) Zugleich knüpft diese Studie an wichtige regionale und lokale außerinstitutionelle Arbeiten zur Verfolgung homosexueller Männer nach §175 (R)StGB in Baden und Württemberg an (…) Besonders hervorzuheben ist das (…) Bildungs- und Aufklärungsprojekt ‚Der Liebe wegen‘.“ (S. 11ff)

Konkret heißt es beispielsweise zum quantitativen Ausmaß der Verfolgung während der NS-Zeit in Muniers Arbeit: „Schätzungen Rainer Hoffschildts zufolge wurden in den Jahren 1933 bis 1939 in den OLG-Bezirken Stuttgart und Karlsruhe über 900 Personen nach §175, §175a RStGB verurteilt. (…) Reichsweit wurden ca. 5-10% der nach §175, §175a RStGB verurteilten Männer in Konzentrationslager verbracht. 90-95% der homosexuellen Männer wurden zur Strafverbüßung in Justizanstalten untergebracht. Diese Zahlen sind auch für Baden und Württemberg anzunehmen. Gestützt auf neuere Forschungen des Geschichtsprojektes „Der-Liebe-wegen“ konnte hier gezeigt werden, dass homosexuelle Männer mit Bezug zur Region des heutigen Baden-Württemberg u. a. vermehrt in die Emslandlager, in das Lager Rodgau Dieburg, in das KZ Natzweiler und das KZ Dachau deportiert wurden.“ (S. 406/407)

Muniers umfassende Darstellung stellt einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur Aufarbeitung staatlicher Verfolgung homosexueller Menschen dar und leistet durch den Einbezug von Selbstzeugnissen und von Lebenswelten in ländlichen Räumen wertvolle Impulse für die weitere Forschung.

Ralf Bogen


2021: Das Projekt „Der Liebe Wege – Stuttgart (neu) entdecken“

DER LIEBE WEGE ist ein Projekt des Weissenburg e.V. – Zentrum LSBTTIQ Stuttgart in Kooperation mit der Initiativgruppe Homosexualität Stuttgart e.V. sowie dem Künstler_innenkollektiv polychrom, dessen Konzept, Recherche und Umsetzung laut Impressum durch Philine Pastenaci und Lena Fritschle erfolgte und 2021 durch anARTis | Thomas Leuthold umgestaltet wurde. Die Webseite www.derliebewege.de hat eine fünfteilige Navigation bestehenden aus folgenden fünf Rubriken, die im folgenden genauer vorgestellt werden sollen:

Zur ersten Rubrik „KARTE“
Diese Rubrik ist identisch mit der Startseite und stellt das Stadtgebiet Stuttgarts dar. Es zeigt Orte auf, „an welchen im Lauf der Jahrzehnte LSBTTIQ-Geschichte geschrieben wurde und lädt dazu ein, neue Wege zu entdecken“. Und weiter heißt es hier: „Vorkämpfer_innen gegen Diskriminierung, Intoleranz und Ausgrenzung sollen im Rahmen des digitalen Stadtspaziergangs ebenso zu Wort kommen, wie solche, die seit Jahren unermüdlich für Frauenrechte, Aufarbeitung nationalsozialistischer Verfolgung und ein freies Miteinander eintreten.“

Zur zweiten Rubrik „#DIGITALESSTOLPERN“
Diese Rubrik hat eine Sonderstellung im Vergleich zu den anderen vier Rubriken. Denn es führt zu einem weiteren von Stolperkunst e. V. geförderten Projekt mit dem Titel  „#DIGITALESSTOLPERN – #derliebewegen„. Hierzu heißt es auf dieser Seite unter der Überschrift „Von Sonder- und Schmetterlingen“: „Das Projekt #DIGITALESSTOLPERN – #derliebewegen will erinnern und gedenken, an jene Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität unter Repressionen gelitten haben. Bis heute leiden Menschen unter Diskriminierung, weil sie der heteronormativen und cisnormativen Gesellschaft nicht entsprechen. Zeigt Gesicht, wenn ihr könnt, nutzt eure Stimme, wenn ihr könnt. Sichtbarkeit schafft Akzeptanz. Die Aktion startete am 14.02.2021 auf der Plattform Instagram und läuft ohne Begrenzung fort. Zur Inspiration haben wir einen Linktree mit diversen Texten und Einzelschicksalen sowie 7 kurze Infotexte erstellt. Du möchtest mitmachen? Gerne! Schick uns einfach eine Mail mit deinem Beitrag an derliebewege@gmail.com oder poste ihn auf Instagram und verlinke uns mit #digitalesstolpern, @polychrom.kollektiv@weissenburgstuttgart und @ihs_ev.“

Zur dritten Rubrik „LISTENANSICHT A-Z“
Auf dieser Seite werden in alphabetischer Reihenfolge Vereine und Personen gelistet, die auf der Stuttgarter Karte bzw. in Stuttgart ihren Platz an einzelnen Orten haben. Beim Buchstaben A finden wir zum Beispiel den Sitz der AIDS-Hilfe Stuttgart, bei B der Buchladen Erlkönig, bei C das Cafe Weiss usw. usf. Das geht dann weiter über den Buchstaben K wie Kings Club oder dem Karl-Heinrich-Ulrich-Platz bis zum Buchstaben W wie Weissenburg, das LSBTTIQ-Zentrum Stuttgart.

Zur vierten Rubrik „DAS PROJEKT“
Auf dieser Seite wird deutlich, warum das Projekt so ähnlich, aber doch anders heißt wie unser Projekt „Der Liebe wegen“: „Inspiriert durch / angelehnt an das Projekt DER LIEBE WEGEN, verwebt die entstehende Karte des Stadtgebietes Stuttgart dessen Recherchen zu Menschen im deutschen Südwesten, die wegen ihrer Liebe und Sexualität ausgegrenzt und verfolgt wurden mit Erfahrungen und Erlebnisberichten engagierter Stuttgarter_innen. Auf Basis von Zeitdokumenten aus dem Verlauf der letzten 70 Jahre und Interviews mit Zeitzeug_innen verschiedener Jahrzehnte weist DER LIEBE WEGE Örtlichkeiten aus, welchen eine Bedeutung für die Entwicklung der hiesigen Szene zukommt oder einst zukam. Angelegt als Work-in-Progress entsteht im Laufe der Zeit so eine sinnlich „erlaufbare“ Übersicht, über gut ein Jahrhundert städtischer LSBTTIQ-Geschichte.“

Zur fünften Rubrik „MITMACHEN“
Auf dieser Seite heißt es: „Für den Moment fiel aus verschiedenen Gründen die Entscheidung, den vorläufigen Fokus zum Start des Work-in-Progress-Projektes auf die Stuttgarter Innenstadt zu legen, dieser wird im Laufe der nächsten Wochen und Monate jedoch über die Hänge des Talkessels hinaus wachsen – doch unabhängig davon: Es fehlt ein Ort, eine markante Anekdote – ein wichtiger Baustein? Wir freuen uns über Hinweise, Zeitdokumente, Tipps und ganz besonders: Interviewpartner_innen, die ihr Wissen, ihre Erlebnisse und Perspektiven mit und teilen möchten. Dementsprechend darf gerne Kontakt aufgenommen werden, die Karte befindet sich im stetigen Erweiterungsprozess. derliebewegeATgmail.com“


29.03.2021: NS-Kriterien der Verfolgung beim Gedenken überwinden

In der Berliner Zeitung online ist am 29. März 2021 und in der Printausgabe am 7. April 2021 ein Beitrag von Hanno Hauenstein „Von Schwulen und Nazis zwischen Opfermythos und historischer Präzision“ erschienen, der ein Streitgespräch zwischen Dr. Lutz van Dijk und Dr. Alexander Zinn wiedergibt. Alexander Zinn sieht als Hauptproblem, dass „die Aufarbeitung der Verfolgung Homosexueller zur NS-Zeit für die queere Community ‚identitätsbildend'“ sei – „teils jedoch gegen die historische Faktenlage“. Eine positive Verklärung der Rosa-Winkel-Häftlinge will er festgestellt haben, die Kindesmißbrauch und Jugendverführung nicht angemessen berücksichtigt. Lesbische Frauen seien nicht wegen ihrer Homosexualität verfolgt worden. Demgegenüber warnt Lutz van Dijk in der Bewertung der Faktenlage allein mit NS-Kriterien zu operieren. Er ist ein Befürworter des Mahmals für lesbische Frauen in der Gedenkstätte Ravensbrück, die dort gelitten haben – „nicht, weil sie als lesbische Frauen verurteilt wurden, sondern weil ihr Leid unsichtbar gemacht wurde.“

Zu dieser Kontroverse bringen wir im Folgenden ungekürzt einen Leserbrief, der am 12. April 2021 in der Berliner Zeitung leicht gekürzt veröffentlicht wurde:

29. März 2021: Was für eine historische Forschung und Gedenkkultur wollen und brauchen wir?

Die historische Forschung hat jahrzehntelang sexuelle und geschlechtliche Minderheiten nicht als Opfer des NS- und Nachkriegsunrechts angemessen anerkannt und konkret erforscht. Sie hat sich stattdessen von patriarchalischen Vorurteilen gegenüber Homo-, Trans- und Intersexualität leiten lassen, die der NS-Staat zwar nicht erfunden, aber wesentlich verstärkt hat und die bis heute subtil weiterwirken. Leider trägt Zinn im Streitgespräch teilweise zur Bestärkung dieser Vorurteile bei:

Bezogen auf seine Leipziger Studie sagt Zinn, „dass ungefähr drei Viertel derjenigen, die im KZ mit einem rosa Winkel als Homosexuelle gekennzeichnet wurden, wegen Jugendverführung oder Kindesmissbrauch vorbestraft waren.“ Daraus können wir lernen, dass Rosa-Winkel-Häftlinge nicht per se gedenkwürdig sind und dass wir sehr genau hinschauen müssen. Vor dem Hintergrund, dass der NS-Staat homosexuelle Männer per se als „Kinderschänder“ stigmatisierte und bekämpfte, sehe ich das Hauptproblem bei Zinn darin, dass er mit dieser Aussage jegliche Differenzierung zwischen heute wie damals strafbaren Kindesmissbrauch einerseits und heute nicht strafbarer „Jugendverführung“ (im Grundsatz ist das Schutzalter heute 14 Jahre – unabhängig von der sexuellen Orientierung – bei wenigen Ausnahmen in Sonderfällen) andererseits vermissen lässt. Damit ersetzt Zinn eine von ihm kritisierte positive Verklärung in der Erinnerung an die homosexuellen NS-Opfer durch eine negative Verklärung, womit er seinem hohen Anspruch auf historische Präzision selbst nicht gerecht wird. Hingegen nennen wir in unserer, im Internet unter www.der-liebe-wegen.org veröffentlichten Studie zur heutigen Region Baden-Württemberg folgende Kriterien für die Anerkennung als homosexuelle NS-Opfer: „Insofern uns Informationen vorliegen oder noch zugänglich werden, wonach Personen auch Vergehen gemäß 174 Ziffer 1 (sexuelle Handlungen mit Minderjährigen unter Missbrauch von Abhängigkeitsverhältnissen), gemäß 175 a Ziffer 1 (Gewalt und Nötigung) und gemäß § 176 (sexuelle Handlungen mit Kindern) begangen haben, haben wir diese nicht in unsere Gedenkkarte aufgenommen bzw. werden wir diese herausnehmen.“ Letzteres war bei einer von 251 Personen der Fall.

Mit dem Hinweis, dass KZ-Einweisungen nicht primär oder gar nicht aufgrund weiblicher Homosexualität erfolgten, wird seit Jahrzehnten das durch die NS-Diktatur verursachte spezifische Leid lesbischer Frauen übersehen oder gar wie mit dem von Zinn selbst als polemisch überspitzt bezeichneten Vergleich der Situation von Raucherinnen mit der von lesbischen Frauen im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück bagatellisiert. Auch hier stimme ich van Dijk zu, der die historische Forschung und die Gedenkkultur dazu anregen möchte, das NS-spezifische Unrecht gegenüber lesbischen Frauen stärker als bislang in den Blick zu nehmen. Das ist in dem von van Dijk mit herausgegebenen Sammelband „Erinnern in Auschwitz – auch an sexuelle Minderheiten“ mit wertvollen neuen Forschungsergebnissen beispielhaft gelungen.

Mit der Erstarkung rechtspopulistischer Kräfte in Deutschland geht die Zunahme von Hass und Hetze in verschiedenen Internetforen einher. Homo- und Transsexualität ist nach wie vor ein wichtiger Fluchtgrund angesichts von Gewalt und Verfolgung in vielen Ländern. Daher ist Zinn entschieden zu widersprechen, wenn er die Aufgabe, auf eine bessere Gesellschaft hinzuwirken, nur bei der Gedenkarbeit und nicht auch bei der historischen Forschung sieht. Das von van Dijk vertretene Anliegen eines angemessenen Erinnerns an das Leid sexueller und geschlechtlicher Minderheiten während der NS-Diktatur im Deutschen Bundestag am Auschwitzgedenktag ist wichtiger denn je.

Ralf Bogen, Stuttgart


2021 Verschiedenes

30. November 2021: Erinnerung an queere Minderheiten aus der Zeit des Nationalsozialismus
Mitschnitt der Online-Veranstaltung mit Dr. Andrea Genest, Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück, stellv. Leiterin der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten; Ina Rosenthal, Vorstand, Lesbenring e. V. und Leiterin von RUT e. V. der Beratung für lesbische Mädchen und Frauen, Berlin und Jenny Engels, Vorstandsmitglied im Lesben und Schwulenverband (LSVD) Bundesverband. Moderation: Uwe Fröhlich, Diplom-Kulturarbeiter (FH), Mitglied von QueerGrün Brandenburg.

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12-19. September 2021: 15. Stuttgarter LebenSLauf zugunsten von LGBT-Geflüchteten
Abseitz Stuttgart e.V., der Sportverein für Schwule, Lesben und Freund*innen, richtet seinen 15. Stuttgarter LebenSLauf zu Gunsten von Menschen aus, die wegen ihrer sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität aus ihren Heimatländern fliehen mussten. (…) Lange Zeit galt auch in Deutschland: es gibt nur Mann und Frau, zwei Geschlechter, und alle Menschen sind heterosexuell. Menschen, die nicht in diese Norm passen, wurden bei uns insbesondere in der NS-Zeit terrorisiert und entwürdigt. In vielen Ländern der Erde wie z. B. Syrien, Uganda, Iran oder Afghanistan erfahren sie bis heute Verfolgung und Gewalt. In Deutschland angekommen, ist für viele von ihnen ein Leben in Sicherheit noch nicht erreicht. (Auszüge aus einer Pressemitteilung des Sportvereins Abseitz vom 1.9.2021)
Siehe hierzu auch „Afghanistan steht im Focus einer sportlichen Hilfe“ – Artikel in den Stuttgarter Nachrichten vom 19.8.22 sowie Geoutet, Geflüchtet, Geheiratet – WDR-Dokumentation von 2020 zur Situation von LGBT-Geflüchteten.

27. Juli 2021: CSD Stuttgart beklagt Hasskriminalität
Sondersendung „CSD Stuttgart erschüttert – Regenbogen-Fahne in der Stuttgarter Altstadt verbrannt“

14. Juli 2021 Gedenkkugel für die ermordeten lesbischen Frauen im Frauen-KZ Ravensbrück
Fachkommission der Stiftung Brandenburgischer Gedenkstätten empfiehlt Gedenkzeichen für die lesbischen Häftlinge im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück:
„Eine Initiative engagierter Frauen hatte sich bereits vor fünf Jahren das erste Mal an die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten gewandt. Dem Anliegen schloss sich nach und nach ein ganzes Bündnis an Unterstützerinnen und Unterstützern an. In den Gremien der Stiftung wurden vor allem die Haftgründe und der Verfolgungsbegriff in Bezug auf lesbische Frauen im NS-Regime kritisch diskutiert. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat daraufhin im Frühjahr 2021 gemeinsam mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ein Gutachten bei Prof. Martin Lücke von der Freien Universität Berlin in Auftrag gegeben, das sich mit dem Schicksal lesbischer Frauen in Ravensbrück auseinandersetzt und den Begriff der Verfolgung einer kritischen Analyse unterzieht. Auf Grundlage dieses Gutachtens und nach intensiver Beratung sah die Fachkommission der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten den Nachweis der Verfolgung lesbischer Frauen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Konzentrationslagers als erbracht an. Einstimmig erfolgte die Empfehlung an die Gedenkstätte und die Stiftung, das Gedenkzeichen vor Ort zu ermöglichen.“ (Quelle: Webseite der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück)
1984 hat zum ersten Mal eine Gruppe Frauen „Lesben in der Kirche“ im KZ Ravensbrück an die lesbischen inhaftierten Frauen erinnert. Sie legten einen Kranz nieder, welcher kurz darauf entfernt wurde. Fortan wurde diese Gruppe von der Stasi beobachtet und am Gedenken gehindert. Die Frauen wurden verhaftet und waren staatlicher Gewalt ausgesetzt. Hier ein kurzer Bericht von Bettina Dziggel, welche damals der Gruppe angehörte:

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Siehe hierzu auch: Maria Bühner: Die Kontinuität des Schweigens. Das Gedenken der Ost-Berliner Gruppe Lesben in der Kirche in Ravensbrück, in Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 2018, 29/2, S. 111-131.

4. Juli 2021 Solidarität mit Istanbul Pride „Die Straße gehört uns“
Einem Demonstrationsverbot zum Trotz sind in der türkischen Millionenmetropole Istanbul Hunderte Menschen durch die Straßen gezogen, um mehr Rechte für die LGBTQ-Menschen einzufordern. Die Polizei setzte Tränengas gegen Teilnehmer ein. Auch Plastikgeschosse seien in die Menge gefeuert worden. Mehrere Menschen wurden festgenommen, darunter ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP.
Die Parade „Istanbul Pride“ stand unter dem Motto „Die Straße gehört uns“. Die Teilnehmer kritisierten unter anderem ein zunehmend LGBTQ-feindliches Klima in der Türkei.

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25. Juli 2021: Online-Lesung und -Diskussion während der CSD Kulturwoche: „Kampala – Hamburg. Roman einer Flucht“
Van Dijk liest aus seinem, auf wahren Begebenheiten basierenden, Roman „Kampala – Hamburg“.
Der 16-jährige David aus Ugandas Hauptstadt Kampala lernt im Internet den 18-jährigen David aus Hamburg kennen. Im Profil des Deutschen steht, was in Uganda zu einer Gefängnisstrafe führen kann: „Ich unterstütze Rechte sexueller Minderheiten in Afrika!“. Der Ugander weiß, dass ihm Gewalt und Gefängnis drohen, wenn er sein Heimatland nicht bald verlässt. Er hat keine Zeit zu verlieren. Wird David aus Hamburg am Ende Wort halten?
Verfolgung wegen gleichgeschlechtlicher Liebe und Sexualität war auch in Deutschland viele Jahre Wirklichkeit – das „Hotel Silber“ in Stuttgart, in der NS-Zeit Zentrale der Gestapo für Württemberg und Hohenzollern und bis in die 1980er Jahre Sitz der städtischen Kriminalpolizei, steht für diese Verfolgung. Im Anschluss an die Lesung wird mit LSBTTIQ-Geflüchteten des Regenbogen Refugiums der Weissenburg e.V. über die aktuelle Situation in Deutschland und in ihren Heimatländern gesprochen. Außerdem stellt der Verein just human e.V. seine Arbeit vor.
Veranstaltende / Unterstützer*innen: Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V., Weissenburg LSBTTIQ-Zentrum Stuttgart, just human e.V., Abteilung für individuelle Chancengleichheit der Landeshauptstadt Stuttgart, Buchladen Erlkönig, Haus der Geschichte Baden-Württemberg.

8. Mai 2021 Auftakt am 8. Mai vor dem Landgericht Stuttgart (Urbanstraße 20)
Kaum ist der NSU-Prozess in München vorbei, werden neue rechte Terrornetzwerke wie z. B. die Gruppe S bekannt. Diese hatte Waffen gesammelt sowie weitere Terroranschläge auf fünf bis sechs Moscheen zum Zeitpunkt der Freitagsgebete und auf die Grünen-Politiker Robert Habeck und Anton Hofreiter geplant und die Zeit für gekommen gesehen, „die Antifa zu beseitigen“.
Immer wieder kommt ans Tageslicht, dass auch Polizisten und Bundeswehrangehörige in rechte Strukturen verwickelt sind und dass das staatliche V-Mann-System von der Unterstützenden-Szene der Rechtsterroristen zur Stärkung ihrer Netzwerke und zum Schutz vor Strafverfolgung genützt wird.
Wie lange wollen staatliche Stellen hier noch immer von „Einzeltätern“ sprechen?

29. März 2021: Was für eine historische Forschung und Gedenkkultur wollen und brauchen wir?
In der Berliner Zeitung online ist am 29. März 2021 und in der Printausgabe am 7. April 2021 ein Beitrag von Hanno Hauenstein „Von Schwulen und Nazis zwischen Opfermythos und historischer Präzision“ erschienen (siehe https://www.berliner-zeitung.de/…/von-schwulen-und…), der ein Streitgespräch zwischen Lutz van Dijk und Alexander Zinn wiedergibt. Dazu veröffentlichen wir im Folgenden ungekürzt einen Leserbrief, der am 12. April 2021 in der Berliner Zeitung leicht gekürzt veröffentlicht wurde:
Die historische Forschung hat jahrzehntelang sexuelle und geschlechtliche Minderheiten nicht als Opfer des NS- und Nachkriegsunrechts angemessen anerkannt und konkret erforscht. Sie hat sich stattdessen von patriarchalischen Vorurteilen gegenüber Homo-, Trans- und Intersexualität leiten lassen, die der NS-Staat zwar nicht erfunden, aber wesentlich verstärkt hat und die bis heute subtil weiterwirken. Leider trägt Zinn im Streitgespräch teilweise zur Bestärkung dieser Vorurteile bei:
Bezogen auf seine Leipziger Studie sagt Zinn, „dass ungefähr drei Viertel derjenigen, die im KZ mit einem rosa Winkel als Homosexuelle gekennzeichnet wurden, wegen Jugendverführung oder Kindesmissbrauch vorbestraft waren.“ Daraus können wir lernen, dass Rosa-Winkel-Häftlinge nicht per se gedenkwürdig sind und dass wir sehr genau hinschauen müssen. Vor dem Hintergrund, dass der NS-Staat homosexuelle Männer per se als „Kinderschänder“ stigmatisierte und bekämpfte, sehe ich das Hauptproblem bei Zinn darin, dass er mit dieser Aussage jegliche Differenzierung zwischen heute wie damals strafbaren Kindesmissbrauch einerseits und heute nicht strafbarer „Jugendverführung“ (im Grundsatz ist das Schutzalter heute 14 Jahre – unabhängig von der sexuellen Orientierung – bei wenigen Ausnahmen in Sonderfällen) andererseits vermissen lässt. Damit ersetzt Zinn eine von ihm kritisierte positive Verklärung in der Erinnerung an die homosexuellen NS-Opfer durch eine negative Verklärung, womit er seinem hohen Anspruch auf historische Präzision selbst nicht gerecht wird. Hingegen nennen wir in unserer, im Internet unter www.der-liebe-wegen.org veröffentlichten Studie zur heutigen Region Baden-Württemberg folgende Kriterien für die Anerkennung als homosexuelle NS-Opfer: „Insofern uns Informationen vorliegen oder noch zugänglich werden, wonach Personen auch Vergehen gemäß 174 Ziffer 1 (sexuelle Handlungen mit Minderjährigen unter Missbrauch von Abhängigkeitsverhältnissen), gemäß 175 a Ziffer 1 (Gewalt und Nötigung) und gemäß § 176 (sexuelle Handlungen mit Kindern) begangen haben, haben wir diese nicht in unsere Gedenkkarte aufgenommen bzw. werden wir diese herausnehmen.“ Letzteres war bei einer von 251 Personen der Fall.
Mit dem Hinweis, dass KZ-Einweisungen nicht primär oder gar nicht aufgrund weiblicher Homosexualität erfolgten, wird seit Jahrzehnten das durch die NS-Diktatur verursachte spezifische Leid lesbischer Frauen übersehen oder gar wie mit dem von Zinn selbst als polemisch überspitzt bezeichneten Vergleich der Situation von Raucherinnen mit der von lesbischen Frauen im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück bagatellisiert. Auch hier stimme ich van Dijk zu, der die historische Forschung und die Gedenkkultur dazu anregen möchte, das NS-spezifische Unrecht gegenüber lesbischen Frauen stärker als bislang in den Blick zu nehmen. Das ist in dem von van Dijk mit herausgegebenen Sammelband „Erinnern in Auschwitz – auch an sexuelle Minderheiten“ mit wertvollen neuen Forschungsergebnissen beispielhaft gelungen.
Mit der Erstarkung rechtspopulistischer Kräfte in Deutschland geht die Zunahme von Hass und Hetze in verschiedenen Internetforen einher. Homo- und Transsexualität ist nach wie vor ein wichtiger Fluchtgrund angesichts von Gewalt und Verfolgung in vielen Ländern. Daher ist Zinn entschieden zu widersprechen, wenn er die Aufgabe, auf eine bessere Gesellschaft hinzuwirken, nur bei der Gedenkarbeit und nicht auch bei der historischen Forschung sieht. Das von van Dijk vertretene Anliegen eines angemessenen Erinnerns an das Leid sexueller und geschlechtlicher Minderheiten während der NS-Diktatur im Deutschen Bundestag am Auschwitzgedenktag ist wichtiger denn je.

24. Januar 2021: Online-Veranstaltung „Erinnern in Auschwitz – auch an sexuelle Minderheiten“
„Jeder Mensch zählt!“ – entsprechend diesem Leitgedanken werden am 24. Januar 2021 um 16 Uhr, die Autorin Dr. Anna Hájková und der Herausgeber Dr. Lutz van Dijk das Buch „Erinnern in Auschwitz – auch an sexuelle Minderheiten“ bei einer Online-Veranstaltung vorstellen.
Bis heute gehören ausgrenzende Sexual- und Geschlechterrollen neben Antisemitismus und Rassismus zum Kern des faschistischen Weltbilds. Sie sind wesentlicher Bestandteil demokratiefeindlicher Aktivitäten und Propaganda rechtspopulistischer Kräfte, die uns nicht nur am Auschwitz-Gedenktag zum aktiven Entgegentreten herausfordern.
(Eine interessante Buchrezension kann hier im Gedenkstättenforum – Rundbrief gelesen werden: https://www.gedenkstaettenforum.de/…/news/buchrezension-1/
Die ebenso interessante Geschichte einer heute 92-Jährigen lesbischen Überlebenden des KZ Auschwitz, Margot Heumann, von Dr. Anna Hájková kann hier gelesen werden: https://www.tagesspiegel.de/…/eine…/26751656.html)

2020 Virtuelle Führung durch das Hotel Silber

12. Juli 2020, 16 h: Virtuelle Führung „Vielfalt braucht Erinnerung“
Zum CSD 2020 in Stuttgart bieten die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. und das Haus der Geschichte Baden-Württemberg eine ca. 30-minütige digitale Live-Stream-Führung durch die Duerausstellung im „Hotel Silber“ an.
Viele Jahrzehnte fehlte es in Baden-Württemberg an einer „Vielfalt in der Erinnerung“, bei der auch das begangene Unrecht an sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten dargestellt wird. Entsprechend dem diesjährigen CSD-Motto „Vielfalt braucht Verstärkung“ gehen Kurator Friedemann Rincke vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg und Ralf Bogen, Mitarbeiter der AG Dauerausstellung für die Initiative. Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V., auf die verschiedenen Verfolgungsbereiche der Polizei ein und zeigen schwerpunktmäßig die „Bekämpfung der Homosexualität“ auf.

2020 Verschiedenes

2. Oktober 2020: Neuer Vorstoß zum Erinnern an lesbische NS-Opfer
Es ist eine Leerstelle der Erinnerungskultur in Deutschland: Noch wird nirgends ausdrücklich und allein der lesbischen Verfolgten des NS-Regimes gedacht. Nun gibt es einen neuen Anlauf, an sie im ehemaligen Frauen-KZ Ravensbrück zu erinnern. Ein breites Bündnis von queeren Gruppen und Initiativen hat einen weiteren Antrag auf eine Gedenkkugel für die dort inhaftierten lesbischen Frauen eingereicht und sich auf eine Inschrift dafür geeinigt. „Wir erwarten nun, dass es jetzt – nach mehr als fünf Jahren – keine weiteren Verzögerungen mehr gibt“, erklärt Wiebke Haß von der Initiative „Autonome feministische Frauen und Lesben aus Deutschland und Österreich“ gegenüber dem Tagesspiegel. Die Initiative hatte das Gedenken vor Jahren angestoßen und hat auch den neuen Antrag gestellt. Zu dem Bündnis, das diesen Antrag unterstützt, gehören unter anderem der Lesbenring, die lesbische Initiative „Rad und Tat“, die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, der Bundesverband des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) und der Fachverband Homosexualität und Geschichte. Von Anfang an unterstützten das Internationale Ravensbrück-Komitee und die deutsche und österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück die Initiative.

10. September 2020: Polen „LGBT-frei“?! Wie queere Menschen gegen den Hass kämpfen
Ein Drittel der polnischen Regionen bezeichnet sich als „LGBT-freie Zone“. Homosexualität gilt dort als feindliche „Ideologie“, die man nicht haben will. Heißt: Queere Menschen sind dort offiziell und ausdrücklich nicht erwünscht. Vor allem im katholischen geprägten Südosten des Landes verabschieden immer mehr Städte und Gemeinden solche Resolutionen. Für queere Menschen ist das Leben in diesen Gebieten zunehmend geprägt von Homophobie, Gewalt und Ausgrenzung.
(Quelle youtube-Beitrag von reporter)

8. September 2020: Ukrainischer Bischof macht Homo-Ehe für Corona verantwortlich und infiziert sich selbst
Filaret Denyssenko, Bischof und Ehrenpatriarch der Orthodoxen Kirche der Ukraine, ist an Covid-19 erkrankt. Noch im März hatte der 91-Jährige die Homo-Ehe für das Coronavirus verantwortlich gemacht. In einem TV-Interview mit dem Sender “4. Kanal“ sagte der Bischof: “Die Ursache des Coronavirus ist die Sündhaftigkeit der Menschheit. Die Menschen verteidigen nicht das Gute, sondern das Böse. Das Böse breitet sich aus. Ich meine vor allem die Homo-Ehe. Sie ist die Ursache des Coronavirus und nicht nur sie. Den Kindern wird nahegelegt, ihr Geschlecht auszusuchen. Ist das das Gute? Das ist das Böse.” (Quelle: Beitrag auf rnd)

5. September 2020 Wien: Regenbogenflagge bei „Quer-Denken“-Protest zerissen
Auf offener Bühne wird eine Regenbogenfahne zerrissen und Personen der LGBTIQ-Community werden als Kinderschänder bezeichnet (siehe Video von Presse Service Wien und Beitrag hierzu auf queer.de).

5. September 2020: „Jedes Geschlecht verdient Respekt“ – 2. Trans* Pride Day (TPD) in Stuttgart
Mit einer großen Transflagge, bestehend aus rund 800 farbigen Luftballons mitten auf dem Stuttgarter Schlossplatz machten mehrere Aktivist*innen in sympathischer Art und Weise die menschliche Vielfalt in puncto Geschlecht und Anliegen geschlechtlicher Minderheiten sichtbar. Zur Situation und zu den Anliegen geschlechtlicher Minderheiten siehe https://www.der-liebe-wegen.org/wer_definiert_geschlecht/; https://transpride.de/ und http://mission-trans.de/.

27. Juli  2020: CSD-Online-Pride – Vielfalt verstärken in der Erinnerungskultur
Letzten Sonntag ging die CSD-Kulturwoche zu Ende. Es war ein komischer, virtueller CSD, dem verfluchten Coronavirus geschuldet. Die IG CSD hat hier Großartiges geleistet und dem Virus Einiges abgerungen. Auch an dieser Stelle nochmals vielen Dank an die vielen Aktivist:innen. Um Vielfaltverstärkung in der Erinnerungskultur und angesichts von Verfolgung heute wegen Liebe, Sexualität und Geschlecht in Ländern wie z. B. dem Iran geht es im Video ab 2:56.

14. Juli 2020: Neonazi-Opfer Noel Martin gestorben
Mit 60 Jahren ist Martin, der seit dem Attentat 1996 im Rollstuhl saß, gestorben. Nachdem Neonazis ihn angriffen, war er querschnittsgelähmt. In einem Interview des Tagesspiegels sprach er 2017 über sein Leben danach und Versöhnungsarbeit.

29. Juni 2020: Artikel „Verbotene Liebe – Verfolgte Homosexuelle in der NS-Zeit“
in der Stuttgarter Zeitung

13. Juni 2020: Zu Ehren der ägyptischen LGBT-Aktivistin Sarah Hegazi
Die ägyptischen LGBT-Aktivistin Sarah Hegazi wurde 2017 für das Hochhalten einer Regenbogenfahne bei einem Konzert in Ägypten verhaftet und in der dreimonatigen Haft gefoltert. Sie flüchtete nach Toronto. Im Exil wurde sie mit den schrecklichen Erfahrungen nicht fertig, die sie in der Haft hatte machen müssen. Am 13. Juni in diesem Jahr nahm sie sich das Leben. Sie hat einen sehr berührenden Abschiedsbrief hinterlassen. Die letzten Zeilen lauten darin: „An meine Brüder und Schwestern: Ich habe versucht, Erlösung zu finden und bin gescheitert. Vergebt mir. An meine Freunde: Die Reise war grausam und ich bin zu schwach, um zu widerstehen. Vergebt mir. An die Welt: Du warst grausam, aber ich vergebe dir.“ (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Sarah_Hegazi und das Video über sie.
Ihr Schicksal hat weltweit Tausende berührt, das Internet ist voll von Youtube-Filmen, Internetbeiträgen, Artikel und Fotos von Gedenkveranstaltungen rund um die Erdkugel, z. B. in Toronto, Beirut, New York, London, Wien, Berlin, Leipzig….
Sorgen wir gemeinsam dafür, dass Sarah Hegazi nicht umsonst gestorben ist, dass noch viel mehr Menschen von Ihrem Leben erfahren und Verständnis entwickeln für traumatisierte LSBTTIQ-Geflüchtete und für die Situation von LSBTTIQ in Ländern wie Ägypten.
Weitere Links zu Sarah Hegazi – Lesenswerte Beiträge:
https://www.l-mag.de/news-1010/sie-wollte-sich-nicht-verstecken-trauer-um-die-aegyptische-lgbt-aktivistin-sarah-hegazi.html
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/trauer-um-die-aegyptische-lgbt-aktivistin-sarah-hegazi-wurde-verhaftet-und-gefoltert-weil-sie-eine-regenbogenfahne-schwenkte/25920494.html
https://taz.de/Zum-Tod-von-Sarah-Hegazi/!5689789/
https://queerswhocantgriefinpublic.wordpress.com/
Videos:
https://www.youtube.com/watch?v=tWZot1smSrY
https://www.youtube.com/watch?v=wQ46P4h4fwo
https://www.youtube.com/watch?v=ZGmgvEbEtyk
https://www.youtube.com/watch?v=3z-o8Ii-cVg

2. Juni 2020: Wir werden nicht aufgeben!
Betr.: Ihre Absage an ein eigenes Gedenken für homosexuelle Opfer im Bundestag am 27. Januar 202
Wie mutig wäre ein Zeichen von Ihnen hier gewesen!
Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident Dr. Schäuble,
sehr geehrte Bundestags-Vizepräsidentinnen und -Vizepräsidenten Frau Pau, Frau Roth, Herr Dr. Friedrich, Herr Kubicki und Herr Oppermann!
Sie haben uns durch den Protokollchef des Bundestags, Herrn Dr. Brissa, heute in drei Zeilen mitteilen lassen, dass es bei der seit 1996 bestehenden Gedenkstunde im Bundestag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021 auch weiterhin kein eigenes Gedenken an die homosexuellen Opfer geben wird, sondern Sie sich für das Thema „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ entschieden haben.
Sie wissen aus unserer ausführlichen Korrespondenz seit Januar 2018, wie viele Vertreter*innen des jüdischen Lebens in Deutschland heute auch unsere Petition unterschrieben haben und wie sehr auch alle 170 prominenten Erstunterzeichner*innen gegen jede Form des Antisemitismus sind (siehe Anlage 1). Es gibt daher von uns keine „Konkurrenz der Erinnerung“.
Gleichwohl bedauern wir sehr, dass Sie sich (wie Herr Dr. Brissa formuliert) als „Präsidium des Deutschen Bundestages nach reiflicher Abwägung“ dafür entschieden haben „ein Jubiläumsjahr… ins Licht zu stellen“, das das ganze Jahr Aufmerksamkeit erhalten sollte – und damit gegen die anerkennende Wahrnehmung einer Verfolgtengruppe, die immer wieder Diskrimierungen auch bei uns in Europa ausgesetzt ist und in den meisten Teilen der Welt selbst Folter, Haft und Todesstrafe erleiden müssen.
Wie mutig wäre ein Zeichen von Ihnen hier gewesen!
Wir werden nicht aufgeben, so u.a. auch gemeinsam mit unseren polnischen Nachbarn, wo erst vor kurzem ein Drittel des Landes zu LGBT-freien Zonen erklärt wurde, so selbst auch im Staatlichen Museum Auschwitz, unser Bemühen um aufrichtige Erinnerung fortzusetzen.
Mit freundlichem Gruß, Lutz van Dijk und Friedhelm Krey

31. Mai 2020 Antifaschismus, nicht gemeinnützig?
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat kritisiert, dass das Berliner Finanzamt für Körperschaften der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten, kurz: VVN-BdA) die Gemeinnützigkeit aberkannt hat.“ – siehe Tagesspiegel vom 20.5.2020.
Esther Bejarano, KZ-Überlebende, schreibt in einem offenen Brief an den Bundesminister der Finanzen, Herrn Olaf Scholz: „Für uns Überlebende ist es unerträglich, wenn heute wieder Naziparolen gebrüllt, wenn jüdische Menschen und Synagogen angegriffen werden, wenn Menschen durch die Straßen gejagt und bedroht werden, wenn Todeslisten kursieren (…) Nie habe ich mir vorstellen können, dass die Gemeinnützigkeit unserer Arbeit angezweifelt oder uns abgesprochen werden könnte! (…) Haben diejenigen schon gewonnen, die die Geschichte unseres Landes verfälschen wollen, die sie umschreiben und überschreiben wollen? Die von Gedenkstätten ‚als Denkmal der Schande‘ sprechen und den NS-Staat und seine Mordmaschine als ‚Vogelschiss in deutscher Geschichte‘ bezeichnen?“ Quelle: https://vvn-bda.de/offener-brief-von-esther-bejarano-an…/. Weitere Infos hierzu siehe auch:

8. Mai 2020: Bündnis Vielfalt für Alle beteiligt sich an Gedenkaktion zum 8. Mai 2020,
dem 75. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg
– siehe Video hierzu:
Das Bündnis Vielfalt für Alle unterstützt die Aktivitäten zur Erinnerung an die Befreiung Deutschlands und Europas von Faschismus und Krieg am 8. Mai 1945. In 2020 jährt sich dieser Tag zum 75. Mal. Für diesen Tag haben Millionen alliierte Soldat*innen, Menschen aus dem Widerstand, Partisan*innen und Kriegsdienstverweiger*innen ihr Leben riskiert und geopfert. Ihrer sowie aller Opfer der NS-Diktatur werden am 8. Mai 2020 verschiedene Organisationen sowie Einzelpersonen mit Blumen am antifaschistischen Mahnmal in Stuttgart (Karlsplatz) zwischen 17 und 19 Uhr unter Einhaltung der Coronavirus-Schutzregeln (Abstand/erwünschter Mundschutz)gedenken. Dabei wird das Bündnis Vielfalt für Alle auch auf jene Schicksale von Menschen hinweisen, die aufgrund Ihrer Sexualität und ihres Geschlechts im Nationalsozialismus ausgegrenzt, entwürdigt und verfolgt wurden – siehe Flyer.
Weitere Informationen: www.vielfaltfueralle.info, https://www.facebook.com/buendnis.vielfalt.fuer.alle/

5.10.2019: „Zukunft braucht Erinnerung“ – Öffentliche Fachtagung zur vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte – ein Rückblick

Mehr als 50 Interessierte an der vielfältigen Geschichte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten kamen am 5. Oktober 2019 in das Gebäude der ehemaligen Gestapozentrale von Württemberg und Hohenzollern „Hotel Silber“, um die Ergebnisse aktueller Arbeiten kennenzulernen, zu diskutieren und um sich über zukünftige Richtungen von historischer Forschung und Vermittlung auszutauschen. Eingeladen hatten der Fachverband Homosexualität und Geschichte sowie die Initiative Lern– und Gedenkort Hotel Silber und ihre AG Vielfalt. Der Fachverband war mit mehreren Historiker*innen sowie Geschichtsaktivist*innen aus verschiedenen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz vertreten. Unterstützt wurde die Tagung durch die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, das Haus der Geschichte Baden-Württemberg und nicht zuletzt durch das Netzwerk LSBTTIQ[1] Baden-Württemberg.

Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger, Direktorin des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg und Ralf Bogen, Mitarbeiter der AG Dauerausstellung für die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, führten Tagungsteilnehmende am Vortag durch die Dauerausstellung des neuen Lern- und Erinnerungsortes zum Thema „Die Polizei im Hotel Silber und die Bekämpfung von Homosexualität“.[2]

In der Begrüßung von Ralf Bogen (Stuttgart, Vorstand der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber) und Karl-Heinz Steinle (Berlin, Vorstand des Fachverbands Homosexualität und Geschichte) im Namen der Veranstaltenden wurde an die Geschichte des Hauses Hotel Silber erinnert, in der die ehemalige Gestapozentrale von Württemberg und Hohenzollern und nach 1945 die städtische Kriminalpolizei ihren Sitz hatte. Es sei kein Zufall gewesen, dass sich vier LSBTTIQ-Vereine (IG CSD Stuttgart, KC Stuttgart, LSVD Baden-Württemberg und Weissenburg) als Mitglied in der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber erfolgreich am Kampf um den Erhalt des Gebäudes als Lern- und Erinnerungsort beteiligt hätten.[3] Bis dahin habe es in Baden-Württemberg keinen Ort gegeben, an dem angemessen über das NS- und Nachkriegs-Unrecht an LSBTTIQ-Menschen erinnert werde. Die Tagung passe gut zum Ziel des neuen Lern- und Erinnerungsortes, „diesen Ort des Terrors in einen Ort des Bekenntnisses zu demokratischen Grundrechten und zu gelebter Akzeptanz menschlicher Vielfalt zu wandeln“ (aus der Präambel zu den Hotel Silber Verträgen). Im Anschluss wurde der Fachverband Homosexualität und Geschichte vorgestellt. Seit 1992 fördere dieser u. a. durch jährlich stattfindende Fachtagungen wie diese den Erfahrungsaustausch seiner Mitglieder und aller an LSBTTIQ-Geschichte Interessierten.[4] Nach einer Danksagung an einer Reihe von Organisationen und Menschen, die die Tagung möglich gemacht haben[5], moderierte Steinle vormittags die Vorstellung der ersten drei Vortragenden inklusiv der jeweils anschließenden Diskussionen.

Dr. des. Sabrina Mittermeier (Augsburg) erklärte in ihrem Vortrag „LSBTTIQ Public History in der Bundesrepublik Deutschland und den USA, 1969-2016“ zunächst den von ihr verwendeten Begriff „Public History“ mit einer Definition von Martin Lücke und Irmgard Zindorf (2018): „Public History wird sowohl als jede Form der öffentlichen Geschichtsdarstellung verstanden, die sich an eine breite, nicht geschichtswissenschaftliche Öffentlichkeit richtet, als auch als eine Teildisziplin der Geschichtswissenschaft, die sich der Erforschung von Geschichtspräsentationen widmet.“ Sie warf die brisante Frage auf, wer bestimme, an wen, was, wie erinnert werde. LSBTTIQ-Geschichte habe in Deutschland nach wie vor fast nirgendwo Einzug in Schul- und Universitätslehrpläne gehalten. Das außeruniversitäre und unbezahlte Archivieren und Sammeln durch Geschichtsaktivist*Innen sei daher auch heute noch eine wichtige Form des Aktivismus der LSBTTIQ-Emanzipationsbewegung. Ihr geplantes, jedoch noch nicht finanziertes Projekt solle Einrichtungen analysieren, die es sich zum Ziel gesetzt hätten, LSBTTIQ Geschichte in die Öffentlichkeit zu tragen. Für die USA gehörten hierzu die ONE National Gay and Lesbian Archives (Los Angeles), das Stonewall National Museum and Archives (Fort Lauderdale), das GLTB Museum and Historical Society (San Francisco), das Lesbian Herstory Archives (New York) und verschiedene AIDS-Memorial‘s (Key West, New Orleans und weitere). Für die BRD nannte sie u. a. das Schwule Museum* (Berlin), der Spinnboden – Lesbisches Archiv und Bibliothek e.V. (Berlin), das Forum Homosexualität e.V. (München), das Centrum Schwule Geschichte (Köln) oder das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen (Berlin).
In der Diskussion ging es um verschiedene Fragestellungen, z. B. wie das Projekt berücksichtigen wird, dass sich Dokumente zu lesbischen Frauen in Frauenarchiven wiederfinden und dass es große Unterschiede gibt zwischen der Forschung und Vermittlung der Geschichte von weißen schwulen CIS[6]-Männern im Verhältnis zu anderen Gruppen der LSBTTIQ-Community. Ebenso thematisierten Diskussionsbeiträge das Verhältnis von akademisch-institutionalisierten Forschungen und (Geschichts-)Projekten zu Forschungen und Erinnerungsprojekten der LSBTTIQ-Emanzipationsbewegung. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Situation in den USA und in Deutschland sollen im Projekt genauer untersucht werden. Eine wichtige Gemeinsamkeit sei laut Mittermeier heute, dass sich in beiden Ländern LSBTTIQ-Geschichtsaktivist*innen mit Rollback-Kräften konfrontiert sehen, in den USA mit Trump und in Deutschland mit der AfD.

Im zweiten Vortrag referierte Janka Kluge zur Geschichte der Emanzipationsbewegung transsexueller Menschen unter dem Titel „Von der Sichtbarkeit zur Unsichtbarkeit und wieder zurück“. Die Bewegung habe mit dem Inkrafttreten des Transsexuellengesetzes 1981 aus damaliger Sicht ein wichtiges Ziel erreicht. Nun seien für transsexuelle Menschen eine Namensänderung und eine geschlechtsanpassende Operation möglich gewesen. Dies habe „von der Sichtbarkeit zur Unsichtbarkeit“ geführt, da sich transsexuelle Menschen in den Folgejahren aus der politischen Öffentlichkeitsarbeit für transsexuelle Anliegen für mehrere Jahre weitgehend zurückgezogen hätten. Über drei Jahrzehnte später habe das Bundesverfassungsgericht auf Klagen von einzelnen Betroffenen das Transsexuellengesetz in mindestens 10 Punkten als rechtswidrig eingestuft. Insbesondere die nach wie vor erforderliche Zwangsbegutachtungen für Namensänderungen und geschlechtsanpassende Operationen hätten dazu geführt, dass in den letzten Jahren mehrere transsexuelle Menschen wieder „aus der Unsichtbarkeit zur Sichtbarkeit“ hervorgetreten seien und sich verstärkt für ihre Anliegen in der Öffentlichkeit engagieren würden. In Stuttgart sei es in diesem Jahr zum ersten Trans*Pride mit über 400 Teilnehmenden gekommen. Auf Bundesebene hätten sich 40 verschiedene Trans*Gruppen zum Bundesverband Trans* zusammengeschlossen, der die Kampagne gestartet habe „Sagt es laut! – Selbstbestimmung! TSG (Transsexuellengesetz) abschaffen!“ (www.bundesverband-trans.de/sagt-es-laut/). Ein wichtiges Thema der weltweiten Trans*Bewegung sei die Psychopathologisierung sowie Hass, Gewalt und Ermordung von Trans*Menschen. Die meisten Morde seien in den USA zu verzeichnen und zwar an schwarzen Frauen aus armen Verhältnissen, die um überleben zu können oftmals der Prostitution nachgingen.
In der Diskussion wurden die Fragen nach der Bedeutung der Begriffe von Transsexualität in Abgrenzung von Transgender für die Emanzipationsbewegung geschlechtlicher Minderheiten und nach dem Verhältnis lesbischer Einrichtungen zu transsexuellen Frauen gestellt. Radikalfeministinnen würden nach wie vor transsexuelle Frauen nicht als Frauen anerkennen. In vergangenen Jahren habe das Frauenkulturzentrum und Café Sarah in Stuttgart transsexuellen Frauen keinen Eintritt in ihre Räume gewährt. Zu den Morden an Trans*Menschen wurde angemerkt, dass es Morde an Transmänner durch CIS-Frauen so gut wie keine gäbe, dass bei diesen Geschlecht, Hautfarbe sowie prekäre ökonomische Verhältnisse eine zentrale Rolle spielten.

Ilona Scheidle (Mannheim) berichtete in ihrem Vortrag „Bekämpftes / umkämpftes Gedenken – eine Geschichte zur ‚Lesbengedenkkugel‘ in der Mahn- und Gedenkstätte Frauenkonzentrationslager Ravensbrück“ wie autonome Frauengruppen zum 70. Jahrestag der Befreiung in Ravensbrück in einer von der Gedenkstättenleitung nicht genehmigten Aktion eine Gedenkkugel mit folgender Inschrift niederlegten: “In Gedenken an die lesbischen Frauen und Mädchen im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und Uckermark, die als Widerständige, Ver-rückte, „Asoziale“ und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet wurden.“ Die Leitung der Gedenkstätte ließ die Gedenkkugel wieder entfernen. Seitdem gibt es eine Auseinandersetzung um das Gedenken an die lesbischen Frauen in der dortigen KZ-Gedenkstätte. Scheidle führte aus, dass sie bei den „W-Fragen: Wer, was, wann, wie, warum“ beim „warum“ „hängen geblieben“ sei mit der Konsequenz, dass sie nicht konkreter auf den Streit und auf neue Entwicklungen in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück eingegangen ist. Sie hält den Androzentrismus, welcher Männer als Zentrum, Maßstab und Norm in allen gesellschaftlichen Bereichen versteht, für den zentralen Grund, warum in der Gedenkstätte bislang an lesbische Frauen nicht als Opfer erinnert wird. Für die Marginalisierung von Lesbengeschichte führte sie weitere Beispiele an, u. a. die Förderung von „100 Jahre Homosexuellengeschichte“, ein Projekt, bei dem später „100 Jahre Schwulengeschichte“ herausgekommen sei. Gedenkpolitik und Geschichtswissenschaft seien von patriarchalischen Strukturen geprägt, so dass lesbische Frauen im Unterschied zu schwulen Männern einer doppelte Diskriminierung ausgesetzt seien: als Lesben und als Frauen. Als ein positives „Gegen“-Beispiel stellte sie den ersten Gedenkort für eine im Nationalsozialismus verfolgte lesbisch lebende Frau vor, den Hilde Radusch GEDENK-Ort in Berlin.
In der Diskussion wurde nach den konkreten Akteur*innen der Verhinderung der Gedenkkugel in Ravensbrück gefragt. Weitere Diskussionsbeiträge hoben hervor, dass die Unterschiede des Umgangs des NS-Staates zwischen homosexuellen Frauen und Männern nicht nivelliert werden und lesbische NS-Opfer durch biographische Forschung ein Gesicht und einen Namen erhalten sollten. Der Vorwurf des Lesbisch-Seins sollte für biographische Forschung ausreichen. Zwischen lesbischen und schwulen NS-Opfern solle keine Konkurrenz „aufgemacht“ werden. Schwule Männer sollten Verständnis haben für die Empörung lesbischer Frauen, wenn diese mit ihren Anliegen in der Erinnerungsarbeit und bei der Forschungsförderung übergangen würden. Bei verschiedenen Projekten und in manchen Regionen wie z. B. in Rheinland-Pfalz gelänge zunehmend ein solidarischer schwul-lesbischer Austausch und gegenseitige Unterstützung.

Nach der Mittagspause begrüßte Angela Jäger (Mannheim) für das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg die Gäste. Das Netzwerk unterstütze diese Fachtagung und möchte von der Geschichtsarbeit zugleich profitieren, indem – so Jäger – „Ihr uns unsere Geschichte gebt“. Das Netzwerk begrüße es, dass das Land Baden-Württemberg an der Universität Stuttgart die Erforschung der Verfolgungsgeschichte homosexueller Männer in den letzten Jahren fördere und es setze sich darüber hinaus für eine bessere Finanzierung der Forschung zu lesbischen und bisexuellen Frauen sowie transsexuellen Menschen ein. Jäger moderierte die weiteren Vorträge und Diskussionen.

Der Vortrag „Die Homophilenbewegung im deutschen Südwesten als Akteur der Anerkennung“ von Dr. Julia Noah Munier (München) bezog sich überwiegend auf die Adenauer-Ära (1949 bis 1963). Trotz und aufgrund der Verfolgung nach §175 StGB bildeten sich im Verborgenen homosexuelle Freundeskreise und eine international vernetzte homophile Bewegung, die erfolgreich zur Liberalisierung des §175 beigetragen hätten. Dabei hätten die beteiligten Männer auch herrschenden Vorstellungen wie die Ablehnung der Promiskuität und der Prostitution vertreten, wenn beispielsweise „MM aus Stuttgart“ in der Züricher Zeitschrift „Der Kreis“ 1952 geschrieben habe: „Es ist nicht wahr, daß der Homosexuelle notwendig das Opfer der Justiz werden müsste. Er wird es immer wieder, weil er eine inhumane Form der Beziehung pflegt. Weil er auf die Straße geht, sich mit Prostituierten abgibt, weil er überhaupt nicht nach den sittlichen Qualitäten eines Menschen fragt, sondern nur dessen Leib will.“ Munier arbeitete die Bedeutung der Gemeinschaft für die eigene Anerkennung als homophiler Mensch heraus. Sie hob Erinnerungen an Tanzveranstaltungen in Stuttgart und Freiburg sowie an die Feste des Züricher „Der Kreis“ mit zeitweise über 600 Personen als etwas „Ersehntes und Außergewöhnliches“ hervor. Sie erwähnte verschiedene Einzelpersonen und Gruppen in Baden-Württemberg, die sowohl gemeinsame Freizeitaktivitäten organisierten als auch vorsichtige politische Aktivitäten zur Entkriminalisierung der Homosexualität entwickelten. Beispielhaft seien hier genannt: Toni Simon, der/die ab 1950 eine Eingabe zur Abschaffung des § 175 StGB an Bundesjustizminister Dehler initiierte; der Autor Harry Wilde, der in seinem Buch „Das Schicksal der Verfemten“ 1969 an den Gesetzgeber appellierte, „jeder Diskriminierung von Minderheiten ein Ende zu setzen und damit einem neuen Verständnis des »homosexuellen« Nächsten den Weg zu ebnen.“ Die Finanzierung des Versands des Buches an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestags wurde von der Reutlinger Kameradschaft „Die Runde“ unterstützt. Für das erhaltene Exemplar bedankte sich Bundesjustizminister Heinemann persönlich beim Tübinger Verleger.
In der Diskussion wurde hervorgehoben, dass wir auch im Südwesten stolz sein können auf mehrere Einzelpersonen und Gruppen, die sich erfolgreich am Kampf zur 1969 erzielten Reform des §175 StGB beteiligt hatten. Mit Bezugnahme auf Menschenrechte und Minderheitenrechte ist ihnen eine überzeugende und nachhaltige Argumentation für die Anerkennung homosexueller Menschen gelungen. Weitere Forschungen bei damals beteiligten Personen wären wünschenswert, wie z. B. zu Ernst-Walter Hanack (damals Heidelberg) und in den Nachlässen der Stuttgarter FDP-Rechtspolitikerin Emmy Diemer-Nicolaus oder des Tübinger Strafrechtsprofessors Jürgen Baumann.

Die Historikerin Cynthia Sadler (Mannheim) zeigte in ihrem Vortrag „Eine Annäherung an Formen weiblichen gleichgeschlechtlichen Begehrens: Paris – Wien im 18. Jahrhundert“ anhand von zwei Beispielen auf, dass einzelnen Frauen liebenden Frauen trotz Jahrtausend alter patriarchalischer Strukturen und Gewohnheiten schon damals eine eigene Sexualität möglich war. Zunächst befasste sich Sadler mit Briefen einer Hochadligen an ihre Schwägerin. Darin habe es sowohl die zeitüblich romantischen, als auch sexualisierte „Briefküsse“ gegeben wie z. B.: „Ich küsse dein ertzenglisches Arscherl“ „Ich küsse Ihren verehrungswürdigen Arsch in meinem Anbieten“. Als zweites Beispiel ging sie auf die in Paris offen homosexuell lebende Schauspielerin Françoise Marie Antoinette Saucerotte (1756-1815) ein. Die erstmals 1784 erschienene Schmähschrift „Apologie de la secte Anandryne habe vorgeblich den Abdruck einer von Saucerotte gehaltenen Rede über einen lesbisch-erotischen Geheimbund dargestellt. Ausgeführt werde darin, dass das wahre Glück die Liebe zwischen Frauen sei. Masturbation werde als etwas Gutes bezeichnet. Bemerkenswerterweise werde Frauen liebenden Frauen in dieser Schmähschrift bei den geschilderten Orgien eine eigene natürliche Lust und Sexualität zugeschrieben. Jedoch würden weibliche, gleichgeschlechtliche Vergnügungen letztlich dann doch nur als Vorgeschmack dargestellt, um Frauen auf das angeblich größere Vergnügen der heterosexuellen Penetration vorzubereiten. Es zeige sich hier der bis heute immer noch tradierte Diskurs, dass Sex zwischen Frauen kein „richtiger Sex“ sei. Lesbischer Sex werde als erotisches Moment für den Mann dargestellt, was auch in der heutigen Massenpornographie des Internets ein gängiges Schema sei.
In der Diskussion wurde auf die Problematik der Benennung von Frauenfreundschaften als lesbisch eingegangen. Zum einen habe es im 18. Jahrhundert den Begriff „lesbisch“ als Identität noch gar nicht gegeben. Zum anderen gebe es auch im 20. Jahrhundert noch viele Frauen, die sich selbst nicht als lesbisch bezeichneten, was ein Problem für die heutige Geschichtsschreibung darstelle. Es wurde auf die Besonderheit des österreichischen Strafrechts eingegangen, welches bis 1971 geschlechtsneutral gewesen sei. Trotzdem sei die Verfolgungsintensität bei gleichgeschlechtlichen Handlungen von Frauen in Österreich wesentlich geringer gewesen als die bei Männern.

Artur Reinhard (Tübingen) zeigte in seinem Vortrag „Der Fall eines Tübinger Studenten, der in den 1950er Jahren wegen zwei §175-StGB-Verstößen von der Universität verwiesen wurde“ an einem konkreten Beispiel der Nachkriegszeit die verhängnisvolle Rolle der Universität Tübingen auf. Unabhängig von der Justiz waren akademische Strafen bei Verstößen gegen die akademische Ordnung möglich, welche vom einfachen Verweis bis zur Wegweisung von der Universität reichten (zeitlich begrenzt oder für immer; ggf. mit Ausschluss vom Hochschulstudium in Deutschland generell bei nicht näher definierten „ehrlosen Handlungen“). Im Beispiel ging es um einen Mann, der nach mehrmaligen Versuchen, heterosexuell zu leben, körperliche Beschwerden entwickelt und sich nach Krankenhausaufenthalten in psychotherapeutische Behandlung in Tübingen begeben habe. Die homosexuelle Veranlagung treibe ihn unweigerlich dem Suizid zu, so ein ihn behandelnder Arzt. Trotzdem habe der Ende 20-Jährige das Studium der Volkswirtschaft beginnen können. Obwohl er den Eindruck gehabt habe, dass infolge der Psychotherapie seine homosexuellen Neigungen beseitigt seien, sei es erneut zu homosexuellen Handlungen gekommen. Diese hätten zu zwei Verurteilungen geführt, letztere zu einer zweimonatigen Gefängnisstrafe. Das Amtsgericht habe die Universität Tübingen informiert und der Universitätsrat habe die Strafakten mit einem 38-seitigen psychotherapeutischen Bericht erhalten. Ohne den Studenten anzuhören, werde in der Beschlussvorlage ausgeführt: die strafbaren Handlungen „sind zweifellos ein sehr schwerer Verstoß gegen die akademische Sitte. Eine disziplinarische Ahndung ist erforderlich. Die Strafmilderungsgründe sind gering, die Strafschärfungsgründe überwiegen.“ Es sei die Wegweisung von der Universität, ggf. beschränkt auf ein Jahr, empfohlen worden. Der Rektor habe den Studenten sofort einstweilig von der Universität ausgeschlossen.
In der Diskussion wurde betont, dass während der NS-Diktatur mehrere Universitäten die Aberkennung von Titeln als akademische Strafe bei homosexuellen Fällen angewandt hätten. Entsprechend den nach 1945 weitergeltenden NS-Verfahrensregeln seien Strafverfahrensinformationen von der Justiz direkt an den Arbeitgeber bzw. an die Universität weitergeleitet worden. Bis 1970 seien zur Universität Tübingen sieben §175-Fälle gegen Studierende bekannt, fünf Fälle hätten sich hier zwischen 1949 und 1962 ereignet.

Bei der Abschlussdiskussion „Erfolge – Defizite – Perspektiven in der Aufarbeitung und Darstellung der vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte. Resümee und Erfahrungsaustausch aller Tagungsteilnehmenden“ ging es vorrangig um die Problematik eines angemessenen Umgangs mit den heutigen Begriffen LSBTTIQ bei der Geschichtsforschung und um das Verhältnis der Bewegungsforschung zur institutionalisierten Forschung sowie um ihre schulische sowie außerschulische Vermittlung. Die große heteronormative Erzählung mit Regenbogenfarben zu „bequeeren“ erfordere, dass die Wissensbestände sowie die Ergebnisse historischer Forschung von Bewegungsaktivist*innen ohne hierarchisches Gefälle in universitäre Forschung einflößen. Zu Anfang des Stuttgarter Universitätsprojektes zur LSBTTIQ-Geschichte[7] habe es eine besondere Situation gegeben. Es sei der Eindruck entstanden, dass die Universität durchaus Interesse an der bisher geleisteten historischen Forschung und an einer Zusammenarbeit habe. Die Kommunikation sei jedoch abgebrochen und es bestehe keine angemessene Transparenz über die weitere Entwicklung des Universitätsprojekts. Insbesondere sei unklar, wie die institutionalisierte Forschung den Anspruch realisieren möchte, neben schwuler auch die Geschichte lesbischer und bisexueller Frauen und geschlechtlicher Minderheiten aufzuarbeiten. Die Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung sei aus Täterperspektive in der NS-Zeit ein Verfolgungsbereich gewesen, was eine gemeinsame Aufarbeitung nahelege. Die wegen Abtreibung ins KZ verbrachten Frauen seien bislang nicht rehabilitiert worden. Es wurde die Frage gestellt, ob und wo es eine gemeinsame Aufarbeitung gebe und falls dies noch nicht der Fall sei, wie diese gegebenenfalls entwickelt werden könne. Es wurde von verschiedenen außeruniversitären Projekten der Vermittlung von LSBTTIQ-Geschichte berichtet, wie z. B. das Internetprojekt „Der Liebe wegen“ (www.der-liebe-wegen.org), das aktuell ergänzt werde durch das Projekt „Der Liebe Wege“ (www.derliebewege.de); die Wanderausstellung „Sie machen Geschichte – lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, queere Menschen in Baden-Württemberg“; das Projekt des Stadtarchivs Tübingen „Queer durch Tübingen – LSBTTIQ in Tübingen und Region vom Mittelalter bis heute“, das 2021 in einer Ausstellung im Stadtmuseum mit großem Katalog münden werde. Es sollten weitere Möglichkeiten der Finanzierung im lokalen Bereich gefunden und realisiert werden. LSBTTIQ-Geschichte sei bislang eine wenig konkret-verbindliche Leitperspektive im Bildungsplan für Baden-Württemberg. In den Schulen gebe es neue Fragestellungen, beispielsweise nach dem Umgang mit Trans-Kindern. Die LSBTTIQ-Emanzipation erfordere weitere Aktivitäten bis die Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in den Schulen eine Selbstverständlichkeit sei, wobei die Geschichtsarbeit eine nach wie vor wichtige Rolle spiele.

Ralf Bogen (AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber) und Eckhard Prinz (lesbisch-schwule Geschichtswerkstatt Rhein-Neckar)
Die AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber sowie die lesbisch-schwule Geschichtswerkstatt Rhein-Neckar sind Mitglied im überparteilichen und weltanschaulich nicht gebundenen Zusammenschluss von lesbischen-schwulen-bisexuellen-transsexuellen-transgender-intersexuellen und queeren Gruppen, Vereinen und Initiativen, dem Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg (www.netzwerk-lsbttiq.net).

[1] LSBTTIQ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen.

[2] Alle hier verwendeten Fotos wurden uns von Dietmar Wagner zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt, wofür sich die Autoren herzlich bei ihm bedanken.

[3] Weitere Informationen zur Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber siehe www.hotel-silber.de, zum Erinnerungsort Hotel Silber siehe www.geschichtsort-hotel-silber.de sowie zur §175-Verfolgung ausgehend vom „Hotel Silber“ siehe www.der-liebe-wegen.org. Erstmals wird in Baden-Württemberg in einem Erinnerungsort in der Dauerausstellung im Hotel Silber das §175-Unrecht sowohl während der NS-Zeit als auch in der Nachkriegszeit angemessen dargestellt und – wenn auch nur kurz – das Leid lesbischer Frauen und geschlechtlicher Minderheiten thematisiert und damit sichtbar.

[4] Website des Fachverband Homosexualität und Geschichte siehe www.invertito.de.

[5] Hier sei insbesondere die Weissenburg, LSBTTIQ-Zentrum Stuttgart, erwähnt. Vereinsmitarbeitende halfen nicht nur beim Catering, sondern boten auch Abendessen für die Tagungsteilnehmenden an und richteten die Abendveranstaltung zum Thema „Neue Wege zur Sichtbarkeit der vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte“ mit Philine Pastenaci, Sissy that Talk und Sven Tröndle in der Weissenburg aus.

[6] CIS-Männer sind Männer, deren augenscheinliches Geschlecht aufgrund ihrer äußeren Genitalien zum Zeitpunkt ihrer Geburt und eines entsprechenden Geschlechtseintrags im Geburtsregister mit ihrer Geschlechtsidentität übereinstimmt.

[7] Informationen zum universitären Projekt siehe www.lsbttiq-bw.de.

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4./5. Oktober 2019: Programm der öffentliche Fachtagung zur vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte im Hotel Silber in Stuttgart: „Zukunft braucht  Erinnerung“

Eine Veranstaltung  des Fachverbands Homosexualität und Geschichte und der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg durch Mittel des Landes Baden-Württemberg, vom Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg und vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg Eintritt frei. Anmeldung über: fhg@invertito.de Bei der Fachtagung sind Historiker*innen wie auch Nicht-Historiker*innen herzlich Willkommen :-).

Freitag, 4. Oktober 2019  – 16 Uhr und evtl. 17 Uhr Themenführung „Die Polizei im Hotel Silber  und die Bekämpfung von Homosexualität“
Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger, Direktorin des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, und Ralf Bogen, Mitarbeiter der AG Dauerausstellung für die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V., führen die Tagungsteilnehmende durch die Dauerausstellung. Treffpunkt: Besucherinformation im Hotel Silber,  Dorotheenstraße 10, Stuttgart. Begrenzung auf maximal 30 Tagungsteilnehmende je Führung. Zusatzanmeldung über fhg@invertito.de bis spätestens 27.09.2019 erforderlich.

Vorträge am Samstag, den 5. Oktober 2019
10.00 Uhr: Ankunft im Hotel Silber Dorotheenstraße 10, Stuttgart
10.15 Uhr:  Begrüßung und (Selbst-)Vorstellung  der Moderierenden Ralf Bogen, AG Vielfalt der Initiative  Lern- und Gedenkort Hotel Silber, Stuttgart Karl-Heinz Steinle, Vorstand des Fachverbands  Homosexualität und Geschichte, Berlin Angela Jäger, Sprechendenrat des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg, Mannheim An die jeweiligen 20 Min. Vorträge schließen sich Diskussionen an:
10.30 Uhr: Dr. des. Sabrina Mittermeier, Augsburg: LSBTTIQ Public History in der Bundesrepublik  Deutschland und in den USA 1969-2016
11.15 Uhr: Janka Kluge, Stuttgart: Von der Sichtbarkeit zur Unsichtbarkeit und wieder zurück – zur Geschichte der Emanzipationsbewegung transsexueller Menschen
12.00 Uhr: Ilona Scheidle, Mannheim: Bekämpftes / umkämpftes Gedenken – eine Geschichte zur „Lesbengedenkkugel“ in der Mahn- und Gedenkstätte Frauenkonzentrationslager Ravensbrück
12.45 Uhr Mittagspause

14.10 Uhr: Begrüßung nach der Mittagspause
14.15 Uhr: Dr. Julia Noah Munier, München: Die Homophilenbewegung im deutschen Südwesten  als Akteur der Anerkennung
15.00 Uhr: Cynthia Sadler, Mannheim: Eine Annäherung an Formen  weiblichen gleichgeschlechtlichen Begehrens:  Paris – Wien im 18. Jahrhundert
15.45 Uhr: Kurze Pause
16.00 Uhr: Artur Reinhard, Tübingen: Fall eines Tübinger Studenten, der in den  1950er Jahren wegen zwei §175-StGB-Verstößen  von der Universität verwiesen wurde
16.45 Uhr: Erfolge, Defizite und Perspektiven  in der Aufarbeitung und Darstellung  der vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte Resümee  und Erfahrungsaustausch  aller Tagungsteilnehmenden
ca. 17.30 Uhr: ENDE im Hotel Silber

Abendveranstaltung in der Weissenburg  Weißenburgstraße 28a in Stuttgart Ab 18.00 Uhr geöffnet. Abendessen wird angeboten.
20 Uhr: Neue Wege zur Sichtbarkeit  der vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte  Filmausschnitte und Gespräch mit Philine Pastenaci und Sissy that Talk.  Moderation: Sven Tröndle, Weissenburg/Schwulst

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Aufruf zur Einreichung von Beiträgen (Call for Papers) für die Öffentliche Fachtagung zur vielfältigen LSBTTIQ*-Geschichte im HOTEL SILBER in Stuttgart am 5. Oktober 2019 Deadline: 30. März 2019

Februar 2019: In Kooperation mit dem Fachverband Homosexualität und Geschichte (http://www.invertito.de/deu/d_start.html) veranstaltet die AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort HOTEL SILBER (www.hotel-silber.de) am 5. Oktober 2019 eine öffentliche Fachtagung zur vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte im Lern- und Gedenkort HOTEL SILBER in Stuttgart.
Referent_innen aller akademischen Qualifikationsstufen (BA, MA, Magister, Promovierende…) und auch nichtakademischer Initiativen, Geschichtswerkstätten, Vereine sowie unabhängige Forschende soll dabei Gelegenheit gegeben werden, ihre aktuellen (Abschluss)Arbeiten und Projekte zu präsentieren und zu diskutieren. Gesucht werden Referent_innen, die ihre historischen Forschungsergebnisse zu folgenden aktuellen Themenschwerpunkte bieten:

  • Erfolge, Defizite und Perspektiven der Aufarbeitung und Darstellung der LSBTTIQ-Geschichte Besonders willkommen sind hier Vorträge von Referent_innen, die dem Defizit in der Erforschung der Situation lesbischer Frauen und geschlechtlicher Minderheiten im NS-Staat zu mindestens ein Stück weit entgegenwirken können.
  • Geschlechtliche Minderheiten auf dem Weg ihrer Anerkennung Vorträge werden gesucht, die folgende Fragestellungen haben können: Wie haben sich Selbstorganisationen von geschlechtlichen Minderheiten seit Ihren Anfängen entwickelt? Welche Rolle spielen in der Geschichte ihrer Emanzipationsbewegung Erinnerungsarbeit und Selbstbezeichnungen? Welche Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Spannungen und Lösungsansätze gab es in der Zusammenarbeit für die Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt in der Weimarer Republik und in der Nachkriegszeit?
  • LSBTTIQ-Feindlichkeit als Fluchtursache und Demokratiegefahr Willkommen sind Vorträge beispielsweise zu folgenden Fragen: Wie gelang es demokratiefeindlichen Kräften, ausgrenzende und diskriminierende Geschlechter-, Sexualitäts- und Familienbilder für ihre demokratiefeindlichen Ziele zu nützen? Welche Rolle spielte LSBTTIQ*-Feindlichkeit bei Fluchtbewegungen aus Diktaturen?

Themenvorschläge (maximal 1 Seite DIN A 4; zusätzlich kurze biographische Angaben) können bis zum 30. März.2019 an folgende Mailadresse gerichtet werden: fhg@invertito.de Die Fachtagung wird vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg und der Landeszentrale für politischen Bildung Baden-Württemberg unterstützt. Für sechs Vortragende sind Honorarzahlungen (inklusiv Fahrt- und Unterkunftskosten) möglich. Kontakt: Für den Fachverband Homosexualität und Geschichte, Postfach 270308, 50509 Köln: Karl Heinz Steinle, Email: fhg@invertito.deFür die AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, Else-Josenhans-Straße 3, 70173 Stuttgart: Ralf Bogen, Email: Ag-vielfalt@hotel-silber.de

2019 Verschiedenes

22. Oktober 2019: Im Gedenken an Manfred Bruns
Wir veröffentlichen an dieser Stelle zwei Nachrufe:
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/volker-beck-ueber-seinen-freund-manfred-bruns-sein-lebensweg-war-krumm-gradlinig-war-nur-er/25145650.html
https://www.sueddeutsche.de/panorama/manfred-bruns-tod-nachruf-1.4653155

22. September 2019: „Der Attentäter“   – die Geschichte  des Herschel Grynszpan
Lesung, Filmausschnitte und Diskussion mit dem Autor und Historiker Dr. Lutz van Dijk  zu den Hintergründen der Pogromnacht 1938

Eine Veranstaltung für die Akzeptanz menschlicher Vielfalt und gegen Antisemitismus, Homophobie sowie alle weiteren Formen von menschenverachtenden Haltungen
Herschel Grynszpan flüchtet vor den Nazis nach Paris, wo er sich wie viele jüdische Emigrant*innen in einer rechtlich ausweglosen Situation befindet. Im Alter von 17 Jahren erfährt er, dass seine Familie ohne Hab und Gut aus Hannover an die polnische Grenze abgeschoben wurde. In der deutschen Botschaft verletzt er den Beamten Ernst vom Rath so schwer, dass dieser seinen Verwundungen erliegt. Kannten sie sich aus der Schwulenszene? Hatte er gehofft, über den Beamten an Ausreisepapiere zu gelangen?
Hitler missbraucht diese Verzweiflungstat, um zur „Rache für die Mordtat von Paris“ aufzurufen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kommt es beinahe überall in Deutschland – auch in Stuttgart – zu einem Pogrom: jüdische Menschen werden geschlagen, verhaftet und auch ermordet, jüdische Geschäfte geplündert und Synagogen in Brand gesteckt.
Van Dijks Buch ist hochaktuell: Mangelnde Hilfe für Geflüchtete, Aufhetzung von Menschen zu „Vergeltungsaktionen“ und „Deutschland den Deutschen“-Sprüche werfen die Frage auf: Wie können wir rechter Propaganda und Demagogie am besten entgegentreten?
Moderation: Janka Kluge (VVN / BdA), Musik: Chor „Avanti Comuna Kanti“, Ort: Hotel Silber, Dorotheenstraße 10, Stuttgart, Veranstalterin: AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V., Eintritt frei, unterstützt von: Projekt 100% Mensch

Februar 2019: Aufruf zur Einreichung von Beiträgen (Call for Papers) für die Öffentliche Fachtagung zur vielfältigen LSBTTIQ*-Geschichte im HOTEL SILBER in Stuttgart am 5. Oktober 2019 – Deadline: 30. März 2019
In Kooperation mit dem Fachverband Homosexualität und Geschichte (http://www.invertito.de/deu/d_start.html) veranstaltet die AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort HOTEL SILBER (www.hotel-silber.de) am 5. Oktober 2019 eine öffentliche Fachtagung zur vielfältigen LSBTTIQ-Geschichte im Lern- und Gedenkort HOTEL SILBER in Stuttgart.
Referent_innen aller akademischen Qualifikationsstufen (BA, MA, Magister, Promovierende…) und auch nichtakademischer Initiativen, Geschichtswerkstätten, Vereine sowie unabhängige Forschende soll dabei Gelegenheit gegeben werden, ihre aktuellen (Abschluss)Arbeiten und Projekte zu präsentieren und zu diskutieren. Gesucht werden Referent_innen, die ihre historischen Forschungsergebnisse zu folgenden aktuellen Themenschwerpunkte bieten:

  • Erfolge, Defizite und Perspektiven
    der Aufarbeitung und Darstellung der LSBTTIQ-Geschichte

    Besonders willkommen sind hier Vorträge von Referent_innen, die dem Defizit in der Erforschung der Situation lesbischer Frauen und geschlechtlicher Minderheiten im NS-Staat zu mindestens ein Stück weit entgegenwirken können.
  • Geschlechtliche Minderheiten auf dem Weg ihrer Anerkennung
    Vorträge werden gesucht, die folgende Fragestellungen haben können: Wie haben sich Selbstorganisationen von geschlechtlichen Minderheiten seit Ihren Anfängen entwickelt? Welche Rolle spielen in der Geschichte ihrer Emanzipationsbewegung Erinnerungsarbeit und Selbstbezeichnungen? Welche Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Spannungen und Lösungsansätze gab es in der Zusammenarbeit für die Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt in der Weimarer Republik und in der Nachkriegszeit?
  • LSBTTIQ-Feindlichkeit als Fluchtursache und Demokratiegefahr
    Willkommen sind Vorträge beispielsweise zu folgenden Fragen: Wie gelang es demokratiefeindlichen Kräften, ausgrenzende und diskriminierende Geschlechter-, Sexualitäts- und Familienbilder für ihre demokratiefeindlichen Ziele zu nützen? Welche Rolle spielte LSBTTIQ*-Feindlichkeit bei Fluchtbewegungen aus Diktaturen?

Themenvorschläge (maximal 1 Seite DIN A 4; zusätzlich kurze biographische Angaben) können bis zum 30. März.2019 an folgende Mailadresse gerichtet werden: fhg@invertito.de
Die Fachtagung wird vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg und der Landeszentrale für politischen Bildung Baden-Württemberg unterstützt. Für sechs Vortragende sind Honorarzahlungen (inklusiv Fahrt- und Unterkunftskosten) möglich.
Kontakt:
Für den Fachverband Homosexualität und Geschichte,
Postfach 270308, 50509 Köln: Karl Heinz Steinle, Email: fhg@invertito.deFür die AG Vielfalt der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber,
Else-Josenhans-Straße 3, 70173 Stuttgart: Ralf Bogen, Email: Ag-vielfalt@hotel-silber.de

27. Januar 2019: Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus:
Vorbildliche Gedenkstunde für sexuelle Minderheiten im Landtag Baden-Württembergs – wann auch in Berliner Bundestag ?
Aus dem Schreiben des deutsch-niederländischen Autors, Historikers und Pädagogen Dr. Lutz van Dijk an den Bundestagspräsidenten Dr. Schäuble und an die Bundestagsvize-präsidenten_innen Frau Roth, Frau Pau, Herr Dr. Friederich, Herr Kubicki und Herr Oppermann:
„Am vergangenen Freitag, dem 25. Januar, erinnerte der Landtag in Baden-Württemberg in einer offiziellen Gedenkstunde im Plenarsaal zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands seit 1945 als ein Landesparlament ausdrücklich an die sexuellen Opfer der NS-Zeit und danach. Eröffnet wurde die Feierstunde von Ihrer Kollegin, der Landtagspräsidentin von Baden Württemberg, Frau Muhterem Aras, durch eine gleichermaßen alle Parteigrenzen überschreitenden  als auch ausdrücklich alle sexuellen Minderheiten thematisierenden sowie keine andere Opfergruppe  ausschließende Rede. Diese Gedenkstunde hat national und international Vorbildcharakter. Bitte überzeugen Sie sich selbst von der ausgezeichneten Qualität dieser Gedenkstunde in dem Bundesland, das ihre Heimat ist, sehr geehrter Herr Bundestagspräsident. Hier der Link, um die Gedenkstunde anzuschauen: https://www.landtag-bw.de/home/mediathek/videos/2019/20190125gedenkstundeopferns1.html?t=0
Können Sie auch nur einen Grund benennen, sehr geehrter Herr Bundestagspräsident, warum das, was in Stuttgart erfolgreich war, nicht auch in Berlin stattfinden sollte ?
Mit freundlichem Gruß, im Auftrag von inzwischen über 130 Unterzeichner*innen unserer Petition, Lutz van Dijk“ – Anschreiben zur aktualisierten Petition zum Erinnern an homosexuelle Opfer am 27. Januar 2021

27. Januar 2019: Tag des Gedenkens an die NS-Opfer
In 2019 ist der Gedenktag in Baden-Württemberg erstmals den Menschen gewidmet, die wegen ihrer gleichgeschlechtlichen Liebe und Sexualität ausgegrenzt und verfolgt wurden. Am 27.1. finden im Hotel Silber in der Dorotheenstraße 10 Aktionen in diesem Kontext statt:
Themenführungen zur Verfolgung Homosexueller
15:00 Uhr: Führung durch die Dauerausstellung mit Ausstellungskurator Friedemann Rincke, M.A, vom Haus der Geschichte und Ralf Bogen, Mitarbeiter der AG Dauerausstellung für die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V.
16:00 Uhr: Führung durch die Sonderausstellung „Und trotzdem… – Lesben im Nationalsozialismus“ durch Janka Kluge (VVN Ba-Wü). Treffpunkt: Besucherinformation. Kosten: 4 EUR
Performance „Wider das Vergessen“
17:30 Uhr: Wie kann es gelingen, Gedenken mit Leben zu füllen? Wie lässt sich vermeiden, dass Gedenken zu leeren Ritualen werden? Schülerinnen und Schüler der Altenburgschule haben gemeinsam mit einem Theaterpädagogen und einem Tanzpädagogen des Theaterhaus Stuttgart ein eigenes Stück entwickelt. Ein StolperKunst-Projekt
Foyer, Eintritt frei
Veranstalter: Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V. und Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Kooperation mit Abseitz – der Sportverein für Schwule, Lesben & Freund*innen, Buchladen Erlkönig, dgti AK Ba-Wü (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität), Gay and Gray Stgt. (LSVD), IG CSD Stuttgart, Kings Club, Projekt 100% Mensch, Stadtjugendring Stuttgart, Stolperstein-Initiative Stuttgart, Theaterhaus Stuttgart, VelsPolBW (das Mitarbeiternetzwerk für LSBT in Polizei, Justiz und Zoll Ba-Wü), Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Ba-Wü, Weissenburg (LSBTTIQ-Zentrum Stgt.).

23. Januar 2019: Eröffnung der Sonderausstellung „Und trotzdem – Lesben im Nationalsozialismus
23. Januar 2019, 18.30 Uhr: Vernissage im Hotel Silber in der Dorotheenstraße 10 in Stuttgart.
Janka Kluge (VVN-BdA Baden-Württemberg) wird in einem Impulsvortrag die Frage „Wie sah die Verfolgung lesbischer Frauen aus und warum blieb sie so lange unsichtbar?“ beleuchten. Bis 21 Uhr kann die Ausstellung an diesem Abend besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.
Die Sonderausstellung über Lesben im Nationalsozialismus wurde 2005 vom Frauenarchiv ausZeiten e.V. und der Rosa Strippe e.VBochum konzipiert. Mehr Informationne über die Ausstellung finden Sie hier.
Artikel in der Südwestpresse dazu: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/stuttgart/lesben-in-der-ns-zeit_-_wir-waren-der-feind_-29277401.html

2018 Verschiedenes

Buchpräsentation und Gespräch:
Späte Aufarbeitung – LSBTTIQ-Lebenswelten im deutschen Südwesten
16. November 2018 um 19 Uhr im Hospitalhofs (Büchsenstrasse 33, Stuttgart) im Elisabeth-und-Albrecht-Goes-Saal: Das Buch präsentiert erste Ergebnisse wissenschaftlicher Projekte zu Lebenswelten von LSBTTIQ Menschen im Südwesten im 20. Jahrhundert. In der moderierten Gesprächsrunde aus Politik und Forschung soll es um die aufgeworfenen historischen Fragestellungen gehen aber auch um aktuelle Aspekte. Sicher bietet diese  Veranstaltung interessante Informationen und Gelegenheit zum Austausch aber auch zum Netzwerken wird diese Veranstaltung eine gute Plattform sein. Der Eintritt ist frei. Bei Interesse bittet die Landeszentrale um eine Anmeldung per Email an: reinhold.weber@lpb.bwl.de

„Verschwiegen und vergessen – Das Leid lesbischer Frauen im Nationalsozialismus“
18. Oktober 2018: Anlässlich erneuter Auseinandersetzungen um das Gedenken an das Leid lesbischer Frauen im KZ Ravensbrück hat https://krawalllesben.wordpress.com/ an drei Reden von Prof. Dr. Corinna Tomberger, Dr. Claudia Schoppmann und Sigrid Grajek (CS/SG) und von Dr. Günter Grau erinnert, die 2013 bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin gehalten wurden. Sie sind hier veröffentlicht: http://www.spinnboden.de/onlinearchiv/lesbische-frauen-im-ns.html. Wir veröffentlichen Auszüge aus der Rede von Dr. Günter Grau „Wider das Verschweigen“:
„Der Ort, an dem wir uns versammelt haben, soll „die verfolgten und ermordeten Opfer ehren, die Erinnerung an das Unrecht wach halten und ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen“. So steht es im Beschluss des Deutschen Bundestages von 2003 und so steht es auch auf der Widmungstafel wenige Meter von hier entfernt.
Und seit der Einweihung des Denkmals im Jahr 2008 wird hier erinnert an Unrecht. Allerdings nur an all das Unrecht, das Männer erlitten haben, die unter dem Nazi-Regime wegen homosexueller Handlungen strafrechtlich verfolgt und verurteilt wurden bis hin zur Ermordung Tausender in den Konzentrationslagern. Nicht eine Veranstaltung hat es in den zurückliegenden sechs Jahren gegeben, die dem Gedenken an das Leid lesbischer Frauen gewidmet war – ihrer Ausgrenzung, ihrer Unterdrückung und ihrer Entwürdigung im so genannten Dritten Reich. Bei der Unterlassung handelt es sich nicht etwa um ein Versehen. Nein, es war Absicht. Diese ist durchaus belegbar, belegbar durch einen erbittert geführten Streit. Er dauert bis heute an und sein erklärtes Ziel ist, diesen Ort exklusiv zur Erinnerung an das Leid einschlägig verurteilter Männern zu reservieren. Die Rechtfertigung dafür wird gleich mitgeliefert. Sie lautet: Nur sie seien – im Unterschied zu lesbischen Frauen – strafrechtlich verfolgt worden, ihre Situation dadurch – und ebenfalls im Unterschied zu der der Lesben – zweifelsfrei zu dokumentieren.
Die Betonung der Unterschiede in der strafrechtlichen Situation ist richtig. Falsch jedoch ist die daraus gezogene Schlussfolgerung, lesbische Frauen hätten unter dem NS-System nicht gelitten. Oder anders ausgedrückt: Die Fixierung auf die strafrechtliche Verfolgung und auf das Dokumentierte greift zu kurz, weil sie dazu führt, andere Formen von Unrecht zu ignorieren. Corinna Tomberger hat die wichtigsten genannt, Claudia Schoppmann und Sigrid Grajek haben uns exemplarisch an Einzelschicksalen die Auswirkungen vor Augen geführt. Summarisch zusammen gefasst, lautet die Schlussfolgerung: Lesbische Frauen haben unter dem NS-Regime, unter seiner antihomosexuellen Propaganda und der Drohung mit dem KZ gelitten, nur – so hat es einmal Rüdiger Lautmann formuliert – „anders als die homosexuellen Männer und in weniger hervorstechender Weise“.
In der Erinnerungskultur sollten wir uns vor einer Hierarchisierung der Opfer, vor dem Gegeneinander-Aufrechnen von Leid hüten, um eine Instrumentalisierung von Erinnerungs- und Gedenkpolitik zu vermeiden. Mit dem Ausschluss von Opfergruppen aus der Gedenkarbeit an diesem Ort – und das betrifft nicht nur die Opfergruppe der lesbischen Frauen, sondern auch das Schicksal transsexueller und transidenter Menschen im Nationalsozialismus – würde dieses Mahnmal, das dem Gedenken an Unrecht dienen soll, zu einem Ort von Unrecht.“

Neu in der Buchreihe „Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württemberg“: Späte Aufarbeitung – LSBTTIQ-Lebenswelten im deutschen Südwesten
17. Juli 2018: Die Lebens- und Verfolgungsgeschichten von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender und intersexuellen sowie queeren Menschen (LSBTTIQ) nimmt ein neues Buch in den Blick (zum Inhaltsverzeichnis hier anklicken). Bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) ist es jetzt erhältlich. Das von Martin Cüppers und Norman Domeier herausgegebene Buch erscheint in der LpB-Reihe „Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs“, die wissenschaftliche Erkenntnisse an ein breites Publikum vermitteln möchte.
Der Band geht auf eine Tagung am 27./28. Juni 2016 in Bad Urach zurück. Gemeinsame Veranstalter waren dabei die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, die Universität Stuttgart, das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg und die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.
Bestellung ausschließlich im Webshop der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) zum Preis von 6,50 EUR zzgl. 3,- EUR Versand (www.lpb-bw.de/shop).  (Quelle: Auszüge einer Pressemitteilung der Landeszentrale für politische Bildung)

Bürgermeister Dr. Mayer hat Gedenktafel für Karl Heinrich Ulrichs enthüllt
11. Juli 2018: Der Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung, Kultur und Recht, Dr. Fabian Mayer, hat am Mittwoch, 11. Juli, auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz, Ecke Filder-/Lehenstraße, Stuttgart-Süd, die Gedenktafel für Karl Heinrich Ulrichs enthüllt. Das Grußwort sprach Christoph Michl, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Christopher Street Day (CSD).
Der Arbeitskreis Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und Queer (LSBTTIQ) hatte den Wunsch, eine Gedenktafel in Form einer Stele für Karl Heinrich Ulrichs auf dem Platz zu errichten. Der Arbeitskreis will damit das besondere Wirken dieses Mannes hervorheben und die Menschen, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender, Intersexuellen und Queer einsetzen, öffentlich und sichtbar würdigen. Die Stadt Stuttgart ist eine Stadt der Vielfalt.
(Quelle: https://www.stuttgart.de/item/show/273273/1/9/655671?)

Erneut Polizeigewalt gegen Istanbul Pride
03.07.2018: Trotz erneutem Verbot des Istanbul Pride, Polizeigewalt und Verhaftungen, demonstrierten Hunderte eine Woche nach der Wiederwahl des türkischen Präsidenten Erdoğan in Seitenstraßen nahe des Taksim-Platzes. Die Pride-Bewegung lässt sich nicht kleinkriegen und verdient unsere Unterstützung – siehe die Stuttgarter Solidaritäs- und Spendenkampagne mit Istanbul Pride: https://www.betterplace.org/de/projects/62106.

Weltgesundheitsorganisation will Transsexualität aus dem Krankheitskatalog streichen
20.06.2018: Die Weltgesundheitsorganisation hat bekannt gegeben, dass sie Transsexualität nicht länger als psychische Krankheit einstufen will. Die entsprechende Überarbeitung des Krankheitenkatalogs ICD wird der Versammlung der Mitgliedsstaaten im Mai 2019 vorgelegt und soll ab dem 1. Januar 2022 gelten. Gabriela Lünsmann, Bundesvorständnis im Lesben und Schwulenverband (LSVD) erklärte dazu: „Das ist ein wichtiger Schritt hin zu Akzeptanz und Selbstverständlichkeit geschlechtlicher Vielfalt. Auch transgeschlechtliche Menschen müssen das Recht haben, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Dabei muss die Leistungspflicht gesetzlicher Krankenkassen zu bedarfsgerechten geschlechtsangleichenden Maßnahmen gewährleistet bleiben. […] Ziel sollte eine bestmögliche Gesundheitsversorgung auch für transgeschlechtliche Menschen sein.

10 Jahre Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen: Bundespräsident Steinmeier bittet Homosexuelle um Vergebung
03.06.2018: „Der deutsche Staat hat all diesen Menschen schweres Leid zugefügt“: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Homosexuellen in Deutschland um Verzeihung für frühere Verfolgung und Diskriminierung gebeten. Beim Festakt zum zehnjährigen Jubiläum des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin sagte er am Sonntag, er bitte um Vergebung „für all das geschehene Leid und Unrecht und für das lange Schweigen, das darauf folgte“.
In der Zeit des Nationalsozialismus seien Privatheit, Leben, Liebe und Würde Zehntausender Homosexueller „auf niederträchtigste Weise angetastet, geleugnet und verletzt“ worden, sagte Steinmeier. Über 50.000 Männer seien nach dem durch die Nationalsozialisten verschärften Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches verfolgt worden. „Sie wurden eingesperrt. Sie wurden vorgeführt. Ihre Existenzen wurden vernichtet. Man hat sie gefoltert, in Zuchthäuser und in Konzentrationslager geschickt.“
Aber auch nach dem Ende des Nationalsozialismus sei Homosexuellen in Deutschland Unrecht zugefügt worden, sagte Steinmeier – in der DDR und in der BRD. In der Bundesrepublik seien mehr als 20 Jahre lang Zehntausende Männer auf Grundlage des Paragraphen 175, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte, „verhaftet, verurteilt und eingesperrt“ worden. „Sie mussten sich weiter verstecken, wurden weiterhin bloßgestellt, haben weiterhin ihre wirtschaftliche Existenz riskiert.“ (Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-06/festakt-berlin-verfolgung-homosexuelle-nationalsozialismus-frank-walter-steinmeier)

Diskussionsveranstaltung: „Vergessene Opfer“ – Was kann historisch-politische Bildung „wiedergutmachen“?
06.06.2018, 19:00 Uhr, Volkshochschule Tübingen, Katharinenstraße 18: Als Marginalisierte werden Menschen oder Gruppen bezeichnet, die ausgegrenzt wurden. Es soll konkreter um die Ausgrenzung von Minderheiten durch die Nationalsozialisten gehen – und v.a. darum, wie sich diese Ausgrenzung auch nach 1945 in der so häufig gelobten Erinnerungskultur der BRD fortsetzte. Beispielsweise Sinti und Roma, Homosexuellen oder als „asozial“ oder „kriminell“ stigmatisierte Menschen mussten lange um Anerkennung als Opfer des NS kämpfen bzw. tun dies noch heute.
Wie sieht der heutige Umgang mit diesen „Vergessenen“ aus? Wie ist der Stand der Forschung und welche Schwierigkeiten gibt es? Diese Fragen und weitere sollen im Podiumsgespräch mit Vertreter_innen der historisch-politischen Bildungsarbeit gestellt werden.
Gäste:

  • Ilona Lagrene, ehemalige Vorsitzende des Landesverbandes der Sinti und Roma Baden-Württemberg und Aktivistin, Heidelberg
  • Katharina Ruhland, Max Mannheimer Studienzentrum Dachau
  • Ralf Bogen, Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber, Stuttgart
  • Jens Kolata, Geschichtswerkstatt Tübingen
    Moderation: Jugendguides der Geschichtswerkstatt Tübingen

Eine Veranstaltung der Jugendguides der Geschichtswerkstatt Tübingen e.V.; In Kooperation mit dem Max Mannheimer Studienzentrum Dachau und der Volkshochschule Tübingen. Eintritt: frei.

Spenden- und Solidaritätskampagne mit dem Pride Istanbul gestartet: www.betterplace.org/p62106
17.05.2018: Heute am internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie starteten die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber und ihre Mitgliedsorganisationen IG CSD Stuttgart e.V., LSBTTIQ-Zentrum Weissenburg e.V., LSVD Baden-Württemberg e.V., Kings Club sowie der Sportverein Abseitz e.V. eine Solidaritäts- und Spendenkampagne mit dem Istanbul Pride: www.betterplace.org/p62106.
Ausführliche Infos finden Sie dazu auf der Website der IG CSD Stuttgart:  http://www.csd-stuttgart.de/istanbul. Hier ist der Aufruf zur Kampagne auch auf türkisch übersetzt veröffentlicht.
Der erste „Pride March“ in der türkischen Stadt Istanbul fand 2003 statt. Unterstützt von den Gezi-Park-Demonstrant_innen und einer erstaunlich wohlwollenden Berichterstattung in den Medien, lockte er zehn Jahre später fast 100.000 Menschen auf die Straßen. Die Demonstration wurde zu einem wichtigen Symbol der Sichtbarkeit und Wertschätzung der LSBTTIQ-Community in der Türkei. Zugleich setzte der Istanbul Pride ein leuchtendes Zeichen der Vielfalt, das weit in den Nahen und Mittleren Osten wirkte.
Viele Jahre verlief der Marsch friedlich. Doch die politische und gesellschaftliche Situation in der Türkei ist im Umbruch. Das bekommen auch lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen (LSBTTIQ) zu spüren. Seit 2015 wird der „Pride March“ immer wieder von der Polizei brutal mit Tränengas, Gummigeschossen und Verhaftungen zerschlagen.
Gleichwohl planen Aktivist_innen auch 2018 ihren Protest auf die Straßen Istanbuls zu bringen. Für die „Expedition WIR“ am Bosporus sollen finanzielle Mittel gesammelt werden, um die Öffentlichkeitsarbeit des Pride Istanbul Komitees und der Aktivist_innen von SPoD zu unterstützen. SPoD steht für Sosyal Politikalar, Cinsiyet Kimliği ve Cinsel Yönelim Çalışmaları Derneği“ (Sozialpolitik, Geschlechtsidentität & Vereinigung für sexuelle Orientierung). Als Teil der Pride-Bewegung setzt sich SPoD vor Ort für Gleichberechtigung sowie Menschenrechte ein und führt seit Dezember 2015 wöchentliche Treffen in Arabisch für syrische LSBTTIQ-Flüchtlinge in Istanbul durch: www.spod.org.tr. Spenden können online auf www.betterplace.org/p62106 oder mit dem Stichwort „Pride Istanbul“ auf das Konto des Weissenburg e.V. (IBAN: DE71 6005 0101 0002 4552 06) getätigt werden. Die Spendenaktion läuft bis 31.07.2018.

Hirschfeld & Heidelberg: Queere Geschichte in der öffentlichen Erinnerung
29.05.18: Veranstaltung im Kulturhaus Karlstorbahnhof, Am Karlstor 1 in Heidelberg. Mit seinem Studium der Medizin und Engagement in der jüdischen Studentenvereinigung Badenia, die mit dem Ziel gegründet wurde, dem zunehmenden Antisemitismus im Deutschen Reich zu begegnen, legte Magnus Hirschfeld während seiner Studienzeit in Heidelberg auf verschiedene Weise Grundlagen für sein späteres Schaffen im Wissenschaftlich-humanitären Komitee und dem Institut für Sexualwissenschaft. Anlässlich seines 150. Geburtstages möchte der Diskussionsabend Magnus Hirschfeld würdigen – als Sexualwissenschaftler, dessen Pionierforschung die Komplexität von Sexualität und Geschlecht in den Blick nahm, sowie als Sexualreformer, der Zeit seines Lebens für die Entkriminalisierung von Homosexualität stritt und sich für Trans*menschen einsetzte.
Bisher taucht queere Geschichte kaum in der historischen Erinnerung Heidelbergs auf. Ausgehend von der Person Magnus Hirschfelds beleuchtet die Veranstaltung die Rolle von LSBTTIQ-Geschichte, Körper- und Geschlechtergeschichte sowie jüdischer Geschichte für das historische Bewusstsein Heidelbergs – und ein lebendiges demokratisches Miteinander.
Prof. Dr. Karen Nolte (Medizinhistorikerin, Universität Heidelberg) diskutiert mit Patsy L’Amour LaLove (Geschlechterforscherin, u.a. Schwules Museum Berlin), Ralf Dose (Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V.), Dr. Christian Könne (Historiker) sowie Dr. Esther Graf und Manja Altenburg (Agentur für Jüdische Kultur).
Veranstaltung im Rahmen der Reihe 150 Jahre Magnus Hirschfeld in Kooperation mit dem Amt für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg und der Bundesstiftung Magnus Hirschfel (siehe: http://www.karlstorbahnhof.de/content/gesamtprogramm/2018_05/hirschfeld__heidelberg_queere_geschichte_in_der_oeffentlichen_erinnerung_290518/?c=Literatur&l=Saal.).

Frühlingsparty „Vielfalt für Alle“ im Kings Club am 18. März 2018 von 18 bis 22.30 Uhr
18.03.2018: Am Sonntag, den 18. März 2018, findet die Frühlingsparty „Vielfalt für Alle“ im Stuttgarter Kings Club statt. Das Bündnis Vielfalt für Alle lädt tanz- und musikfreudige Menschen ein, gemeinsam mit der LSBTTIQA-Community Vielfalt zu feiern: Queers und Straights, Butches und Femmes, Elfen, Einhörner und Bären, Bauarbeiterinnen und Prinzen, Youngsters, Mid-Agers, Silverstars, Rockstars, Eingeborene, Reingeschmeckte und Geflüchtete sind herzlich willkommen! Auch bei der dritten Party „Vielfalt für Alle“ wird wieder für ein kulturelles Highlight und für Gute-Laune-Musik gesorgt. Die Party findet in Kooperation mit „Heimat – Internationale Wochen gegen Rassismus“ statt (www.heimat-wochen.de). Der Eintritt ist frei. Die Spenden an diesem Abend sollen LSBTTIQ-Geflüchteten zugutekommen. Kurzbeiträge informieren über ihre Situation und über die Flüchtlingsarbeit der Weissenburg e. V., dem Zentrum LSBTTIQ in Stuttgart. Ort und Veranstalter: KINGS CLUB | Calwer Str. 21 | 70173 Stuttgart. Weitere Informationen: www.vielfaltfueralle.infohttps://www.facebook.com/buendnis.vielfalt.fuer.alle/  Zum „Appetitmachen“ ein Video der vorletzten Party Vielfalt für Alle: https://www.facebook.com/buendnis.vielfalt.fuer.alle/videos/vb.1092209827476973/1665163900181560/?type=2&theater

Ali Erol wieder auf freiem Fuß
06.02.2018: Nach mehreren Tagen hinter Gittern hat die Türkei den LGBTI-Aktivisten unter Auflagen wieder freigelassen. Erols Vergehen war offenbar, dass er das Schreiben „Nein zum Krieg, Frieden jetzt“ des türkischen Ärzteverbandes auf Twitter erwähnt hatte. Kurz vor Erols Freilassung wurde bekannt, dass die Behörden auch elf Mitglieder des Ärzteverbandes nach sieben Tagen in Haft wieder freigelassen haben (siehe www.queer.dehttps://www.nzz.ch/international/die-tuerkische-polizei-nimmt-kritiker-der-offensive-in-afrin-fest-ld.1353833 und http://www.schwulissimo.de/politik/242087/AliErolwiederfrei.htm).

Offener Brief an die Botschaft der Republik Türkei: Sofortige Freilassung von Ali Erol
05.02.2018: Auszüge aus dem Offenen Brief: Am 2. Februar wurde Ali Erol in seiner Wohnung in Ankara wohl wegen Beiträgen in den Sozialen Medien festgenommen und befindet sich seitdem in Haft. Über die genauen Hintergründe seiner Verhaftung liegen seinen Anwält*innen noch immer keine Informationen vor. Ali Erol ist der Mitbegründer des ersten offiziellen LGBTI*-Vereins in der Türkei/Ankara, Kaos GL, der sich seit 1994 für die Rechte von u.a. LGBTI* einsetzt. (…) Die Festnahme von Ali Erol zeigt auf besorgniserregende Weise, wie sehr die Rechte der LGBTI* in der Türkei gerade beschnitten werden. Sie steht zweifellos in einem Zusammenhang mit dem kritikwürdigen Verbot sämtlicher LGBTI*-Aktivitäten, das seit November 2017 für Ankara gilt. Die Verhaftung Ali Erols ist ein weiterer massiver Angriff auf die Meinungsfreiheit sowie auf die gesamte Zivilgesellschaft in der Türkei. Wir fordern daher die sofortige Freilassung Ali Erols und aller anderen LGBTI*-Aktivist*innen und das Ende der Repression gegen Menschen, die sich für gleiche Rechte und Meinungsfreiheit engagieren.“ (siehe Offener Brief – Sofortige Freilassung von Ali Erol und http://www.queer.de/detail.php?article_id=30588)

2017 Verschiedenes

„Späte Aufarbeitung – LSBTTIQ-Lebenswelten im deutschen Südwesten
In der Landeskundlichen Reihe der Landeszentrale für politischen Bildung Baden-Württemberg Nr. 50 Späte Aufarbeitung – LSBTTIQ-Lebenswelten im deutschen Südwesten“ (Inhaltsverzeichnis siehe hier) erscheint u. a. der Beitrag „Der Liebe wegen ausgegrenzt und verfolgt: das Internetprojekt www.der-liebe-wegen.org“.

Queer Life in the City – Teil 1: §175, Coming-Out in den 70ern & Rosi
Dezember 2017: Wie sah queeres Leben in den deutschen Großstädten der 70er, 80er, 90er aus? Was war anders – und was ist gleich geblieben?  Die Doku-Reihe des queeren Social-Media-Kanals SISSY THAT TALK startet in Stuttgart: Laura Halding-Hoppenheit, Hannes Steinert und Ralf Bogen erzählen in emotionalen Interviews wie früher gefeiert und geliebt wurde, aber auch von Protest, AIDS-Krise und Ausgrenzung. Im Teil 1 geht es u. a. um die Folgen des §175, u. a. auch um das Internetprojekt „Der Liebe wegen“.

Wiedergutmachungsbemühungen von Transvestiten und Damenimitatoren nach 1945
Dezember 2017: Julia Noah Munier und Karl-Heinz Steinle berichten in einem Blog-Beitrag über Wiedergutmachungsbemühungen von Transvestiten und Damenimitatoren nach 1945 auf der Grundlage eines spannenden Quellenfund im Staatsarchiv Ludwigsburg. Es wird u. a. detailliert über Toni Simon berichtet, der nach 1945 „als Original der Stuttgarter Homosexuellenszene“ galt und bereits 1950 eine Eingabe an den FDP-Politiker und Bundesminister der Justiz Thomas Dehler zur „Liberalisierung der Paragraphen 175 und 175a“ iniierte: siehe Lambda- Nachrichten Nr. 1 / 2010, S. 36-39.

„TTIQ – wo bist du?“ und „Der Liebe wegen engagiert“
Dezember 2017: Das Vereinsblätte von Abseitz Stuttgart – der Sportverein für Schwule, Lesben & Freund*Innen Nr. 51 / 2017 mit dem Schwerpunktthema: „TTIQ – wo bist du?“. geht in einem Beitrag auf S. 38 bis 41 auch auf unser Internetprojekt „Der Liebe wegen“ ein: http://www.abseitz.de/files/abseitz/media/abseitz/vereinsblaettle/pdf/AVB51-2017-11.pdf

Grußwort zur Matinee anlässlich des 70. Geburtstags der VVN Württemberg
Dezember 2017: In der Dezember-Sonderausgabe der Antifa der VVN Baden-Württemberg sind auch Auszüge des Grußwortes von Ralf Bogen vom Internetprojekt „Der Liebe wegen“ anlässlich des 70. Geburtstags der VVN Württemberg veröffentlicht, welches wir hier ungekürzt dokumentieren: Grußwort 70 Jahre VVN-am-3-September-2017

Für einen Ort in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, an dem die Verfolgung und Ermordung von lesbischen Frauen und jenen, denen es nachgesagt wurde, sichtbar wird
22.11.2017: In einer Stellungsnahme des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg heißt es: „(…) wir fordern Sie als Beirat sowie als Vertretung der weiblichen und männlichen Homosexuellen sowie der bisexuellen Frauen und Männer auf, die Lebensrealitäten von lesbischen Frauen und Mädchen, patriarchale Machtverhältnisse und Verfolgungsstrukturen gegen lesbische Lebensweisen während des Nationalsozialismus bei Ihrer Entscheidung mit zu berücksichtigen. Es ist im Sinne einer wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzung notwendig, eine Definition von Verfolgung, die sich ausschließlich an den von den Nationalsozialisten geschaffenen Häftlingskategorien orientiert, zu hinterfragen und intersektional zu erweitern. Wir setzen uns dafür ein, dass mit der „Gedenkkugel“ endlich ein sichtbares Zeichen und ein Ort in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück geschaffen wird, an dem die Verfolgung und Ermordung von lesbischen Frauen und jenen, denen es nachgesagt wurde, sichtbar wird und ihnen gedacht werden kann. Deshalb unterstützen wir die Idee einer Gedenkkugel mit Nachdruck!“

Historischer Beschluss zur Anerkennung der Intersexualität
08.11.2017: In einer Pressemitteilung des Lesben- und Schwulenverband heißt es: „Der erste Senat des Bundesverfassungsgerichts hat heute bekanntgegeben, dass die Regelungen des Personenstandsrechts nicht mit den Anforderungen des Grundgesetzes vereinbar sind, soweit sie neben den Einträgen „männlich“ und „weiblich“ keine dritte positive Option zulassen. […] In Deutschland leben schätzungsweise 100.000 Intersexuelle, die mit unterschiedlichen Geschlechtermerkmalen ausgestattet sind und sich einer traditionellen Geschlechtszuordnung entziehen. Während sich viele von ihnen klar als Mann oder als Frau fühlen, lehnen andere eine solche Zuordnung ab oder empfinden sich als einem dritten Geschlecht zugehörig. […] Trotzdem keine medizinische Notwendigkeit besteht wurden und werden durch die medizinische Kategorisierung als Störung oder Krankheit Intersexuelle in Deutschland bis heute gravierenden und irreversiblen chirurgischen und verstümmelnden Eingriffen und hormonellen Behandlungen unterzogen – oftmals bereits im Säuglingsalter. Es handelt sich um schwere Menschenrechtsverstöße.“
(Quelle: https://www.lsvd.de/newsletters/newsletter-2017/intersexuelle-respektieren-biologistische-zweigeschlechtlichkeit-ueberwinden.html;
siehe hierzu auch:
Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts,
http://video.tagesspiegel.de/drittes-geschlecht-eine-historische-entscheidung.html
http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/das-dritte-geschlecht-was-bedeutet-intersexualitaet-a-1177033.html;
https://www.tagesschau.de/inland/intersexuelle-geschlecht-105.html).

Festakt zum 150. Jahrestag der Rede Karl Heinrich Ulrichs
26.8.2017: Zum 150. Mal jährte sich der Auftritt von Karl Heinrich Ulrichs am 29. August 1867 vor mehr als 500 deutschen Rechtsgelehrten auf dem Münchner Juristentag, bei dem er sich mutig als Urning bekannte. Das Forum Homosexualität München organisierte hierfür einen beeindruckenden Festakt, zu der auch drei §175-Zeitzeugen eingeladen waren. Ulrichs (1825- 1895), Gerichtsassessor im Königreich Hannover, wurde mit Berufsverbot belegt, als seine Homosexualität bekannt wurde. Er gilt als der Urvater der Homosexuellenbewegung und war Vorbild für Magnus Hirschfeld, der mit der Gründung des Wissenschaftlich Humanitären Komitees eine verstetigte emanzipatorische Homosexuellenvertretung schuf. Vier Jahre nach Ulrichs Rede wurde 1871 der verhängnisvolle § 175 im Strafgesetzbuch verankert (siehe https://www.der-liebe-wegen.org/1400-1900_eine_kurze_chronologie/#kapitel3).

Das Webprojekt „Vom anderen Ufer?“ ist online – siehe http://www.vom-anderen-ufer.de/
August 2017:Das Stadtmuseum Ludwigshafen hatte eine Ausstellung zur schwul-lesbischen und queeren Vielfalt im Raum Ludwigshafen/Mannheim initiiert, entwickelt und von November 2015 bis Mai 2016 gezeigt. Daraus entstand die vorliegende Internetseite „Vom anderen Ufer?“, die seit August 2017 online ist (Quelle: http://www.vom-anderen-ufer.de/).

„Wo bist Du mein Schatz?“ – eine Solidaritätsaktion mit den mutigen LSBTTIQ-AktivistInnen der Türkei beim CSD in Stuttgart
29.7.2017: Mit einer „Wo bist Du, mein Schatz“-Solidaritätsaktion bei der CSD Parade in Stuttgart erklären sich die Türkische Gemeinde Baden-Württemberg e. V. und die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V. solidarisch mit den mutigen LSBTTIQ-AktivistInnen in der Türkei. Zwei Wochen nach der Räumung des Gezi-Parks erlebte Istanbul im Jahr 2014 eine der größten Trans und Gay Pride Paraden ihrer Geschichte. Ca. 80.000 bis 100.000 Menschen kamen und riefen Parolen wie: “Wo bist Du, mein Schatz?”,  wobei es zurückschallte: “Hier bin ich, mein Schatz”. Oder: “ich bin schwul, ich bin lesbisch. Ich bin hier. Wir sind hier”. Auch Hunderte von Heteros sollen dies aus Solidarität mitgerufen haben (siehe hierzu Deniz Yücel in seinem Buch “Taksim ist überall”, der ausführlich über den Gay Pride Istanbul berichtete, S. 47ff, Hamburg 2015). In den Jahren 2015, 2016 und 2017 wurden die Pride-Demos mit Polizeigewalt zerschlagen. Dennoch haben sich immer wieder mutige LSBTTIQ-AktivistInnen und ihre FreundInnen in Seitenstraßen neu formiert und ihre Verhaftung und Verletzungen riskiert (siehe http://hotel-silber.de/?p=1850).

Behörden verhindern Gay Pride Marsch in Istanbul 2017
25.6.2017 (EuroNews): „Die türkischen Behörden haben die 15. Schwulen- und Lesbenparade in der Metropole Istanbul mit einem hohen Polizeiaufgebot verhindert. Nach einem Verbot der Demonstration am Vortag hielten Sicherheitskräfte die Aktivisten am Sonntag davon ab, sich auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal zu versammeln. Istanbuler Gouverneur hatte die Demonstration für die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTI) am Vortag das dritte Jahr in Folge verboten. Die Behörden erklärten, die Maßnahme gefährde die Sicherheit von Bürgern und Touristen sowie die öffentliche Ordnung. Die Aktivisten hatten dennoch angekündigt, sich gegen Abend im Zentrum Istanbuls zu versammeln. Die Polizei sperrte die zentrale Einkaufsstraße Istiklal jedoch großräumig ab und blockierte auch die Seitenstraßen. (…) Die Verhinderung des Gay-Pride-Marsches stieß auf scharfe Kritik. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck erklärte, das Verbot sei ein klarer Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Er forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. (…) Die mehrheitlich muslimischen Türkei gehört zu den wenigen Ländern in der Region, in denen Homosexualität nicht verboten ist. Allerdings kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Schwule, Lesben, Bi- oder Transsexuelle.
(siehe http://de.euronews.com/2017/06/25/behorden-verhindern-gay-pride-marsch-in-istanbul
sowie: https://www.youtube.com/watch?v=_DbV2ipCN_Q
und https://www.youtube.com/watch?v=UOF78_T-7y4)

Historischer erster Schritt zur Rehabilitierung der Opfer von § 175
22.6.2017 – Auszüge einer Pressemitteilung des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) zur heute anstehenden Beschlussfassung des Bundestages zur Rehabilitierung und Entschädigung der nach § 175 StGB und weiterer Bestimmungen verurteilten Homosexuellen:
„Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) begrüßt, dass erste rechtspolitische Konsequenzen aus den schweren und massenhaften Menschenrechtsverletzungen gezogen werden, die auch vom demokratischen Staat an homosexuellen Menschen begangen wurden.
Das ist ein historischer Schritt. Es gibt aber bittere Wermutstropfen. Das Gesetz hat gravierende Lücken.
Erstens: Die vorgesehene Entschädigung für die Opfer, die durch eine menschenrechtswidrige Gesetzgebung verfolgt, inhaftiert und ihrer gesellschaftlichen Existenz beraubt wurden, ist viel zu gering. Schon die strafrechtliche Ermittlung nach § 175 StGB bewirkte gesellschaftliche Ächtung, bedeutete oft den Verlust des Arbeitsplatzes und der gesamten beruflichen Karriere. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar, zum Beispiel bei der Höhe der Rente. Das muss ausgeglichen werden.
Zweitens: Die CDU/CSU hat in letzter Minute eine Einschränkung bei der Aufhebung der Urteile durchgeboxt, die angeblich dem Jugendschutz dienen soll, in Wahrheit aber neue Ungerechtigkeiten schafft. Selbstverständlich dürfen keine Urteile zu sexuellem Missbrauch aufgehoben werden. Das Gesetz führt aber rückwirkend erneut unterschiedliche Schutzaltersgrenzen zwischen Homo- und Heterosexualität ein. Es bleiben Bereiche von der Rehabilitierung ausgeschlossen, die bei Heterosexualität nie strafbar waren.  […] Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat unterschiedliche Altersgrenzen bei Homo- und Heterosexualität längst als Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention eingestuft.“

Unterstützung für LSBTTIQ Geflüchtete!
20.6.2017, Auszüge aus der Pressemitteilung des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg zum Weltflüchtlingstag 2017: „Am Weltflüchtlingstag […] erinnert das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg an die besondere Situation von LSBTTIQ Geflüchteten. Wir brauchen endlich die Anerkennung der besonderen Schutzbedürftigkeit von LSBTTIQ Geflüchteten und Unterstützung für deren spezifischen Bedarfe.
LSBTTIQ Geflüchtete verlassen aus sehr verschiedenen Gründen ihr Herkunftsland. Manche versuchen einem Krieg zu entkommen, andere werden als politische Aktivist_innen verfolgt. Nicht immer ist ihre sexuelle Orientierung, ihre nicht-heterosexuelle Lebensweise, ihre Transsexualität, Intergeschlechtlichkeit oder das Leben zwischen den Geschlechtern der zentrale Grund für die Flucht. Dennoch gilt für sie alle, dass sie aus Gesellschaften fliehen, in denen ihnen Ausgrenzung, Zwangsverheiratung, Gefängnisstrafen, Folter oder gar die Todesstrafe drohen. „Hier ist es Aufgabe von Erstaufnahmestellen, Behörden und Mitarbeiter_innen in der Geflüchtetenarbeit in Baden-Württemberg, besonderen Schutz zu leisten, angemessene Begleitung zu bieten und eine faire Chance im Asylverfahren zu gewähren“, fordert Ulrike Goth vom Sprechendenrat des Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg. […] Informationen zu den Angeboten des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg für Geflüchtete und Kontakt zu unterstützenden Gruppen sind auf folgender Webseite zu finden: http://netzwerk-lsbttiq.net/refugee.“

175: Manfred Lucha fordert umfassende Rehabilitierung
17.5.2017: Zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie drängt Sozialminister Manne Lucha (Grüne) auf eine umfassende Rehabilitierung verfolgter Homosexueller. Zwar sollen nun Menschen entschädigt werden, die auf der Grundlage des 1994 abgeschafften „Schwulen-Paragrafen“ 175 verurteilt wurden. „Der Bundestag sollte aber prüfen, ob auch von Ermittlungen Betroffene in die Entschädigung einbezogen werden können“, sagte Lucha in Stuttgart. Nicht nur Verurteilungen, auch bereits Ermittlungen führten „nicht selten zum sozialen Tod“. (Quelle: Stuttgarter-Nachrichten, 17.05.2017)

Kunstausstellung: WE ARE PART OF CULTURE
13.5.2017: Das Projekt 100% MENSCH eröffnete am 13. Mai 2017 seine Geschäftsstelle in Stuttgart Bad Cannstatt in der Bochumer Straße 2. Das gemeinnützige Projekt 100% MENSCH plant für das Jahr 2017/18 eine Diversity-Kunstausstellung zum prägenden Beitrag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen, Intersexuellen und queeren Menschen an der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Europas. (…) Ziel der Ausstellung ist es, die sonst häufig thematisierte „Opferrolle“ aufzubrechen und die teilweise bahnbrechenden Leistungen zu präsentieren. Die Begleittexte zu den Kunstwerken, der Ausstellungskatalog sowie die Informationsmaterialien werden auf deutsch, englisch und arabisch erstellt. […] Die offizielle Vernissage erfolgt am 27. September im Berliner Hauptbahnhof (Quelle: http://www.wearepartofculture.de/wp-konzept.html)

„Gegen alle Widerstände“ – Talksendung Nachtcafè u. a. mit Heinz Schmitz
5.5.2017: Um 22 h wird im SWR Fernsehen die nächste Ausgabe der Talksendung Nachtcafé gesendet. Sie hat das Motto „Gegen alle Widerstände“. Zu Gast sein wird auch Heinz Schmitz (*1943 in Freiburg), der über seine Verurteilung nach § 175, seine Ehe und spätes Coming-out wie auch über die Auswirkungen seines „zweiten Coming-outs“ als Verurteilter berichten wird (Quelle: Email von Karl-Heinz Steinle vom 2. Mai 2017).

Universität Stuttgart entschuldigt sich für Nazi-Unrecht an 440 Menschen – unter ihnen auch § 175-Opfer
19.4.2017: Die Universität Stuttgart ermittelt zur Zeit alle ihre Mitglieder, die während der NS-Zeit durch die Hochschule selbst entrechtet und verfolgt wurden (entlassene Professoren, Assistenten, Dozenten und Mitarbeiter/innen, zwangsexmatrikulierte Studierende, Zwangsarbeiter u.a.). Anfang Februar 2017 hat die Universität Stuttgart schon eine Gedenkfeier zur Ehrung der Verfolgten durchgeführt:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.universitaet-stuttgart-arbeitet-nazi-vergangenheit-auf-440-opfer-von-unrecht-und-verfolgung-ermittelt.4737d708-7f7c-4ff2-b822-17b61fe8514f.html
http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/uni-entschuldigt-sich-fuer-nazi-unrecht-an-440-menschen–133257225.html
Zu den Verfolgten gehören auch zwei Studenten die von der Hochschule verwiesen, weil sie aufgrund eines Vergehens nach dem damaligen §175 Strafgesetzbuch gerichtlich verurteilt worden waren. Die Rechercheergebnisse werden in einem Buch veröffentlichen, dessen Schwerpunkt in den Biographien der Betroffenen liegt. Die Pressemeldung, dass das Buch schon erschienen sei, ist falsch (Quelle: Email vom 19.4.2017 von Herrn Dr. Beckers von der Universität Stuttgart).

Strafrechtliche Reha­bilitierung homosexueller Männer
28.4.2017: Am Freitag, den 28. April 2017 fand im Deutschen Bundestag die erste Lesung des Gesetzes zur Rehabilitierung und Entschädigung der in der Bundesrepublik wegen § 175 verurteilten Männer statt: siehe https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw17-de-rehabilitierung/501820. Zu diesem Anlass hatte Justizminister Maas fünf betroffene Zeitzeugen als Ehrengäste eingeladen, die der Lesung auf der Ehrentribüne des Bundestages beiwohnten. Unter ihnen waren Helmut Kress aus Tübingen und Heinz Schmitz aus Freiburg, deren Interviews auf dem Internet-Portal zu Lebensgeschichten, Repression und Verfolgung von LSBTTIQ in Baden und Württemberg, www.lsbttiq-bw.de zu sehen sind (Quelle: Email von Karl-Heinz Steinle vom 25.04.2017).

Verfolgten aus Tschetschenien Aufnahme anbieten
26.4.2017: Anfang April berichtete die russische Zeitung Nowaja Gaseta erstmalig von einer brutalen Verfolgungswelle durch staatliche Milizen gegen schwule und bisexuelle Männer in Tschetschenien. Mehr als 100 Männer wurden in Geheimgefängnisse verschleppt und gefoltert. Bislang weiß man von drei namentlich bekannten ermordeten Männern. (…) In der Fragestunde bei der heutigen Bundestagssitzung hat der Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth bestätigt, dass die Bundesregierung die Berichte über brutale staatliche Verfolgung von Homosexuellen in Tschetschenien als glaubwürdig einstuft, ihnen nachgeht und die Deutsche Botschaft in Kontakt mit Betroffenen steht. Dazu erklärt Uta Schwenke, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverband (LSVD): „Die russische Organisation LGBT Network hofft […], Flüchtlinge ins Ausland vermitteln zu können, gerade weil diese auch in Russland nicht sicher vor weiterer Verfolgung seien. Deutschland muss gefährdeten Personen aus Tschetschenien schützen, ihnen die Aufnahme anbieten und die Visa-Vergabe für Betroffene lockern. […] Merkel muss auf die sofortige Freilassung aller verschwundenen Männer, das Ende der brutalen Verfolgung, die lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse sowie die Strafverfolgung für Täter*innen bestehen.“ (Quelle: Email vom LSVD vom 26.4.2017)

Das Onlineprojekt Lesbengeschichte: „http://www.lesbengeschichte.org/
27.3.2017: Heute sind wir per Mail auf das Onlineprojekt Lesbengeschichte aufmerksam gemacht worden, worin es u. a. heißt:
„Jeder sozialen Gruppe muß ihre eigene Geschichte zugänglich sein. Das Wissen über unsere Vergangenheit gibt uns kulturelle Wurzeln und ein Erbe von Vorbildern und Erfahrungen, von denen wir lernen und denen wir nacheifern oder denen nicht zu folgen wir uns entscheiden können. Uns lesbischen Frauen ist grundsätzlich alles Wissen über unsere Vergangenheit vorenthalten worden. Dies ist vorsätzlich geschehen, denn es hält uns unsichtbar, isoliert und machtlos. (…) Die Unterdrückung der lesbischen Lebensform erstreckt sich über die Kontrolle zeitgenössischer Vorstellungen und Informationen hinaus auch auf die Kontrolle historischen Wissens.“1
Derzeit suggerieren gerade großstädtische lesbische, lesbisch-schwule, queere und transgender subkulturelle Szenen vorschnell Sichtbarkeit und Selbstverständlichkeit lesbischer Lebensweisen. Aber auch heute noch leben viele Lesben versteckt, sind unsichtbar und isoliert […].
Mit diesem online-Projekt wollen wir lesbische Frauen […] in ‚der‘ Geschichte sichtbar machen – mit ihren individuellen Lebensgeschichten wie auch bezogen auf etwaige ‚kollektive‘ Zusammenhänge frauenliebender Frauen. Das online-Projekt Lesbengeschichte zielt auf historische und aktuelle Sichtbarkeit und versteht sich als Teil des Widerstands gegen Enthistorisierung lesbischer Existenzen und Aktivitäten. Die De/Konstruktion von Geschichte steht für uns nach wie vor im Zeichen von Erinnerungskultur, historischem Lernen und für die Möglichkeit – nicht zwingende Notwendigkeit – historisch positiver Identifikation/en wie auch Abgrenzung/en.

Bundesregierung will verurteilte homosexuelle Männer rehabilitieren
22.3.2017: Die Bundesregierung hat heute den vom BMJV (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilten Personen und zur Änderung des Einkommensteuergesetzes beschlossen:
„Die Rehabilitierung der Männer, die allein wegen ihrer Homosexualität vor Gericht standen, ist überfällig. Nur wegen ihrer Liebe zu Männern, wegen ihrer sexuellen Identität, wurden sie vom deutschen Staat verfolgt, bestraft und geächtet. Die alten Urteile sind aus heutiger Sicht eklatantes Unrecht. Sie verletzen jeden Verurteilten zutiefst in seiner Menschenwürde. […]
Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld arbeitet bereits an einer Aufarbeitung und Dokumentation der einzelnen Schicksale. Wir werden die wichtige Aufgabenerfüllung der Bundesstiftung ab 2017 allgemein über eine institutionelle Förderung in Höhe von jährlich 500.000 Euro aus dem Haushalt des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz stärken und sichern. Denn: Es ist nicht allein damit getan, dass wir die Urteile aufheben, in der Öffentlichkeit aber kaum bekannt ist, worum es überhaupt geht.“
(Weitere Hintergrundinformationen unter http://www.bmjv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/03222017_Paragraph_175.html). Siehe hierzu auch folgende Videos/Filme:

Gedenken an lesbische Frauen und Mädchen im KZ Ravensbrück
10.3.2017: Aus einem Email von „Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich“ geht hervor, dass es mittlerweile mit den Gremien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte einen Konsens darüber gibt, dass es ein dauerhaftes Gedenken an lesbischen Frauen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück geben soll. „Nur“ noch bei der Frage des „wie“ gibt es nach wie vor unterschiedliche Standpunkte und Vorschläge. Die „Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich“ hatte beantragt: „Entsprechend der Leitlinien der Mahn- und Gedenkstätten Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten … beantragen wir wie folgt eine Gedenktafel bzw. ein Erinnerungszeichen mit der Inschrift: In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Lesbische Frauen galten als „entartet“ und wurden als „asozial“, als widerständig und ver-rückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet. Ihr seid nicht vergessen!
Sowohl in der Sitzung des Internationalen Beirats am 14. November 2016 als auch in der Fachkommission am 6.12. 2016 hätte es zu dieser Inschrift kontroverse Diskussionen gegeben. Der Beschluss der Beiratssitzung wird wie folgt zitiert: „Nach intensiver und kontroverser Diskussion kann derzeit kein Beschluss für oder gegen den Antrag gefasst werden. Kompromisse wären der frühere Konsensvorschlag oder die Nennung konkreter Namen.“ Der frühere Formulierungsvorschlag aus dem Jahr 2011 lautete: „Im Gedenken an lesbische Frauen, die aus politischen, religiösen, rassistischen oder sozialen Gründen im KZ Ravensbrück in den Jahren 1939-1945 inhaftiert waren.“
Eine endgültige Entscheidung sei auf den 5. Mai 2017 verschoben worden (siehe hierzu auch: http://www.konnys-lesbenseiten.de/ und die Auseinandersetzung um das „Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“ in 2010: http://www.homo-denkmal.de/index.php?view=article&id=84 und http://www.homo-denkmal.de/files/Offener%20Brief%20-%20Staatsminister%20Neumann%20100318.pdf)

Maghreb-Staaten sind nicht sicher
10.3.2017: Der Bundesrat hat der Einstufung von Algerien, Marokko und Tunesien als „sichere Herkunftsstaaten“ nicht zugestimmt. Dazu erklärt Stefanie Schmidt, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD): „Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) begrüßt die heutige Entscheidung des Bundesrates, einer Einstufung von Algerien, Marokko und Tunesien als „sichere Herkunftsstaaten“ nicht zuzustimmen.
In allen drei Staaten werden Menschenrechte verletzt, Homosexuelle als soziale Gruppe verfolgt und einvernehmliche Sexualität unter Erwachsenen gleichen Geschlechts mit hohen Gefängnisstrafen bedroht. Menschen werden eingesperrt und misshandelt, nur weil sie anders lieben. Die letzte bekannt gewordene Verurteilung zweier Männer wegen gleichgeschlechtlichen Handlungen in Marokko liegt gerade einmal zwei Wochen zurück.
Staaten als „sicher“ zu deklarieren, die Homosexualität kriminalisieren, stellt Menschenrechtsverfolgungen einen Persilschein aus. Das wäre ein schwerer Schlag für einen glaubwürdigen Kampf zur weltweiten Entkriminalisierung von Homosexualität. Der LSVD ist froh, dass der Bundesrat diesen menschenrechtlich fatalen Weg nicht mitgeht. Wir danken allen Landespolitikerinnen und Landespolitikern, die hier standhaft geblieben sind und die Verharmlosung der Menschenrechtslage in den Maghreb-Staaten nicht mitmachen.“

Hörtipp: Der Paragraf 175 – Langes Warten auf Gerechtigkeit
28.2.2017 – Deutschlandfunk:  http:/www.deutschlandfunk.de/der-paragraf-175-langes-warten-auf-gerechtigkeit-fuer.724.de.html?dram:article_id=380137

2017 Das Internetprojekt „Der Liebe wegen“ geht online

27. Januar 2017: 
Pressemitteilung „Der Liebe wegen – ausgegrenzt und verfolgt im deutschen Südwesten
Rosa Hilfe Freiburg e. V. und Weissenburg e. V., Stuttgart, präsentieren zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus das Internetprojekt „Der Liebe wegen“:
PM-25-1-2017-Der-Liebe-wegen

Pressemitteilung: „Zukunft braucht Erinnerung – Verfolgung und Diskriminierung von LSBTTIQ im Nationalsozialismus endlich konsequent aufarbeiten“
Das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg erinnert zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialimus daran, dass die Aufarbeitung von Verfolgungsgeschichte notwendig ist für eine nachhaltige Stärkung demokratischer Grundwerte und gelebter Akzeptanz menschlichen Vielfalt:
Netzwerk-LSBTTIQ_Verfolgung_LSBTTIQ-aufarbeiten-2017-01-26

2016

Gründung des Bündnis Vielfalt für Alle, Ausstellung „Vom anderen Ufer“ sowie Fachtagung „Späte Aufarbeitung“

17. Jan. 2016: Besuch der Ausstellung „Vom anderen Ufer“ im Stadtmuseum Ludwigshafen auf Einladung der Lesbisch-Schwule Geschichtswerkstatt Heidelberg-Ludwigshafen-Mannheim und dem Landesnetzwerk LSBTTIQ-Baden-Württemberg / Themengruppe Geschichte im Landesnetzwerk

27. / 28. Juni: Fachtagung „Späte Aufarbeitung. Lebenswelten und Verfolgung von LSBTTIQ-Menschen im deutschen Südwesten“ in Bad Urach, zu der die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die Universität Stuttgart, das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg eingeladen hatte (siehe hierzu den Beitrag auf www.mh-stiftung.de).

2015

27. Januar 2015: Veranstaltung zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz zum Thema Verfolgung homosexueller Männer 1933-1945
im Kaissersaal des Historischen Kaufhauses in Freiburg vom Kulturamt der Stadt Freiburg und SWR Studio Freiburg in Zusammenarbeit mit u. a. Rosa Hilfe Freiburg e. V.:
http://www.rosahilfefreiburg.de/termine/gedenkveranstaltung-zum-jahrestag-der-befreiung-von-ausschwitz-27-1-1945/

3. Juni 2015: Gedenken zu Beginn: „Ausgegrenzt und totgeschwiegen: Verfolgung von gleichgeschlechtlich Liebenden“ im Rahmen des Evangelischen Kirchentags 2015 in Stuttgart.
Anfertigung der Gedenkstele: gedenk-stele-kirchentag_-webversion

16. Juni 2015: Verabschiedung des Aktionsplans für Akzeptanz und gleiche Rechte Baden-Württemberg
Dieser wurde unter Federführung des Sozial- und Integrationsministeriums entwickelt, um Vorurteile gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen (LSBTTIQ) abzubauen. Dieser beinhaltet auch eine Zielvereinbarung mit dem Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg sowie die Förderung von Erinnerungsarbeit wie z. B. das Homepageprojekt „Der Liebe wegen“.

CSD 2015 in Stuttgart: Unterschriftenaktion während des CSD Stuttgarts: „Öffnet die Grenzen – Kobanê muss leben – für einen humanitären Korridor“ – Internationale Unterstützung des Kampfes gegen den sog. Islamischen Staat (IS) von zentraler Bedeutung – auch für die kurdischen, türkischen und arabischen lesbische, schwule, bi-, trans-, intersexuelle und transgender Menschen – eine Unterstützeraktion während des CSD 2015: lsbttiq-und-kobane

Unterdrückung des „Gay Pride“ in Istanbul durch Polizeigewalt in 2015, siehe: https://www.youtube.com/watch?v=o9Wug_3ffuw, https://www.youtube.com/watch?v=GaLyobbXqO8 und https://www.youtube.com/watch?v=IOJ6jz_6oCY. In 2016 wurde der „Gay Pride Istanbul“ erneut unterdrückt. Dabei hatte sich der „Gay Pride Istanbul“ in 2014 mit über 150.000 Teilnehmer_innen zum weltweit größten Christopher Street Day in einem überwiegend islamischen Land entwickelt. Auch Gay Pride-Wochen und Paraden in Iszmir, Ankara, Antalya, Malatay oder in Iskenderun an der syrischen Grenze haben eine erstaunliche Aufbruchstimmung emanzipatorischer Bestrebungen in der Türkei gezeigt. Die Empörung über sog. „Ehrenmorde“ in der gesamten Türkei (siehe z. B. den „Ehrenmord“ von Ahmet Yildiz im Mai 2010) sowie Hinrichtungen von homosexuellen Männern durch den Islamischen Staat in Syrien und im Irak hatte dazu beigetragen.

23. Juli 2015: „Der Liebe wegen verfolgt… in der NS- und Nachkriegszeit wie auch in manchen Ländern noch heute“ im Haus der Geschichte in Stuttgart – Gemeinsame Veranstaltung von Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V., Haus der Geschichte Baden-Württemberg und Weissenburg e. V.: http://hotel-silber.de/?p=1159

2014

26. Januar bis 15. März 2014: 
Ausstellung „lesbisch jüdisch schwul 
in der Weissenburg in Stuttgart mit Unterstützung des Stuttgarter Stadtmuseums und von Beate Müller. In der Homosexuellenkultur der Zwanzigerjahre gab es viele – heute meist in Vergessenheit geratene – lesbische Jüdinnen und schwule Juden, die in Kunst, Wissenschaft und Literatur ihren Beitrag zur Emanzipation beider Gruppen leisteten. Die vom Schwulen Museum, Berlin, erarbeitete Aussstellung zeigte 24 Biografien, die die Erfahrungen lesbischer Jüdinnen und schwuler Juden, ihre doppelte Stigmatisierung in der Zeit des Nationalsozialismus repräsentieren: Exil, Leben im Untergrund, Deportation, Ermordung aber auch Überleben und Wirken in der Nachkriegszeit.

27. Januar 2014: 
„Es fehlt ein bedeutendes Stück Geschichte – Zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus“ – LSBTTIQ-Netzwerk Baden-Württemberg

28. Oktober 2014: Veranstaltung „Zum Schrecken der Homosexuellen Stuttgarts… – Die Verfolgungsgeschichte der Homosexuellen von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit“ 
im Hotel Silber, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Auftakt Hotel Silber“ von Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stadt Stuttgart und Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V.
http://www.geschichtsort-hotel-silber.de/news-blog/beitrag/zum-schrecken-der-homosexuellen-stuttgarts-die-verfolgungsgeschichte-der-homosexuellen/

November 2014: Mit dem verabschiedeten Grobkonzept für die Dauerausstellung im „Hotel Silber“ 
von Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber und der Stadt Stuttgart konnte erreicht werden, dass erstmals in einem geplanten Lern- und Gedenkort in Baden-Württemberg die Ausgrenzung und Verfolgung homosexueller Männer in der NS- und Nachkriegszeit dargestellt werden wird. Ziel der Dauerausstellung soll u. a. sein, aufzuzeigen, „wie wichtig es ist, dass alle Formen der Ausgrenzung, Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund von Abstammung, Herkunft, politischer oder religiöser Anschauung, sexueller Orientierung oder gesundheitlicher Verfassung als solche erkannt werden und ihnen couragiert entgegen gearbeitet wird.“
http://www.geschichtsort-hotel-silber.de/fileadmin/REDAKTION/Inhaltsseiten/Das_Projekt/Grobkonzept_Dauerausstellung.pdf

2013

27. Januar 2013: Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus „Ausgrenzung und Verfolgung Hommosexueller in Baden-Württemberg endlich konsequent aufarbeiten“ Pressemitteilung des Weissenburg e. V. und IG Stuttgart CSD e. V.:
http://www.csd-stuttgart.de/2013/files/PM-Opfergedenken-2013.pdf

Unterschriftenaktion: „Appell an Stadt und Land – Für einen würdigen Lern- und Gedenkort im ehemaligen Gestapogebäude ‚Hotel Silber‘ unter Einbeziehung aller NS-Verfolgtengruppen“ von IG CSD Stuttgart e. V., Laura Halding-Hoppenheit (Kings Club), LSVD Baden-Württemberg e. V., Schwulst e. V. und Weissenburg e. V.:
http://csd-stuttgart.de/2014/index.php/neues/40-appell

15. Juni 2013: Fahrt in das KZ Auschwitz und zum CSD in Warschau:
fahrt-zum-kz-auschwitz-und-zum-csd-warschau

16./17. November 2013: Fachtagung „Stand und Perspektiven der Erforschung, Thematisierung und Darstellung der Situation von Lesben und Schwulen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit in Baden-Württemberg“
– Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg e. V. und Weissenburg e. V.
fachtagung-lesben-schwule-im-nationalsozialismus-und-nachkriegszeit

2012

26. Juli 2012:  „Klänge des Verschweigens“ – Gemeinschaftsveranstaltung im Rahmen des CSD Stuttgart – Film-Preview und Diskussion mit Klaus Stanjek, dessen schwuler Onkel, der Musiker Wilhelm Heckmann, die Konzentrationslager Dachau und Mauthausen überlebte.
Beteiligte: Jugendhaus, lernort gedenkstätte, Manuel Koesters, Mauthausen Komitee Stuttgart e. V., Rosa-Winkel-Initiative des Weissenburg e. V. und Cinetarium – Klaus Stanjek Dokumentarfilm Produktion:
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2011

1. Dezember 2011: „Minni (Hermine) Wertheimer und die Weissenburg“ – Gedenkflyer angesichts des 70. Jahrestags der Deportation der württembergischen Jüdinnen und Juden:
winni-wertheimer-und-die-weissenburg-gedenkflyer111108

2010

17. April 2010: Rede zum § 175 von William Schaefer von der Rosa Hilfe Freiburg e. V. beim CSD Freiburg

21. April bis 14. Mai 2010: Ausstellung im Stuttgarter Rathaus Die NS-Verfolgung Homosexueller in Stuttgart sichtbar machen“ – ein Gemeinschaftsprojekt des Weissenburg e. V. und des Stadtarchiv Stuttgart sowie Schwulst-Sonderheft 3 vom April 2010 zum Thema „Ausgrenzung aus der Volksgemeinschaft – Homosexuellenverfolgung in der NS-Zeit“ – ein Gemeinschaftsprojekt von Schwulst e. V. und Weissenburg e. V., Autoren: Ralf Bogen, Dieter Salwik, Mathias Strohbach und Thomas Ulmer:
sonderausgabe-schwulst-homosexuellenverfolgung
2010-04-gab-Interview-Namen-fuer-die-Vergessenen
StZ_22_04_10_NS-Ausstellung_Homosexualität

28. Juni 2010Veranstaltung „Schicksale männlicher § 175-Opfer in Südbaden zwischen 1933 bis 1945“ unter Mitwirkung des Rosa Hilfe Freiburg e. V.:
http://www.rosahilfefreiburg.de/2010/06/video-schicksale-maennlicher-opfer-des-%c2%a7-175-in-suedbaden-1933-1945/

2009

„Schon gewußt?“– Flyer des Arbeitskreis Rosa Winkel Stuttgart des Weissenburg e. V.
rosawinkelflyer_vorderseite; rosawinkelflyer_rueckseite

28. Juli 2009: „Zukunft braucht Erinnerung“ 
Veranstaltung der Initiative für einen Gedenkort im ehemaligen Hotel Silber während der CSD-Kulturwoche in Stuttgart
zukunft_braucht_erinnerung

Unterschriftenaktion „Für den Erhalt des Gebäude der ehemaligen Gestapozentrale in Stuttgart als authentischen Lern- und Gedenkort“ vom Buchladen Erlkönig, IG CSD Stuttgart e.V., Laura Halding-Hoppenheit, Lesben- & Schwulenverband in Deutschland e.V. (Landesverband BaWü), Verband Lesbischer & Schwuler PsychologInnen und Zentrum Weissenburg e.V.:
csd-programmheft09-hotel-silber